14.07.2026 / Bibel heute

Sprudelwasser

Spricht die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürstet und ich nicht herkommen muss, um zu schöpfen! Spricht er zu ihr: Geh hin, ruf deinen Mann und komm wieder her! Die Frau antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast richtig gesagt: »Ich habe keinen Mann.«[...]

Johannes 4,15–26

Ihr Browser unterstützt HTML5 Audio nicht!

Das Wasser des Lebens

Kennen Sie noch die Werbung? Eine junge Frau zapft Wasser aus ihrem Sprudler. Dabei schaut sie mitleidig aus dem Fenster – auf den Nachbarn draußen: mühevoll schleppt er Sprudelkästen aus dem Auto: das braucht sie nicht! Sie hat ihren Sprudler.

Wasser gehört zu den Grundnahrungsmitteln. Seit eh und je. So auch für jene Frau, von der der Bibeltext berichtet. Nur, dass sie jeden Mittag an den Brunnen laufen muss, um Wasser zu holen; obwohl es auch in der Stadt Wasser gibt. Und das bei Wind und Wetter. Da erscheint es verlockend, was der fremde Mann ihr anbietet: Ich habe ein Wasser; wenn Du davon trinkst, ist Dein Durst für immer gestillt; ja Du selbst wirst zu einem Brunnen für andere Menschen. Die letzten Worte des Fremden hört sie vielleicht schon gar nicht mehr: Gib mir dieses Wasser, damit ich nie mehr hierher kommen muss!

Schluss mit der Plagerei

Gib mir dieses Wasser: Ich kann die Frau gut verstehen: Schluss mit der Plagerei. Schluss mit dem Spießrutenlaufen durch die Stadt nach draußen. Dorthin, wo sie in den Augen der anderen hingehört. Ein für alle Mal Schluss damit. – Gib mir!

Auch wenn der Fremde nichts dabei hat, um ihr Wasser zu geben: irgendwie vertraut sie ihm; irgendwie fühlt es sich richtig an, was er sagt. Doch auf ihre Bitte hin fährt kein Tankwagen vor, wird keine Wasserleitung in ihrem Haus installiert. Stattdessen Schocksekunde. Jesus antwortet: Hol Deinen Mann! Ihr Mann? Ich habe keinen Mann, sagt sie knapp. „Richtig, fünf Männer hast Du gehabt, und der, den Du jetzt hast, ist nicht Dein Mann!" Ganz schön mutig von dem Fremden, das der Frau auf den Kopf zuzusagen; so etwas Intimes. Woher er das wohl weiß?

Die Frau lässt dennoch kein Wort raus. So erfahren wir auch nichts von ihrer Lebenssituation.

Der Prophet und die Frage der Anbetung

Bist Du ein Prophet? Schließlich kann doch wohl nur ein Prophet ihre persönliche Geschichte kennen. Die Frau spürt, dass dieser Fremde nicht irgendwer ist. Aber ohne eine Antwort abzuwarten, lenkt sie das Gespräch auf das Thema der Anbetung und Beziehung zu Gott. Der Ort der Anbetung Gottes ist seit Jahrhunderten ein schwieriges Thema zwischen Samaritanern und Juden. Der Hintergrund: Samaritaner werden Leute genannt, die aus dem ehemaligen Nordreich Israel kommen. Nach der Eroberung des Nordreichs durch die Assyrer entstand dort eine Mischbevölkerung aus Juden und anderen Völkern; die Religionen vermischten sich; Götzendienst breitete sich aus. Juden aus dem Südreich verachteten darum die Samaritaner. Als sie ihnen verboten, am Tempel in Jerusalem mitzubauen, errichteten die Samaritaner ihren eigenen Tempel. Wenig verwunderlich also, dass die Frau mit diesem Propheten aus dem Südreich über den Ort der Anbetung spricht. Der Fremde vertritt die jüdische Position. Aber er diskutiert mit der Frau nicht über den Ort. Fast unmerklich bringt er das Gespräch auf die Person der Anbetung: in Zukunft werde der Ort der Anbetung gar nicht mehr wichtig sein, sondern die Person, die angebetet werde. Sie als Juden wissen im Übrigen, wen sie anbeten, denn das Heil, die Rettung, der Retter kommt von den Juden. Und wie man anbetet, das sagt der Fremde auch. Auf einmal spricht er vom himmlischen Vater. Der ist nicht stofflicher Natur; schon gar nicht ein Bild, das ich mir mache, sondern ein Geistwesen. Und so – im Heiligen Geist und in der Wahrheit will er auch angebetet werden.

Das wird der Frau wohl zu viel: Wenn der Retter kommt, wird er uns das alles erklären. Punktlandung: „Ich bin's, der mit Dir redet." Der Fremde ist der Retter, auf den sie alle warten. Jesus Messias, Jesus Christus.

Jesus – das Wasser des Lebens

Hier bricht der Dialog ab. Das Ziel ist erreicht. Und die Frau? Was ist mit dem Wasser? Was wird aus der Lebenssituation? Jesus hat kein Wasser und er schöpft auch kein Wasser. Er ist kein Wasserspender. Jesus ist selbst das Wasser; das Wasser, das die Lebenssituation der Frau verändern kann. Jesus, das Wasser des Lebens, ist der Lebenspender. Das ist er dadurch, dass er die Wahrheit ist. Nicht philosophisch; nicht theoretisch; nicht aufgrund von Fakten. Sondern weil er uns Menschen durch und durch kennt und so sehr liebt, dass es ihm wehtut, wenn er uns leiden sieht. Jesus kennt unsere wunden Punkte. Und so kann er die Frau mit ihrer Lebenssituation konfrontieren; da tut es zwar richtig weh. Doch genau das sind die Punkte, an denen Ihre Probleme gerade andocken.

Stellen Sie sich einen Kleiderschrank vor; mit Mühe haben Sie die Türen zugekriegt. Und jetzt kommt Jesus und deutet ausgerechnet auf diesen Schrank. Sie schauen Jesus an, vertrauen ihm und öffnen. Alles fällt raus, was Sie mit Mühe über die Jahre da hineingestopft haben. Vielleicht fangen Sie jetzt an zu weinen, zu klagen, zu schreien. Jesus nimmt Sie in seinen Arm und schaut Sie mit liebenden Augen an. Dann fragt er Sie: Darf ich Ihnen helfen? Helfen zu sortieren, auszumisten, die Probleme dahinter zu entdecken? Darf ich Sie befreien, wiederherstellen, heilen, was beschädigt und krank ist, Sie aus Gefangenschaften lösen, Bindungen und Lebenslügen durchschneiden? Darf ich? – Das meint das Wort von der Anbetung: Jederzeit, Tag und Nacht, überall dürfen Sie Jesus anrufen. Und was Sie vielleicht niemandem offenbaren würden, was keiner sehen darf: das dürfen Sie vor Jesus ausbreiten. Jesus, der Ihre Wahrheit kennt, aber wartet, bis er Ihnen helfen darf. Denn das tut er so gerne. Weil nur er wirklich retten kann. – Dass Sie Jesus in Ihrem Leben so erkennen; dass Sie sich ihm komplett anvertrauen und seine Hilfe erfahren: das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.

Autor/-in: Pastor Wolf-Dieter Keßler