27.08.2026 / Bibel heute

„Seht, welch eine Liebe!“

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch! Darum erkennt uns die Welt nicht; denn sie hat ihn nicht erkannt. Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist.[...]

1. Johannes 3,1–10

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Eine unübertrefflich gute Nachricht

Der Text beginnt mit einer unübertrefflich guten Nachricht. Wir alle können Kinder Gottes werden und es bereits jetzt sein. Doch wie können wir uns Gottes Liebe vorstellen? Was bedeutet es, Kind Gottes zu sein?

Im Johannesevangelium Kapitel 3 Vers 16 steht: „16 So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Jeder Mensch – Sie, ich, wir alle – hat Fehler, Sünden und Verfehlungen. Es gibt so viele Dinge, die ein gemeinsames Leben mit Gott nicht zulassen. Denn Gott ist vollkommen ohne Sünde. In seiner Gegenwart darf es keine Sünde geben. Wir alle verdienen die ewige Trennung von Gott.

Aber genau aus diesem Grund ist Jesus auf die Erde gekommen. Er ist am Kreuz gestorben, damit diese Trennung aufgehoben werden kann. Durch seinen Tod hat er alles, was uns von Gott trennt, auf sich genommen, damit wir errettet werden können. Weil er uns über alles liebt. Weil er Gemeinschaft mit uns haben möchte. Es war der einzige Weg. Damit wir Gottes Kinder sein können.

Der Apostel Paulus schreibt im 2. Korintherbrief, Kapitel 5 Vers 17: „Wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Durch den Glauben an Jesus können Menschen von Neuem geboren werden. Nur durch diese Veränderung ist es möglich, nicht mehr zu sündigen. Deshalb sollen wir uns reinigen, wie Johannes es im heutigen Abschnitt der Bibellese schreibt. Wir sollen nicht mehr sündigen. Denn wir sind Kinder Gottes. Johannes macht dabei in den heutigen Versen einen klaren Unterschied zwischen denen, die Kinder Gottes sind. Das sind diejenigen, die nicht mehr sündigen müssen und die Gerechtigkeit Gottes lieben. Und denen, die nicht zu Gottes Kindern gehören und Sünde und Gesetzlosigkeit tun.
 

Wenn Zweifel an der eigenen Rettung bleiben

An dieser Stelle gibt es nun ein Problem. Ich sündige ja selbst immer noch. Dabei bin ich Christ. Und ich habe noch keinen Christen kennengelernt, der seit seiner Bekehrung nicht mehr gesündigt hätte. Vielleicht haben Sie die Passage im 1. Johannesbrief schon einmal gelesen. Vielleicht hören Sie sie heute zum ersten Mal. Vielleicht haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt: „Glaube ich überhaupt genug?“, „Glaube ich richtig?“ oder „Bin ich überhaupt errettet?“

All das sind Fragen, die zumindest mir schon einmal durch den Kopf gegangen sind. Aber all diesen Zweifeln steht entgegen, was der Apostel Paulus im Römerbrief Kapitel 10 geschrieben hat: „Wer von Herzen glaubt, dass Jesus Christus für ihn gestorben und wieder auferstanden ist, der ist auch errettet.“ Jeder, der diese Hoffnung auf Jesus hat, ist ein Kind Gottes und wird die Ewigkeit mit ihm verbringen.

Aber was meint Johannes hier dann? Ich denke, er bezieht sich nicht auf einzelne Fehler oder Sünden, sondern auf die Frage: Wie gehen wir mit der Sünde allgemein um? Was tun wir, wenn wir sündigen? Was tun wir, wenn wir mit unserer Schuld konfrontiert werden?
 

Zwei Könige – zwei Wege mit der Schuld

Um diesen Gedanken zu verdeutlichen, möchte ich ein Beispiel aus dem Alten Testament nennen. Sie spielt vor 3.000 Jahren. Auf der einen Seite steht König David. Auf der anderen Seite steht König Saul. Beide waren Könige von Israel. Beide waren von Gott eingesetzt und sollten über das Land herrschen.
König Saul sündigte und tat Dinge, die Gott missfielen.

Der Prophet Samuel konfrontierte ihn mit seiner Schuld. Samuel sprach ihn direkt darauf an. Saul leugnete jedoch seine Sünden. Noch schlimmer: Er behauptete sogar, er habe doch eigentlich Gottes Willen getan. Saul fand viele Ausreden für sein Handeln. Er sah seine Schuld nicht ein. Er brachte seine Sünden nicht vor Gott. Saul bereute nicht, was er getan hatte. Am Ende nahm Gott ihm das Königtum und hat Saul verstoßen.

Auch Sauls Nachfolger auf dem Königsthron Israels, auch David sündigte und tat, was Gott nicht gefiel. Der Prophet Nathan konfrontierte ihn mit seiner Schuld. Nathan sprach ihn direkt darauf an. David ist damit allerdings anders umgegangen als Saul. David erkannte seine Sünde. Er erkannte, dass er nicht nach Gottes Willen gehandelt hatte. Anders als Saul bat David Gott um Vergebung. Er bat Gott, ihm die Sünden zu vergeben. David bereut seine Sünde zutiefst (das kann man nachlesen in Psalm 51). Am Ende bestätigt Gott Davids Königtum und verstößt ihn nicht. David darf weiter regieren.

Ich möchte noch einmal alle ermutigen, die Angst haben, dass Gott sie wegen bestimmter Sünden verlassen oder verdammen könnte. Die Angst ist unbegründet, sofern Sie an Jesus Christus glauben – er hat auch für Ihre Schuld bezahlt. Sie können schon jetzt Kind Gottes sein.
 

Schon jetzt Kinder Gottes – und doch mit Zukunftsperspektive

Der heutige Textabschnitt führt allerdings noch deutlich über das Hier und Jetzt hinaus. Johannes hat nämlich ebenfalls eine Zukunftsperspektive im Sinn. Er zeigt auf, wie es einmal sein wird. Wenn wir einmal in der direkten Gegenwart unseres Retters stehen. Dann werden wir nicht mehr in der Lage sein, zu sündigen. So wie Johannes es in Vers 2 beschreibt: „2 Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“

Was wir heute erleben, ist die Überschneidung zwischen der himmlischen Identität, die wir bereits jetzt haben, und der gefallenen Welt, in der wir heute noch leben. Diese Spannung gilt es auszuhalten. Am Ende bleibt: Gott liebt uns mit unendlicher Treue.

Autor/-in: Simon Herr