22.04.2026 / Anstoß - Gedanken zum Tag

Schuldenschnitt

Ich und meine Brüder und meine Leute haben unsern Brüdern auch Geld geliehen und Getreide. Erlassen wir ihnen doch diese Schuld! Gebt ihnen noch heute ihre Äcker, Weinberge, Ölgärten und Häuser zurück und erlasst ihnen die Schuld an Geld, Getreide, Wein und Öl, die ihr von ihnen zu fordern habt. Da sprachen sie: Wir wollen es zurückgeben und wollen nichts von ihnen fordern und wollen tun, wie du gesagt hast. Und ich rief die Priester und nahm einen Eid von ihnen, dass sie so tun sollten.

Nehemia 5,10-12

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Etwas mehr als 2.500 Jahre ist es her. Schauplatz: Das Heilige Land. Eine Nation im Wiederaufbau. Unter der tatkräftigen Verwaltung eines Mannes namens Nehemia. Der muss zu seinem Entsetzen feststellen: Das Unrecht, das einst zum Niedergang Israels und in die Katastrophe geführt hat – es ist noch da. Die aus dem babylonischen Exil zurückgekehrten „Vornehmen“ der jüdischen Gemeinschaft verhalten sich genauso gewissenlos wie ihre Vorfahren drei Generationen vorher. Sie beuten ihre Landsleute aus, übervorteilen sie, fordern Wucherzinsen und machen Druck, Hauptsache, die Volksgenossen bedienen ihre Schulden – egal wie.

Nehemia nimmt wahr: Er und seine Familie sind Teil des Problems, denn auch sie haben Getreide auf Kredit abgegeben und den Nachbarn Geld gestundet – aber die sitzen nun in der Schuldenfalle und werden so schnell nicht wieder herausfinden.

Nehemias radikaler Vorschlag zur Lösung des Problems findet sich im Buch Nehemia, Kapitel 5: Ein Schuldenschnitt. Die Gläubiger sollen die ausstehenden Zahlungen abschreiben – und sie werden sich das auch leisten können. Die Schuldner bekommen mit einem Schlag wieder Luft zum Atmen, können den Kopf heben – und zuversichtlich nach vorne schauen.

Das Problem ist hochaktuell – und Nehemias Lösungsansatz ebenfalls. Überschuldung nutzt niemandem und schadet allen. Schuldenerlass setzt Kräfte frei. Das ist nicht nur eine ökonomische Tatsache, das ist auch eine biblische Wahrheit. Bereits im 3. Buch Mose ist das „Erlassjahr“ geboten worden; ein regelmäßiger Reset der Besitzverhältnisse alle 50 Jahre. Nicht als Utopie, sondern als hilfreiche, lebenspraktische Anweisung.

Autor/-in: Markus Baum