27.08.2023 / Bibel heute
Schuld, Gericht und Gnade in Israels Geschichte (3)
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Wer hat denn das geschrieben? ASAF?!
Der 78. Psalm ist eine Unterweisung Asafs. Wer ist dieser Mann, der mich beim Lesen seiner Verse so frustriert hat? Ich forsche im Internet nach, da ich mir nicht so sicher bin. Und ich finde als Erklärung: Asaf ist ein Levit, … der Ahnherr einer Tempelsängergilde, … ein Gesangsmeister Davids am Heiligtum. Von ihm, so erfahre ich, leitet sich eine Gilde von Tempelsängern bzw. Tempelmusikern ab.[1] Wow! Ein Sänger, … ein Musiker, … ein Lobpreisleiter, … das ist doch etwas Positives! Asaf, ein Mann, der von Berufs wegen seine Gaben einsetzt, um Gott anzubeten und Gott groß zu machen. Mir wird klar, dass Asaf ein Mensch ist, der die Größe, Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes vor Augen hat. Er hat die großen Taten Gottes vor Augen, wenn er Lieder über ihn schreibt und wenn er Lieder über ihn singt. Er hat im Blick, was Gott alles für sein Volk getan hat, und fasst das in diesem Psalm wunderbar zusammen. Er erinnert die Menschen, die diese Worte damals von ihm hörten, an Gottes Wunder, als Israel aus Ägyptenland zog, … wie Gott das Meer teilte und Israel trockenen Fußes hindurchgehen ließ, … wie Gott Wasser aus einem Felsen sprudeln ließ, … wie Gott sein Volk mit Nahrung versorgte – mit Manna, dem Brot des Himmels.
Doch Asaf erinnert nicht nur an die großen Taten Gottes, sondern auch an die großen Sünden seines Volkes. Er erinnert daran, wie der Zorn Gottes über Israel ausbrach, „… weil sie nicht glaubten an Gott und nicht hofften auf seine Hilfe“ (Psalm 78, 22).
Weiter schreibt Asaf, dass Gottes Volk weiter sündigte. Wenn Gott dann Tod und Not unter sie brachte, dann fragten sie wieder nach ihm. Doch das Problem blieb: „Ihr Herz hing nicht fest an ihm…“ (Psalm 78, 37a). Weiter heißt es in Vers 41: „Sie versuchten Gott immer wieder und kränkten den Heiligen Israels.“
Und dann stellt Asaf das Unfassbare fest: Gott ist dennoch barmherzig. Er vergibt ihre Schuld. Er vertilgt sie nicht. Unglaublich! Doch genauso ist unser Gott!
Bei allem, was Gott für sein Volk getan hat: … die Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens, … die Führung in das verheißene Land, … Wunder über Wunder …
Es ist, als ob Asaf über all dieses nachdenkt und dann kopfschüttelnd schreibt: „Aber sie versuchten Gott und trotzten dem Höchsten und hielten seine Gebote nicht; sie wichen zurück und waren treulos wie ihre Väter und versagten wie ein schlaffer Bogen“ (Psalm 78, 56-57).
Asaf beschreibt in Kurzform die Geschichte eines treuen Gottes und eines ungehorsamen Volkes. Ein Volk, das nach der Landnahme genauso ungehorsam war, wie die Generationen bei der Wüstenwanderung zuvor. Sie versagten, wie ein schlaffer Bogen, der seinen Zweck verfehlt hat und so nicht zu gebrauchen ist. Nicht nur das, Israel errichtet Heiligtümer, Schreine auf den Höhen. Es fängt an, Götzendienst zu treiben. Und da platzt Gott der Kragen! Und es folgt ein sehr interessanter Satz in Vers 61: „Er gab seine Macht in Gefangenschaft und seine Herrlichkeit in die Hand des Feindes.“
Gemeint ist hier die Bundeslade, die nach dem 1. Buch Samuel, Kapitel 4, von den Philistern geraubt wurde. Die Bundeslade ist eine aus Akazienholz gefertigte und mit reinem Gold überzogene Truhe mit bedeutendem Inhalt. In ihr sind nicht nur die zwei Steinernen Tafeln mit den Zehn Geboten aufbewahrt, sondern auch der goldene Krug mit dem Manna und der Stab Aarons, der gesprosst hat. Zehn Gebote, die die Beziehung der Menschen mit Gott und untereinander regeln - und Symbole und Erinnerungen an Gottes Führung und Versorgung. Alles in allem ist die Bundeslade das Symbol der Gegenwart Gottes unter seinem Volk. Mit dem Raub der Bundeslade – den Gott zugelassen hat – ist die Gegenwart, Macht und Herrlichkeit Gottes aus Israels Mitte verschwunden. Im weiteren Verlauf des Textes wird deutlich, was Gott in seinem Zorn noch an schlimmen Dingen zulässt.
Doch dann beschreibt Asaf im 65. Vers eine große Wende in der Geschichte.
„Da erwachte der Herr wie aus dem Schlaf, wie ein Starker, der vom Wein fröhlich ist“ (Psalm 78, 65). Beim Lesen dieses Verses entsteht in mir das Bild von einem zornigen starken Mann, der sich – weil so oft enttäuscht – entschlossen hatte, nicht mehr zu helfen, nicht mehr einzugreifen. Doch dann schlägt er mit der Faust auf den Tisch, um seinem Entschluss ein Ende zu setzen. Und nicht nur das - er schlägt auch Israels Feinde. So sehr hängt er an seinem Volk, das ihn so oft enttäuscht hat, dass er nicht anders kann, als zu helfen. Gott ist und bleibt unfassbar!
Asaf, der Anbetungsleiter Davids, erinnert in diesem Psalm an die Größe, Macht und Heiligkeit Gottes. Er erinnert auch daran, wie die Herrlichkeit und Gegenwart Gottes einmal verloren ging. Es ist für Gott unerträglich inmitten eines Volkes zu wohnen, das ihn missachtet und mit seinem Verhalten beleidigt und kränkt. Kurzum: Asaf erinnert mit seinem Psalm an das Versagen von Gottes Volk. Und - er erinnert an die vielen Male, in denen Gott sich ihnen wieder zuwendet und hilft.
Am Ende des Psalms erinnert er daran, wie Gott selbst einen Hirtenjungen von den Schafherden weggeholt und zum König gemacht hat. Die Rede ist natürlich von König David. Im letzten Vers heißt es dann: „Und er weidete sie mit aller Treue und leitete sie mit kluger Hand“ (Psalm 78, 72).
Gott ist Gott! Er liebt, … er leidet, … er wird zornig, … er vergibt, … er hilft … und er kümmert sich.
Beim Lesen des Psalms habe ich einige Male den Kopf geschüttelt. Und sicherlich haben einige von Ihnen sich auch gefragt: Wie kann das sein? Wie kann es sein, dass Gottes auserwähltes Volk Gott so enttäuscht? Wie können sie nur Gottes Gebote immer wieder übertreten - und das bei allem, was Gott für sie getan hat?
Doch bevor wir mit dem Zeigefinger auf Israel zeigen, frage ich: Wie steht es denn um unsere Treue zu dem, der uns immer die Treue gehalten hat? Jeder Christ erlebt Anfechtungen und Zweifel. Gott ist gefühlt mal mehr mal weniger im Leben präsent. Wir erleben Zeiten, in denen wir uns Gott ganz nah fühlen. Und wir erleben Zeiten, in denen wir glaubensmäßig nur noch vor uns hinstolpern.
Doch ganz egal, wo wir uns auf unserer Reise mit Gott befinden; ganz egal, wie wir seine Nähe oder Ferne empfinden – Gott ist da. Und Gott ist treu. Und er bleibt treu und lässt niemanden hängen.
So wie der Apostel Paulus an den jungen Timotheus geschrieben hat: „Sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen“ (2. Timotheus 2, 13).
Unfassbar!!