28.03.2026 / Wort zum Tag

Pronto!

Einer aber unter den zehn aussätzigen Männern, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme.

Lukas 17,15

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 „Pronto– das Wort hat in Italien viele Bedeutungen. „Pronto“ sagt man am Telefon, wenn man es abnimmt. Das heißt: „Ich bin da, wir können reden.“ – –

Gedankensprung: Im Lukasevangelium lese ich einen Bericht, wie Jesus zehn an Aussatz erkrankte Männer geheilt hat. Aussatz – in der Bibel ist das ein Sammelbegriff für verschiedene Hautkrankheiten: Schuppenflechte, Entzündungen, Geschwüre. Das Schlimme war: Der Aussatz machte „unrein“. Bei wem Aussatz diagnostiziert war, der wurde konsequent aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, sozial und religiös. Er durfte keinem Gesunden nahekommen. Aussätzige lebten in kleinen Kolonien außerhalb der Städte und Dörfer. Die Teilnahme an Versammlungen, auch an Gottesdiensten, war ihnen streng verboten.

Jesus hat einige Aussätzige geheilt. Er hatte wenig Berührungsängste. Einmal heißt es sogar, dass er einen dabei berührte (Lukas 5,13). Davon steht hier nichts. Die zehn Männer halten Abstand. Sie rufen ihm aber ihre Bitte um Erbarmen unüberhörbar zu. Und Jesus erhört sie. Er schickt sie zum Priester, der für die „Gesundschreibung“ zuständig ist. Und tatsächlich: Sie werden alle gesund. Und dann?

Lukas berichtet :

„Einer von ihnen drehte sich sofort um, als er merkte, dass er geheilt worden war, und lobte und pries Gott mit lauter Stimme“ (Lukas 17,15), Das Buch.

Ich bin bei dem kleinen Wort „sofort“ hängen geblieben. „Sofort“ – „pronto“. Was hatten die übrigen neun nicht alles für wichtige Dinge „sofort“ zu tun! Ich verstehe das gut: „Sofort zu meiner Frau, zu meinen Kindern, zu meinen Eltern! Ihnen erzählen, dass jetzt alles anders und besser wird für uns.“ Oder: „Das will ich sofort meinen Freunden erzählen! Das müssen sie wissen!“ Oder: „Nichts wie hin zu den anderen Aussätzigen! Diese Chance dürfen sie sich nicht entgehen lassen.“ Viele gute Gründe und ehrenhafte Motive. Aber der Eine kehrt als Gesunder sofort zurück – zu Jesus. ER war es schließlich, dem er seine Heilung verdankte, seine neue Zukunft. Jesus hatte ihm die Tür zu den Menschen und zu Gott wieder aufgemacht. Das wurde dem Mann sofort bewusst. Deshalb auf zu Jesus – pronto! Er „lobte und pries Gott mit lauter Stimme“, lese ich. In Jesus, durch Jesus hat Gott mir geholfen.

Wie schnell vergesse ich Situationen, in denen Jesus mich vor Schlimmem bewahrt hat! Mir Gutes und Schönes geschenkt und ermöglicht hat! Da kommt eine lange Liste zusammen, und doch bleibt es, wenn’s hochkommt, bei einem kurzen Dankgebet. Schade eigentlich! Aufschreiben würde da helfen … „Gott loben, das ist unser Amt“, heißt es in einem alten Lied (David Denicke nach Cornelius Becker, EG 288,5).  Ja, Gott zu loben hat sein eigenes Gewicht. Es hat auch heute noch seinen Wert.

Diese Geschichte hat noch eine Pointe. „Dieser Mann war ein Samaritaner“, berichtet Lukas (Lukas 17,16), Das Buch. Er gehörte nicht dem jüdischen Volk an, das zu Gott und zu dem Gott eine besondere Beziehung hatte und bis heute hat. Ob der Mann gerade deshalb so prompt eine Beziehung zu Gott herstellen will, so – pronto? Weil Jesus, weil Gott ihn jetzt angenommen hat?

Autor/-in: Dekan Dr. Heinz-Werner Neudorfer