14.11.2024 / Bibel heute
Offenbarungen des Herrn und die Schwachheit des Paulus
Gerühmt muss werden; wenn es auch nichts nützt, so will ich doch kommen auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christus; vor vierzehn Jahren – ist er im Leib gewesen? Ich weiß es nicht; oder ist er außer dem Leib gewesen? Ich weiß es nicht; Gott weiß es –, da wurde derselbe entrückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselben Menschen – ob er im Leib oder außer dem Leib gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es –,[...]
Ihr Browser unterstützt HTML5 Audio nicht!
Ich möchte heute mit Ihnen einen Blick in das Leben des Apostel Paulus wagen. Hier in unserem heutigen Bibeltext spricht er ja ganz persönlich von sich. Zuerst blicken wir auf sein besonderes Himmelserlebnis. Im zweiten Schritt schauen wir uns sein Leiden an. Und dann wollen wir sehen, was für einen Schluss Paulus daraus zieht.
Nun also zuerst sein besonderes Erlebnis. Er schreibt an die Christen in Korinth, dass er das vor vierzehn Jahren hatte. Zum einen nennt er es: in den dritten Himmel versetzt. Und dann auch: ins Paradies versetzt. Dieser Augenblick von vierzehn Jahren muss ihn ungemein beeindruckt haben. Dort hat er geheimnisvoll Worte gehört, die kein Mensch aussprechen kann. Er ist sich nicht sicher, ob er körperlich dort war oder nur im Geist. Die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn haben ihn nachhaltig geprägt.
Und ich denke an sein Berufungserlebnis vor Damaskus. Dort wurde er vom Christenverfolger zum Christusverkündiger, von Christus selbst dazu berufen. Sicher kennen Sie den Bericht, als er dort sogar blind wurde, hernach aber geheilt wurde.
Und dann denke ich auch an die Vision, die uns in der Apostelgeschichte Kapitel 16 berichtet wird. Dort wird Paulus in einer Vision gerufen, rüber nach Mazedonien zu kommen.
Also, von Paulus wird uns Außergewöhliches berichtet, etwas, was wir vielleicht so persönlich nicht erleben.
Doch ich frage mich: gibt es so etwas auch heute? Ich weiß es von wenigen Momenten in meinem eigenen Leben, wo Gott mir sehr nahe war und mich leitete. Und in Büchern habe ich Ähnliches gelesen.
Das Buch von David Wilkerson „Der Kreuz und die Messerhelden“ aus dem Jahr 1963 habe ich als Jugendlicher begeistert gelesen. Nun habe ich es noch einmal vor kurzem in die Hand genommen und staunend gelesen. Wie David Wilkerson von Gott geleitet und nach New York geschickt wurde und wie er dort das „Teen-Challenge“ Zentrum mit anderen aufgebaut hat. Dort sind Jugendliche von ihrer Heroinsucht freigekommen, manchmal auch ganz schnell nach Gebet und ohne die schmerzlichen Entzugserscheinungen. Hier beim Lesen in dem Buch merkte ich jetzt wieder, wie Gott auch in unserer Zeit ungewöhnlich und direkt an Menschen handeln kann.
Und ganz Ungewöhnliches hat auch Johannes Launhardt erlebt und aufgeschrieben. Ihn habe ich noch vor zwei Jahren persönlich kennenlernen können. Danach ist er verstorben. Er beschreibt aus seiner Zeit als Missionar in Äthiopien Heilungswunder wie das einer „Zion“ nach einem Gebet in einer Kirche. Und von einer wundersamen Brotvermehrung im Gefängnis, damals in Äthiopien, auch davon kann er berichten.
Also, lieber Paulus, ich will das, was du im dritten Himmel, bzw. im Paradies gesehen und gehört hast, so stehen lassen und für mich so als gültig ansehen.
Im zweiten Schritt möchte ich auf die Leiden von Paulus sehen. Er schreibt, dass ein Engel des Satans ihn mit Fäusten schlagen darf. Grund ist, dass Paulus nicht überheblich wird. Also, nach diesem seinem Himmelserlebnis wird er vor Überheblichkeit bewahrt, weil er so manche Schläge erleiden muss. Die Ausleger machen sich Gedanken, was das für eine Krankheit oder Belastung war, die er so andeutet und beschreibt: mit Fäusten geschlagen durch einen Boten des Satans.
Vor einigen Jahren war ich auf den Spuren des Paulus im Mittelmeer unterwegs. Wir waren in Athen auf dem Areopag, wo damals Paulus zu den Menschen gesprochen hat. Und wir waren in Philippi, wo Paulus dort am Fluss zu den Menschen gesprochen hat. Dort zeigte man uns auch die Orte, wo Paulus ins Gefängnis kam. Also, Paulus hat auch so manches Schwere durchleiden müssen.
Und jetzt begebe ich mich aus der biblischen Zeit wieder in unsere Zeit. Ich denke an Dietrich Bonhoeffer. Er war inhaftiert, nicht frei, und hat dort in der Haft auch gelitten. Doch in seiner Not konnte er 1944 Worte dichten, die heute viele Christen kennen:
„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
Sollten wir je so hohe religiöse Erlebnisse haben, ähnlich wie Paulus, dann holt uns das Erdenleben doch wieder ein, damit wir nicht überheblich werden.
Welchen Schluss zieht Paulus aus seinem Offenbarungserlebnis vor vierzehn Jahren und das, was er nennt: mit Fäusten geschlagen werden? Er schreibt: Der Herr habe zu ihm gesagt: Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Je schwächer du bist, desto stärker erweist sich an dir meine Kraft. Deshalb kann er am Schluss unseres heutigen Bibeltextes bekennen: „Wenn ich schwach bin, bin ich wirklich stark.“
Ich freue mich, wenn Christen die Begabung haben, überzeugend und gut von ihrem Glauben zu reden. Und wenn ihr Leben ihr Reden noch unterstreicht. Ich bin ja selbst Verkündiger und Prediger und freue mich, wenn andere Prediger so eine tolle Begabung dafür haben. Doch letztlich ist es nicht unser Reden, das die Menschen in die Nachfolge Christi bringt, und das Christen im Glauben wachsen lässt. Es muss immer wieder Gott selbst sein, der Menschen in seine Nachfolge ruft und im Glauben auch wachsen lässt. „Wenn ich schwach bin, bin ich wirklich stark,“ schreibt Paulus.
Also möchte ich Gott bitten, durch mich und durch viele andere Christen sein Reich heute unter uns zu bauen. Nur Gott, in der Kraft des Heiligen Geistes, kann das bewirken, hoffentlich auch mit uns und durch uns. Das schenke uns Gott in dieser unserer heutigen Zeit auch weltweit.