13.08.2025 / Anstoß - Gedanken zum Tag

Nr. 10

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

2. Mose 20,17

Die sprichwörtlichen Zehn Gebote. Jede und jeder hat schon mal davon gehört. Aber kriegt sie auch jede und jeder zusammen? Das ist eher unwahrscheinlich. Das Problem fängt schon damit an, dass es je nach Tradition unterschiedliche Zählungen gibt. Und ein genauerer Blick offenbart: Die Hälfte der Gebote sind ja Gesinnungsgebote. Die zu befolgen kann ich mir zwar vornehmen, aber wer will schon und wer kann das überprüfen?

Wer kann mir hinter die Stirn schauen und mich sachte darauf hinweisen: Kann es sein, dass du dir mehr als einen Gott leistest? Und wie hältst du es mit der Ehre deiner Eltern? Schaffst du es, am Sonntag wirklich runterzukommen? Auf dieser Ebene bewegt sich auch Gebot Nr. 10. „Du sollst nicht begehren, was deinem Mitmenschen gehört. Gib der Begierde danach keinen Raum.“

Nicht nach der Frau des Nachbarn schielen, ihn nicht um sein Haus, sein Auto, seine Yacht beneiden. Im konkreten Fall hätte ich weder an der Nachbarin noch an dem verbastelten Gemäuer aus den frühen 1970er Jahren Interesse. Da bestünde also keine Gefahr. Aber es gibt ein paar Mitmenschen, da frage ich mich schon gelegentlich: Warum hat ausgerechnet der so viel Glück, womit hat gerade die das verdient? Und wenn ich soweit bin, dann bewege ich mich schon auf einer schiefen Ebene. Rutschgefahr.

Der kann ich begegnen, wenn ich Gebot Nr. 10 wie die anderen neun Gebote als Erlaubnisse lese. Dann bekommt Nr. 10 auch einen anderen Klang: "Du kannst zufrieden sein mit dem, was du hast. Du brauchst gar nicht mehr – und nichts anderes. Und überhaupt: Alles, was du hast, das verdankst du letztlich Gott."

Autor/-in: Markus Baum