09.07.2020 / Anstoß - Gedanken zum Tag
"Narrative"
Weil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voller Freimut.
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Heutzutage hat jeder seinen eigenen „Narrativ“. Will heißen: Jeder hat seine eigene Geschichte, seine Sicht auf die Dinge, von der er weitererzählt. Und das ist ja mal gar nicht schlecht. Jesus von Nazareth selbst war ein begnadeter Geschichtenerzähler. Mit seinen Gleichnissen hat er den Menschen das Reich Gottes, seine Liebe, anschaulich nahegebracht.
Doch mit dem „Narrativ“ – das ist halt auch so eine Sache. Weil jeder heute seinen eigenen „Narrativ“ hat, kann jeder mit seiner Version der Dinge einfach so stehen bleiben, ohne dass es jemand anderen juckt. Ob es von der Realität gedeckt ist oder nicht, was ich da erzähle, ist auf einmal weniger wichtig als das, was mein „Narrativ“ bewirkt.
Und dann kommen auf einmal Menschen wie ich und andere Christen und sprechen von einer absoluten Wahrheit, von diesem Jesus von Nazareth, der von sich behauptet hat: „Ich bin die Wahrheit in Person.“ Zugegeben: Das ist ein ganz schöner Anspruch. Das scheint nicht in unsere Zeit zu passen.
Sollte ich also lieber den Mund halten? Nein! Ich setze da auf einen Mann, den dieses Festhalten an Jesus Christus sogar sein Leben gekostet hat: Paulus, ein hochgelehrter Theologe aus dem 1. Jahrhundert nach Christi Geburt. Er hat seine ganze Hoffnung auf Jesus gesetzt in allen Bereichen seines Lebens. Von ihm sind in der Bibel die Worte überliefert:
„Weil ich eine so große Hoffnung habe, kann ich frei und offen auftreten.“
Von dieser Haltung möchte ich mir eine Scheibe abschneiden – auch in Zeiten des „Narrativs“.