27.10.2026 / Wort zum Tag

Mit Gott reden, wie es auf der Seele brennt.

Gott, mache dich auf und richte die Erde; denn du bist Erbherr über alle Völker! 

Psalm 82,8

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„Jetzt ist das Maß aber voll!“ - Wie lange ein Mensch zusehen kann, bis er so oder ähnlich reagiert, ist stark von seiner Persönlichkeit geprägt. Während ich dem einen zurufen möchte: „Tu doch endlich was! Wie lange willst du denn noch zuschauen?“, möchte ich dem anderen gerne ein Stoppschild präsentieren. Dabei kann ich jedoch nicht sagen, welche Reaktion nun grundsätzlich besser oder gar geistlicher ist. Unsere Motive sind nämlich nie ganz rein und kreisen von Natur aus oft um uns selbst. 

Nur einer muss weder zum Handeln aufgefordert, aber auch nicht gestoppt werden, denn er kommt weder zu früh noch zu spät. Er ist gerecht und er kennt Maß, Ziel und Zeit. Wie kann es dann sein, dass der Psalmbeter ihn in Psalm 82 Vers 8 trotzdem mit folgenden Worten auffordert:

Steh auf, Gott, richte die Erde, denn dein Eigentum sind die Nationen alle.

Warum spricht der Psalmbeter so mit Gott, als solle er jetzt endlich handeln und eingreifen? Fest steht, dass er unter dem ungerechten Richten, das in der Welt geschieht, leidet.  Und er weiß, dass Gott der Einzige ist, der in seinem Urteil vollkommen gerecht ist.

Aber darf er mit Gott in diesem Befehlston reden? Gott gesteht es uns Menschen offensichtlich zu, dass wir mit ihm so reden dürfen, wie es uns auf der Seele brennt. Gerade die Psalmen zeigen das deutlich, dass ich mit allem, was mich bewegt, Gott in den Ohren liegen und ihm mein Empfinden jederzeit und unverblümt sagen kann.

Auch im Neuen Testament wird Jesus immer wieder mit den verschiedensten Anliegen konfrontiert. Neben dem Wunsch nach Hilfe und Heilung, soll er auch Streitigkeiten schlichten und viele andere Dinge klären. Dabei entspricht sein Handeln nicht immer meinen Bitten und Wünschen. Und das ist gut so, denn er hat den Überblick. Auch hinter unerfüllten Wünschen und Wartezeiten kann Segen liegen. Ich rede jedenfalls frei von der Seele, was mich umtreibt. Selbst Jesus bittet seinen Vater, ob nicht der Kelch des Leidens an ihm vorrübergehen kann, obwohl er weiß, dass dies der einzige Weg zu unserer Errettung ist. Wieviel mehr will ich das aussprechen, was meine Seele aufwühlt.

Dabei gibt es nun auch diesen Wunsch nach Gerechtigkeit. So wie der Psalmbeter erlebe auch ich schmerzlich, wieviel Unrecht es in der Welt gibt und welch großes Leid es anrichtet.

Von einem Schrei nach Gerechtigkeit lese ich in Offenbarung 6 auch von den Märtyrern: „Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?“

Die Welt braucht diesen einzig gerechten Richter. Vieles ist aus dem Ruder gelaufen. Aber nicht nur weltweit, sondern auch in meinem Leben. Jedoch Gott entgeht nichts. Er sieht alles Unrecht, das mir geschieht, aber auch das, welches ich selbst verursache. Gott ist gerecht, aber er hat auch noch Geduld mit seiner Menschheit. Er wünscht sich so sehr, dass Menschen zu ihm umkehren und die Gerechtigkeit, die nur Jesus schenkt, für sich annehmen.

Gott hat und behält den Überblick, auch wenn ich das Empfinden habe, dass das Maß längst voll ist. Ihm gerät nichts außer Kontrolle. Er wird einmal gerecht richten. Und er wird auch rechtzeitig handeln. Mit dieser Welt, aber auch in Ihrem und in meinem Leben.

Autor/-in: Andrea Hoppstädter