21.06.2026 / Wort zum Tag

Merkwürdige Antwort

Paulus schreibt: Der Herr hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen: denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.

2. Korinther 12.9

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Kennen Sie Momente, in denen Sie sich von ganzem Herzen eine Veränderung der Umstände wünschen? Und ich meine jetzt mal nicht die große Weltpolitik, sondern eher die ganz alltäglichen Situationen des Lebens …

Das können Phasen der Krankheit sein, vielleicht sogar mit Schmerzen … wo man sich einfach nur wünscht, endlich wieder gesund zu sein oder dass zumindest die Schmerzen mal aufhören … Das können finanzielle Schwierigkeiten sein, wo sich einfach keine Lösung am Horizont abzeichnet und mir die Sorgen sogar den Schlaf rauben … das können Probleme in der Partnerschaft sein, oder mit den Kindern oder im Beruf, oder oder oder …

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr Situationen fallen mir ein, in denen sich jemand vielleicht inständig nach Veränderung sehnt, aber gefühlt auf der Stelle tritt, weil nichts besser wird. So etwas macht was mit mir und je länger solche Situationen anhalten, umso größer ist die Gefahr, innerlich völlig gefrustet zu werden.

Gut ist es in solchen Momenten, Ansprechpartner zu haben, die mir helfen, aus der schwierigen Situation herauszukommen. Das können mitunter gute Freunde oder Bekannte sein, Familienmitglieder oder auch Fachleute auf ihrem Gebiet, die ich mal fragen kann, ob sie mir nicht vielleicht helfen können oder zumindest einen brauchbaren Tipp für mich haben.

Für Christen ist unser Gott genau solch ein Ansprechpartner. Ich weiß, dass ich mit ihm, dem lebendigen Gott, ja über alles reden kann, dass Gott ein hörender Gott ist, der mich sieht und wahrnimmt und der mir auch wirklich helfen möchte. Deswegen suchen ja viele Menschen gerade in schwierigen Lebenssituationen den Kontakt zu Gott, fragen nach seinem Rat oder auch nach einer Lösung für die Situation.

Selbst der Apostel Paulus in der Bibel ist da keine Ausnahme, auch er hat seine Baustellen und Dinge im Leben, die ihn belasten und wo er sich von Herzen her eine Veränderung wünscht. An manchen Stellen beschreibt er sogar die Schwierigkeiten mit anderen Leuten und seine inneren Kämpfe. Von den Unwegsamkeiten seiner Reisen, samt Misshandlung und Gefängnisaufenthalt mal ganz abgesehen. Und in all den schwierigen Situationen erlebt er immer wieder direkt oder indirekt das Wirken Gottes. Er erlebt Rettung in letzter Minute, er erlebt, wie sich Menschen plötzlich verändern und er erlebt immer wieder Gottes Möglichkeiten.

Und trotzdem ringt auch ein Paulus immer wieder mit Gott. Eigentlich sollte er doch dankbar sein für all das Gute, was er bereits mit Gott erlebt hat. Und trotzdem hat auch ein Paulus seine inneren Baustellen, wo er sich von Herzen her eine Veränderung in seinem Leben wünscht. Wir wissen nicht genau, was es war, was ihn so dauerhaft belastet hat, aber Paulus selbst spricht von einem „Pfahl in seinem Fleisch“. Da ist etwas, was er nicht gelöst bekommt. Etwas, das ihn belastet und quält.

Und was macht er? Er redet mit Gott darüber, natürlich. Er hat schon so oft in seinem Leben Gottes Wirken gesehen, er weiß, dass Gott helfen kann, aber zugleich frustet es ihn, dass Gott ihm bei dieser einen Sache scheinbar nicht helfen will, stattdessen hört er Gott sagen: „Lass dir an meiner Gnade genügen.“ Großartig, so eine Antwort wünscht man sich …

Aber die Antwort geht noch etwas weiter. „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Das mag vielleicht im ersten Moment etwas seltsam klingen, fast wie ein Trostpflaster. Ich habe aber den Eindruck, da schwingt noch viel mehr mit, zumal Paulus selbst so reagiert, dass er sagt: „Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne.“

Gott will Paulus helfen, mit sich selbst und dem Leben klarzukommen. Er nimmt nicht alle Schwierigkeiten weg, aber er stellt auch Ihnen und mir seine Kraft zur Verfügung. Im Grunde sagt Gott hier zu Paulus: „Paulus, ich bin doch bei dir. Ich werde dir helfen, die Situation zu tragen, ich gebe dir meine Kraft, ich stell dir alles zur Verfügung, was du brauchst, um da hindurchzukommen. Ich begleite dich!“

Autor/-in: René Cornelius