18.05.2026 / Wort zum Tag

Meine Ehre oder Gottes Ehre

Jesus spricht: Wer von sich aus redet, sucht die eigene Ehre: wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist glaubwürdig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm.

Johannes 7,18

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„Wer von sich aus redet, sucht die eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist glaubwürdig …“ Johannes 7, 18

Es ist ein Satz, der unbequem ist. Denn wenn ich ehrlich bin, steckt in mir dieser Wunsch: gesehen zu werden. Anerkannt zu werden. Gelobt zu werden. Gerade dort, wo ich mich engagiere – im Beruf, in der Familie, in der Gemeinde. Vielleicht sogar besonders dort. Denn wer viel gibt, möchte auch wahrgenommen werden.

Aber Jesus legt hier den Finger auf einen wunden Punkt: Worum geht es mir wirklich? Suche ich meine eigene Ehre – oder Gottes?

Das ist keine einfache Frage. Denn oft vermischt sich beides. Ich tue etwas Gutes – und gleichzeitig freue ich mich, wenn andere es bemerken. Ich diene – und merke doch, wie gut es sich anfühlt, wenn ich dafür Anerkennung bekomme.

Ist das etwa schon falsch? Ich glaube: Es ist zunächst einmal menschlich!

Aber Jesus lädt mich ein, tiefer zu schauen. Nicht nur auf das, was ich tue, sondern auf das, was mich innerlich dazu antreibt.

Woran erkenne ich also, ob ich meine eigene Ehre suche?

Vielleicht an meiner Reaktion, wenn die Anerkennung ausbleibt. Bin ich dann enttäuscht? Fühle ich mich gekränkt und ziehe ich mich beleidigt zurück? Oder wenn jemand anderes gelobt wird – kann ich mich mitfreuen? Oder regt sich ein leiser Neid? Diese kleinen inneren Bewegungen können wie ein Spiegel sein. Sie zeigen mir, was in meinem Herzen wichtig ist.

Bei all dem geht es Jesus aber nicht darum, mich unter Druck zu setzen. Es geht nicht um Selbstoptimierung oder darum, jede falsche Regung auszumerzen. Es geht um eine neue Ausrichtung. Paulus beschreibt das im Römerbrief so: „Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung als ein lebendiges Opfer. Das ist euer wahrer Gottesdienst.“

Ein ganzes Leben – nicht nur einzelne fromme Momente. Ein Dienst für Gott, der nicht auf die Bühne beschränkt ist, sondern im Alltag stattfindet: in Gesprächen, Entscheidungen, kleinen Gesten.

Ich denke dabei an einen Abend in meiner Gemeinde. Ein Lobpreisabend. Der Raum ist ganz anders als sonst gestaltet. Das Kreuz steht nicht vorne auf der Bühne. Es steht mitten im Raum. Alles ist um das Kreuz herum angeordnet: die Stühle, die Lichter, die Musiker – und wir als Besucher. Niemand steht im Mittelpunkt. Keine Bühne, die den Blick auf sich zieht. Alles richtet sich auf dieses eine Zeichen aus. Jesus - der Gestorbene und Auferstandene steht im Zentrum der Anbetung. Ihm allein gilt die Ehre. Ich habe an diesem Abend etwas verstanden, nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen: Es geht nicht darum, dass ich im Zentrum stehe. Es geht nicht einmal darum, dass „mein Gottes-Dienst“ im Zentrum steht. Es geht darum, dass Christus im Zentrum steht.

Vielleicht ist genau das die Antwort auf die Frage: „Suche ich gerade meine Ehre?“ Nämlich aufzuhören, meine Motivation zu überprüfen und anstelle dessen, bewusst die Mitte zu verschieben. Das Kreuz ins Zentrum zu stellen. Und dann alles andere darum herum auszurichten: meine Worte, mein Engagement, meine Begabungen, meine Sehnsucht nach Anerkennung.

Paulus nennt das einen „lebendigen Gottesdienst“ – ein Leben, das sich immer wieder neu auf Gott ausrichtet.

Und vielleicht kann das heute ein einfaches Bild für Sie sein: Stellen Sie sich Ihr Herz wie diesen Raum vor. Und dann stellen Sie das Kreuz in die Mitte. Richten Sie alles andere daran aus. Ihr Tun. Ihr Reden. Ihr Dienen. Nicht perfekt. Aber ehrlich.

Und vielleicht geschieht genau darin das, was Jesus beschreibt: Ein Leben, das nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellt, sondern Gott, den Vater, dem allein die Ehre gebührt.

Autor/-in: Dagmar Janssen