06.11.2026 / Wort zum Tag
Mein Brot zum Teilen
Brich dem Hungrigen dein Brot!
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Vor einigen Jahren hatten mein Mann und ich die Gelegenheit, für zwei Wochen nach Südafrika zu reisen, um unseren Sohn dort im Rahmen seines Freiwilligendienstes zu besuchen. Während eines gemeinsamen Urlaubstages steuerten wir ein kleines Café an. Der Cafébetreiber bemerkte sehr schnell, dass wir Fremde waren. Unseren Dialekt konnte er nicht einordnen und wurde neugierig. Es entwickelte sich ein kurzes interessantes Gespräch über unsere Reiseziele und den Dienst unseres Sohnes in seinem Land. Und am Ende unseres Cafébesuches verabschiedete er uns mit einem Segenszuspruch.
Diese kurze Begegnung hat sich mir tief eingeprägt. Da war einer, der sich über Geschäftliches hinaus ernsthaft für die Menschen vor sich interessierte und am Ende dieser Begegnung für einen kurzen Moment seinen Glauben mit uns teilte. Er hatte uns mehr serviert als nur einen Kaffee.
Ich glaube, das war ganz im Sinne Gottes. So mag Gott es, und manchmal muss er uns wohl erinnern oder korrigieren, damit wir wieder füreinander wach werden, so offen und wach, wie der Südafrikaner es gezeigt hat.
Eine solche Erinnerung erfahren auch Israeliten, von denen im Buch des Propheten Jesaja im Alten Testament berichtet wird. Sie feiern Gottesdienste, richten ihre Gebete auf Gott aus und sind doch unzufrieden. Mit ihren Riten bemühen sie sich, Gott für sich gnädig zu stimmen und fühlen sich doch von Gott im Stich gelassen, weil er sie offensichtlich gar wahrnimmt. In diese Zeit hinein lässt sich Gott unter anderem durch ein Prophetenwort aus dem Buch des Jesaja in Kapitel 58 Vers 7 hören.
Dort heißt es: Brich mit dem Hungrigen dein Brot! – Diese Worte sind in den Herrnhuter Losungen für den heutigen Tag als Losung abgedruckt. „Brich mit dem Hungrigen dein Brot“- eine kurze prägnante Aufforderung an das Volk Israel. Israels Glaube an ihren Gott scheint in frommen Ritualen festzustecken. Dabei haben sie vergessen, dass ihr Glaube ihren ganzen Alltag umfassen soll. Und zu diesem Alltag gehören die anderen, die Mitmenschen dazu. Israel damals sollte hören: „Schaut hin, wie es Menschen um euch herum geht! Schaut hin und helft, wenn jemand hungert, obdachlos ist oder unrechtmäßig ausgenutzt wird. Lindert ihre Not.“
Brich mit dem Hungrigen dein Brot – Worte aus alter Zeit, und doch bis heute aktuell. Sie lassen mich aufhorchen und fragen, wie sich mein Christsein in meinem Alltag zeigt. Gott ist es nicht genug, wenn ich in der Beziehung zu ihm nur mich selbst im Blick habe. Glaube an Gott fordert mich heraus, auch die anderen Menschen um mich herum zu sehen - als Verwandte und Familienmitglieder. Und in einer Familie wird geteilt – Essen und Trinken, Wohnraum und Zeit und vieles mehr. „Brich mit dem Hungrigen dein Brot“ – Worte die neu aufrufen, mich zu fragen: „Wie gehe ich mit anderen neben mir um? Wie rede ich über sie? Wie sehe ich auf die, die mir fremd sind? Was brauchen sie? – Und was kann ich geben?“ Der anfangs erwähnte Cafébesitzer wird für mich ein Beispiel dafür bleiben, wie jemand im ganz normalen Alltag fremde Gäste teilhaben ließ, an dem was er zu geben hatte – Teilhabe am Segen Gottes.