24.12.2025 / Herz + Mund

„Lied der Hirten“

Martin Buchholz kommentiert ein Lied aus der Reihe „HERZ+MUND“.

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Vielleicht wärmten die Männer gerade ihre Hände am Feuer. Die Nacht war kalt, hier vor den Toren von Bethlehem; eine Nacht wie jede andere für die Hirten; rauer Alltag, schlecht bezahlt. Ein Job, den keiner gern machte; aber die meisten von ihnen waren Tagelöhner, mussten sich irgendwie durchschlagen.

Schafe hüten war da zumindest besser, als gar nichts zu verdienen. Vielleicht hatte es mal wieder Streit gegeben um die Wasserstellen für die Tiere. Und das übliche Gerangel um die besten Weideplätze. Jedenfalls wollte niemand mehr als unbedingt nötig mit ihnen zu tun haben. Die Hirten waren da, wo so hingehörten: Draußen vor der Stadt, wo sich kein anständiger Bürger Bethlehems in der Nacht noch freiwillig aufhielt.

Wer jetzt hier auf den Feldern auftauchte, konnte nur ein unliebsamer Besucher sein – oder ein Raubtier, das es auf die Schafe abgesehen hatte. Kein Wunder also, dass die Hirten sofort zu ihren Knüppeln griffen, als die Schafe plötzlich unruhig wurden.

Kein Wunder, dass ihnen nur Augenblicke später die Knüppel vor Entsetzen aus der Hand fielen. Sie hatten sicher mit manchem gerechnet. Aber nicht mit einem Wunder.