14.04.2026 / Wort zum Tag
Kein zerschnittenes Tischtuch
Wenn wir unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.
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„Wenn wir uns’re Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“
Das ist der 9. Vers gleich im 1. Kapitel des ersten Johannesbriefes und ist uns für den heutigen Tag mitgegeben als Lehrtext aus den Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine.
Das Bundesamt für Naturschutz führt sogenannte „Rote Listen“, auf denen besonders gefährdete und streng geschützte Tiere und Pflanzen in Deutschland geführt werden. Dass diese Listen immer länger werden und allenthalben das Artensterben beklagt wird, ist Ihnen sicher bekannt!
Ich könnte eine solche „Rote Liste“ auch für Worte und Begriffe führen, die nach und nach aus dem deutschen Sprachgebrauch verschwinden und mit ihnen das Wissen und Bewusstsein, für das sie stehen. Das Wort „Sünde“ oder „sündigen“ würde vermutlich ganz oben auf einer solchen Liste stehen!
In der Bibel nimmt das Thema „Sünde“ dagegen breiten Raum ein; vielmehr noch die Frage, wie sie überwunden und wieder aus dem Weg geräumt werden kann. Davon spricht auch der Bibelvers aus dem 1. Johannesbrief.
Die Bibel versteht unter „Sünde“ ein Verhalten, das den Bruch einer Beziehung zur Folge hat oder sie zumindest schwer belastet. Es geht also weniger darum, einen Katalog zu erstellen, was denn nun Sünde ist oder nicht, sondern darum, wie ich in intakten und heilsamen Beziehungen leben kann. Sie kennen sicher auch folgende Redensarten: „Da steht etwas zwischen uns“, oder „nach diesem Vorfall kam es zum Bruch zwischen uns“. Sehen Sie, genau diesen Vorgang des Beziehungsabbruchs nennt die Bibel „Sünde“. Man geht auf Distanz. Man hat sich nichts mehr zu sagen.
Das gilt nun in allererster Linie für die Beziehung zu Gott. Gott, so sagt es unser Bibelvers, ist „treu und gerecht“: Das sind zwei biblische Schlüsselbegriffe. Sie besagen, dass Gott die Beziehung und die Verbundenheit mit uns Menschen sucht – so sehr sucht, dass er in Jesus Christus selbst zu einem Menschen geworden ist. Man spricht heute ja gerne von „Beziehungsfähigkeit“ oder gar „Beziehungstauglichkeit“. Für Gott gelten diese Eigenschaften im absoluten Maße – im Gegensatz zu uns Menschen, daraus macht die Bibel keinen Hehl. Es ist der Mensch – ich bin es, der zu Gott immer wieder auf Distanz geht; der sich zurückzieht; der ein Verhalten an den Tag legt, als hätte er noch nie etwas von Gott gehört oder Gott schlicht vergisst.
Das ist genau das, was die Bibel mit „Sünden“ bezeichnet. Würde mit mir jemand so umgehen – nun ich weiß nicht, ob ich noch länger Wert legen würde auf die Beziehung zu solch einem „Wackelkandidaten“! Doch Gott ist „Gott sei Dank“ anders als wir. Gott ist nicht jemand, der sich zurückzieht, der nicht das berühmte Tischtuch zerschneidet; der hinschmeißt, weil ich mal wieder treulos gehandelt habe. Gott bleibt dran – „treu und gerecht“, sagt der heutige Bibelvers. Im Bild gesprochen: Er hält mir die Tür auf und wirft sie eben nicht entnervt ins Schloss. So bietet er mir immer wieder neu die wunderbare Möglichkeit, mich zu besinnen auf das, was ich da eigentlich getan habe. Und mich nicht nur zu besinnen, sondern auch umzukehren, meine „Sünden“ zu bekennen, sie mir selbst und Gott gegenüber einzugestehen, zuzugeben und zu bereuen. Und das Wunder geschieht: Gott vermag das Band zwischen ihm und mir wieder herzustellen, das ich zerschnitten hatte oder zumindest überdehnt. Gott verbindet sich wieder neu mit mir, indem er „ die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit“, so sagt es der Bibeltext. Ich habe das ungezählte Male erlebt. Und wenn das für mich gilt, dann gewiss auch für Sie. Da bin ich mir sicher!