24.08.2023 / Bibel heute
Jesus und die Dämonen
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Stellen Sie sich vor: Sie fahren in Urlaub. Und als sie wieder zurückkommen, haben fremde Leute von Ihrer Wohnung Besitz ergriffen und sich gemütlich darin eingerichtet. Für Sie, so sagen sie, ist jetzt kein Platz mehr in dieser Wohnung.
Die jüdischen Rabbinen haben ein ganz ähnliches Bild benutzt, um zu erklären, was es mit dem Reich Gottes auf sich hat. Oder mit der Königsherrschaft des Himmels, wie sie es nannten. Gott, so sagen sie, ist der König der Welt von Anfang der Schöpfung an. Die Erde ist seine Wohnung, sein königlicher Palast. Aber wir leben in einer Zeit, in der sich andere Leute in Gottes Palast breitgemacht haben. Diebe, Räuber und Einbrecher. Sie benehmen sich so, als gehöre die Wohnung ihnen und als wäre darin kein Platz mehr für Gott.
Aber eines Tages, so sagen die Rabbinen, kommt der König zurück. Er wird die Räuber gefangen nehmen, aus dem Palast führen lassen, die Wohnung wieder in Besitz nehmen und dann wieder als König regieren. Dann wird die Königsherrschaft Gottes für alle Welt sichtbar sein.
Im heutigen Bibeltext greift Jesus auf dieses alte Bild von der Königsherrschaft Gottes zurück: Niemand kann in den Palast eines Machthabers eindringen, sagt er. Und niemand kann die Einrichtung des Palastes in Besitz nehmen, wenn er nicht vorher den Eindringling besiegt und gebunden hat.
Was war vorher geschehen? Jesus hatte, wie so oft, einen Kranken geheilt. Dieses Mal waren es sogar gleich mehrfache Leiden, die den Kranken plagten: Er konnte nicht reden, er konnte nicht hören und man sagte, ein böser Geist wohne in ihm. Ganz nebensächlich erzählt der Bibeltext: „Und Jesus heilte ihn, sodass er wieder reden und hören konnte.“ Die Heilung ist dieses Mal offensichtlich gar nicht die Hauptsache. Sondern sie wird zum Bild für etwas Größeres.
Es entspinnt sich nämlich jetzt eine Diskussion zwischen Jesus und einigen Schriftgelehrten, die das mit angesehen hatten. Und es geht um die Frage: Warum tut Jesus solche Wunder? Wer gibt ihm die Kraft dazu? Und wer gibt ihm das Recht dazu?
Und dann fällt der Vorwurf, der inzwischen sprichwörtlich geworden ist: Jesus treibt den Teufel mit dem Beelzebul aus, sagen seine Gegner. Oder zumindest so ähnlich: Er treibt die bösen Geister aus durch den Chef der bösen Geister, durch Beelzebul. Was ist gemeint? Die Bibelforscher rätseln hier ein wenig, aber hinter dem Namen Beel-Zebul steht wahrscheinlich der hebräische Name Baal-Zebul, übersetzt: Der Herr des Hauses. Oder der Besitzer des Palastes.
Und zugleich ist es eine Erinnerung an den Namen des kanaanäischen Gottes, der im Alten Testament immer wieder als Gegenspieler des Gottes Israels auftritt und ihm den Rang streitig macht als Herr der Welt. Also das biblische Urbild des unrechtmäßigen Palastbesetzers. Jesus ist mit den bösen Mächten im Bunde, was er tut, ist gegen Gott, und sei es noch so gut.
Aber Jesus, so heißt es im Bibeltext, kennt ihre Gedanken. Er kennt ihre Gedanken, und schon das ist etwas, was im Alten Testament nur von Gott selbst gesagt wird. Und genau das ist es auch, was Jesus seinen Gegnern antwortet: Was ihr hier seht, das ist nicht das Werk des Teufels. Es ist aber auch kein billiger Trick. Sondern hier ist Gott selbst am Werk.
„Wenn ich durch den Geist Gottes die bösen Geister austreibe, dann ist die Königsherrschaft Gottes zu euch gekommen“. Es ist eben wie der König, der in seinen Palast zurückkehrt und die Hausbesetzer gefangen nimmt und aus seinem Palast vertreibt. Wenn Jesus Menschen heilt, wenn er böse Geister vertreibt, dann ist das ein Zeichen: Der König ist da, und er nimmt sein Haus wieder in Besitz.
In unserem Bibeltext prallen also zwei Meinungen aufeinander, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Es geht um die Kernfrage: Wer ist dieser Jesus? Ist er ein Scharlatan, ein Betrüger, oder noch schlimmer: ist er mit dem Teufel im Bund?
Oder ist er wirklich der, der zu sein er behauptet? Der König, der in die Welt gekommen ist, um seine Herrschaft anzutreten und zurückzufordern, was ihm gehört?
Es gibt keinen neutralen Grund zwischen diesen beiden Standpunkten. Deshalb sagt Jesus hier: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich. Und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“
Viele Menschen würden gern neutral bleiben, wenn es um Jesus geht. Sie finden es großartig, dass er die Menschen heilt. Sie sind begeistert davon, dass er Nächstenliebe und Vergebung predigt.
Aber als den König ihres Lebens möchten sie ihn nicht. Diesen Platz halten sie lieber selbst. Sie haben sich im Palast ihres Lebens häuslich eingerichtet und alle Möbel so angeordnet, wie es in ihren Entwurf vom Leben passt.
Aber Jesus möchte nicht nur Besucher im Haus unseres Lebens sein. Oder ein Einrichtungsgegenstand, der unser Leben ein bisschen schöner oder angenehmer oder wohnlicher macht. Nein, ihm gehört dieses Haus, und er will darin der Hausherr sein.
Und dieser Zusammenhang ist es auch, in dem Jesus noch ein weiteres unbequemes Wort sagt, das in der Geschichte der Auslegung für viel Rätselraten und auch Missverständnisse gesorgt hat: Jesus spricht davon, dass uns alle Sünden vergeben werden können, außer einer: Der Sünde gegen den Heiligen Geist.
Viele Christen sind hier verunsichert und fragen sich: Welche schlimme Sünde kann damit gemeint sein? Und habe ich sie vielleicht begangen, ohne es zu wissen?
Der Zusammenhang dieser Erzählung macht aber klar, worum es geht: Es geht hier um die Kernfrage, ob wir Jesus annehmen oder ablehnen. Ob wir erkennen, dass es Gottes Geist ist, der in Jesus und durch Jesus am Werk ist, um Gottes Königsherrschaft aufzurichten.
Im Bild vom Palast gesprochen: Der rechtmäßige Eigentümer, der König selbst, steht vor der Tür und klopft an.
Wir, die wir unser Leben so oft selbst in die Hand nehmen und selbst regieren möchten, haben zwei Möglichkeiten: Wir können die Türe verschlossen lassen, so wie die Gegner Jesu, die nicht wahrhaben wollen, dass ihnen hier Gott selbst begegnet. Das wäre die Sünde, die nicht vergeben werden kann. Weil wir zusammen mit Jesus auch Gottes Angebot der Vergebung aus unserem Leben ausschließen.
Oder aber wir öffnen die Tür. Wir lassen den König eintreten. Wir vertrauen ihm unser Leben an. Und erleben, wie wir durch Jesus nicht nur Vergebung für alle unsere Sünden finden, sondern auch ein neues und verändertes Leben. Ein Leben unter der guten Königsherrschaft Gottes.
Lassen Sie sich also ermutigen, die Tür weit aufzumachen. Und den König hereinzubitten. Ihm gehört unser Leben, und bei ihm ist es deshalb in den besten Händen.