21.08.2023 / Bibel heute
Jesu Lobpreis – Der Heilandsruf
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Manchen Bibelvers habe ich besonders gern. Zu meinen Lieblingsversen gehört auch dieser Satz Jesu: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Dieser Vers, der auch als der „Heilandsruf“ Jesu bezeichnet wird, ist eine Aufforderung, eine Einladung. Und es spricht so viel Wärme und Herzlichkeit, auch so viel Eindringlichkeit aus diesen Worten: „Kommt doch her! Kommt doch mit dem, was euch Mühe macht! Kommt doch her mit dem, was euch belastet, was euch nach unten drückt! Ich weiß doch, wie es euch geht. Ich bin doch gekommen, um euch zu erquicken, so wie es einem besser geht, wenn man nach einem großen Durst ein Glas Wasser trinken kann. Dann geht es einem doch gleich viel besser.“
Der Heilandsruf Jesu, eine Einladung nicht an die Selbstsicheren, nicht an die, die meinen, alles zu wissen und zu können, nicht an die, die alles im Griff zu haben scheinen, nicht an die Klugen und Weisen, wie Jesus sagt, sondern an die Unmündigen, an die, die nicht viel wissen, die nicht viel gelernt haben, die aber mit kindlichem Vertrauen zu ihm, zu Jesus, dem Heiland, kommen. „Kommt doch her zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen!“
Jesus hat zunächst Menschen in seiner Zeit im Blick, die unter den Lasten der jüdischen Gesetze stöhnen. Die Gesetzeslehrer hatten ihnen die Lasten auferlegt: „Die Gebote Gottes, besonders die Sabbatgebote, müsst ihr peinlich genau befolgen. Nur so könnt ihr Gottes Willen tun. Nur so könnt ihr Gott ehren. Nur so werdet ihr erleben, dass Gott euch zugewandt ist, dass er euch segnet.“ Wie ein schweres Joch lastete die jüdische Gesetzlichkeit auf den Menschen.
Wenn Ochsen oder Esel vor einen Wagen gespannt wurden, dann wurde ihnen ein Joch auf den Nacken gelegt. Dieser Balken verlief quer zur Deichsel und war mit der Deichsel verbunden. Die Tiere konnten nicht einfach zur Seite weglaufen. Ihr Joch hielt sie an der Deichsel fest. Durch das Joch waren die beiden Zugtiere auch miteinander verbunden. Eigenwillige Wege zu gehen, war nicht drin. Der Mann, der auf dem Wagen saß, hatte die Zügel in der Hand. Er bestimmte, welchen Weg die Tiere zu nehmen hatten, wann sie sich in Bewegung setzen und wann sie anhalten sollten. Das Joch lag schwer auf dem Nacken und tat bestimmt weh. Wie angenehm war es, wenn das Joch abgenommen wurde nach der Hitze des Tages, und wenn die Tiere endlich Wasser zu trinken bekamen!
Ein solches schweres Joch waren auch die Gesetze. Nicht Gottes Gebote, sondern die Gesetze, die Menschen ihnen gemacht hatten. Es wurde ihnen schwer gemacht, Gottes Willen zu tun.
Aber Jesus, der Sohn Gottes, sagte: Dieses Joch der Gesetzlichkeit kommt nicht von Gott. Kommt zu mir, und ich gebe euch ein anderes Joch.“ Jesus verspricht hier nicht die große Freiheit. Er sagt nicht: „Macht, was ihr wollt, es ist schon recht.“ Nein, er spricht von seinem Joch. „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“
Gottes Willen zu tun, das können wir von Jesus lernen. Wir brauchen nur die Bergpredigt zu lesen. Dort steht etwas von der Nächstenliebe, ja, von der Feindesliebe. Dort steht, wie Jesus zur Ehe und zur Ehescheidung steht. Dort können wir erkennen, wie Jesus das mit der Vergebung gemeint hat. Dort werden wir eingeladen, alle unsere Sorgen beiseitezulegen und ihn sorgen zu lassen.
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!“ Jesus sagt es nicht nur seinen Zeitgenossen damals. Er sagt es uns heute. Er sagt es uns mit all unseren Mühsalen und Belastungen.
Vielleicht gehören Sie zu denen, die sagen: „Ja, ich habe eine große Last zu tragen. Ich weiß gar nicht, wie ich damit fertig werden soll!“
Mir scheint, als wenn die Lasten immer größer werden, die den Menschen auferlegt werden. Gerade im Arbeitsleben gibt es so viele Belastungen. Immer größer werden die Anforderungen. Immer schneller soll gearbeitet werden. Immer stärker wird kontrolliert. In vielen Betrieben und Geschäften ist es wohl so. Immer mehr Einsatz wird erwartet.
Aber auch die Selbstständigen sind manchen Belastungen ausgesetzt. Mancher Landwirt weiß nicht, wie er bei den Preisen, die er erzielen kann, über die Runden kommen soll. Mancher Betrieb, manche Branche hat große finanzielle Belastungen zu schultern.
Wie viele Belastungen gibt es im privaten Bereich: Die Mutter, der die Erziehungsaufgabe ihrer Kinder über den Kopf wächst, die Frau, die ihre alte Mutter pflegt und kaum noch kann.
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken!“, sagt Jesus, „ich will euch Ruhe geben.“
„Zu uns kommen so viele Mühselige und Beladene!“, erzählte mir einmal eine Pfarrfrau. Die vielen Mühseligen und Beladenen in der Gemeinde wurden für die Mitarbeiter fast selbst zu einer Belastung, die sie kaum tragen konnten. Ehrenamtliche wurden geschult und ausgebildet, um selbst als Seelsorgerinnen und Seelsorger tätig zu sein.
Ich denke, eine größere Auszeichnung kann es für eine Kirchengemeinde kaum geben als die, dass die Mühseligen und Beladenen dort hinkommen zu denen, die Jesus kennen, zu denen, bei denen sie Gehör finden, zu denen, die mit ihnen beten.
Ja, ich glaube, das zeichnet eine Gemeinde mehr aus als alle Aktivitäten, als wunderbare Gebäude, als große Programme und Aktionen: Dass die Mühseligen und Beladenen eine Stelle finden, wohin sie gehen können mit dem, was ihnen ihr Leben so schwer macht.
„Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“, verspricht Jesus den Mühseligen und Beladenen. Ruhe für eure Seelen. Die Seele ist innen in mir. Nach außen bin ich vielleicht ruhig. Aber innen drin ist meine Seele unruhig. Bei Jesus kann ich Ruhe finden. Er kennt mich. Er kennt meine Seele. Er weiß ja, wie es mir geht.
Bei Jesus kann meine Seele Ruhe finden. Er verspricht mir nicht, dass es in meinem Leben keine Lasten zu tragen gibt. Aber er sagt mir zu: „Ich bin für dich da.“
Den Klugen und Weisen ist dieses verborgen, denen, die sich selbst für klug und weise halten. Dazu gehören auch Leute, die meinen: „Ich schaffe das alleine. Ich brauche Jesus gar nicht.“ Nein: Wer wie ein Kind zu ihm kommt, wer alles von ihm erwartet, wird erleben: Er wird Ruhe geben für die Seele. Er wird neue Kraft geben. Er wird einen guten Weg zeigen.