21.09.2024 / Bibel heute

Jeremia kündigt Zedekia die Zerstörung Jerusalems an

Dies ist das Wort, das vom HERRN geschah zu Jeremia, als der König Zedekia zu ihm sandte Paschhur, den Sohn Malkijas, und Zefanja, den Sohn Maasejas, den Priester, und ihm sagen ließ: Befrage doch den HERRN für uns; denn Nebukadnezar, der König von Babel, führt Krieg gegen uns. Vielleicht wird der HERR doch an uns tun wie bei all seinen früheren Wundern, sodass jener von uns abzieht. Jeremia sprach zu ihnen: So sagt zu Zedekia:[...]

Jeremia 21,1–14

Ihr Browser unterstützt HTML5 Audio nicht!

Ich weiß nicht, wer von uns schon Situationen erlebt hat, die ihm so richtig Angst gemacht haben. Man fühlt sich bedroht und weiß nicht, wie es ausgeht. Man betet, aber Gott scheint nicht zu antworten. Dann spricht man mit anderen Gläubigen, von denen man den Eindruck hat: Sie leben intensiver mit Gott als man selbst. Von ihnen wünscht man sich ein „Alles wird gut“, um wieder etwas Hoffnung zu bekommen.

Der König Zedekia stand in einer ähnlichen Situation. Er hatte versucht, unabhängig von der Großmacht Babel zu werden. Zedekia meinte, sein neu eingegangenes Bündnis mit den Ägyptern würde stark genug gegen die Babylonier sein. Seine Unabhängigkeitsbestrebungen dokumentierte Zedekia auch dadurch, dass er vereinbarte Tributzahlungen an Babel bewusst nicht zahlte.

Diese rebellische Haltung forderte Babel heraus. Es steht mit seinen Soldaten vor den Toren Jerusalems und will die Stadt stürmen. Zedekia schickt in seiner Verzweiflung Boten zu Jeremia, der als Prophet einen guten Draht zu Gott hat. Von ihm wünscht sich der König Zedekia das erlösende „Alles wird gut“. Schließlich hatte Zedekias Ur-Ur-Großvater, der König Hiskia, auch schon einmal erlebt, dass Gott in den Kampf eingegriffen hatte und die damals übermächtigen Assyrer das Weite suchen mussten.

Doch dieses Mal ist Gottes Antwort anders und zugleich erschütternd. Gott selbst wird nicht an der Seite Israels stehen, sondern auf der Seite der Feinde. Gott wird seinen Arm gegen Israel zum Kampf austrecken. Das ist unglaublich!

Das heißt: Gott selbst wird gegen den letzten König der Dynastie Davids kämpfen. Mit Pest, Schwert und Hunger. Schließlich wird Gott dem babylonischen Großkönig Nebukadnezar erlauben, Jerusalem zu erobern und die Einwohner schonungslos ohne Gnade und Erbarmen umzubringen. Die Stadt, die einst unter dem besonderen Schutz Gottes stand, wird von ihm selbst zum Untergang bestimmt!

Alle Entscheidungen ziehen Konsequenzen nach sich

Damit erinnert diese Passage auch uns daran: Unsere Entscheidungen haben Konsequenzen. Zedekia und das Volk im Südreich Juda hatten über viele Jahre hinweg Gottes Gebote missachtet und andere Götter angebetet. Nun erlebten sie die Konsequenzen ihres Handelns. Jeremia macht deutlich: Gott kann nicht einfach über Sünde hinwegsehen. Gott will als Gott in unserem Leben verehrt werden. Wir sollen zu seiner Ehre leben.

Wenn ich aber stattdessen zu meiner Ehre lebe und Gottes Gebote missachte, wie die Israeliten damals, muss ich mich nicht wundern, wenn ich die Folgen meiner Entscheidung tragen muss.

Wenn ich zum Beispiel Gottes eindringlichen Rat in den Wind schlage, nur einen Ehepartner zu heiraten, der auch mit Jesus unterwegs ist, muss ich möglicherweise als Konsequenz lebenslange Dissonanzen in meiner Ehe tragen.

Wenn ich schleichend wieder Geld, Karriere oder Beziehung zur Nr. 1 in meinem Leben mache, werde ich Gottes Stimme nur noch undeutlich hören können. Vielleicht lässt Gott darüber hinaus auch manche Not in meinem Leben zu, damit mir bewusst wird, an welche Dinge ich mein Herz wieder gehängt habe. Gott lässt solche Konsequenzen in meinem Leben zu – nicht, weil er mir Böses antun will. Sondern weil Gott mich liebt und mich wieder in seine Nähe ziehen möchte.

Gottes Antwort an Zedekia ist klar. Es gibt nur die Möglichkeit, in der Stadt zu bleiben und umzukommen, oder sich zu ergeben und ins Exil zu gehen. Wer sich freiwillig ergibt und das Exil in Kauf nimmt, kann aber immerhin sein Leben behalten. Gott ist also entschlossen, sein Volk zu richten.

Ein Weg wird nicht dadurch richtiger, indem man ihn immer weiterläuft. Es gibt im Leben immer wieder Wendepunkte. Hier gilt es, den alten Weg des Widerstandes und Ungehorsams zu verlassen und aufzugeben. Die Mauern meiner Lebensstadt zu verlassen und Gottes Konsequenzen anzunehmen. Denn wenn ich aus Stolz und Ungehorsam in meiner Stadt bleibe, werde ich in meiner rebellischen Haltung sterben. Davon hat niemand etwas. Am Wenigsten ich selbst.

Abschnitte wie Jeremia 21 wollen mich wachrütteln und mir deutlich machen: Ich kann nicht leben, wie ich will, wenn ich mit Gott unterwegs bin. Mein falsches Handeln hat Konsequenzen.

Gott zeigt mir neue Wege

Ich lerne aber noch etwas aus diesem Kapitel. Hier scheint die Dynastie Davids zum Ende gekommen zu sein. Und dennoch: Sie geht nicht unter. Gott hat David Verheißungen gegeben. Er hat ihm ein ewiges Königreich zugesagt. Und Gott steht zu seinen Versprechen.

Auch wenn es sehr eng wird für die Dynastie Davids – sie geht nicht unter. In unserem Abschnitt wird Zedekia letztlich überleben, wenn auch als Gefangener in Babel. Auch der letzte Kronprinz aus dem Geschlecht Davids, Joasch, bleibt am Leben (2. Könige 11), auch wenn Atalja versucht hatte, ihn umzubringen und damit die Dynastie Davids zu beenden.

Das Neue Testament beginnt deshalb mit der Feststellung: Jesus ist der Sohn Abrahams und der Sohn Davids (Matthäus, Vers 1). Mit ihm geht Davids Dynastie weiter. Jesus ist auch der Garant dafür, dass Davids Geschlecht in Ewigkeit bestehen wird, auch wenn es hier durch die Bedrohung Zedekias ernsthaft in seiner Existenz gefährdet war.

So ist Gott. Er findet immer einen Weg, seine Gnade größer sein zu lassen als meinen Ungehorsam. Gott kann meinen Ungehorsam nicht übersehen, weil ER heilig ist. Deshalb lässt er mich manchmal die Konsequenzen meines Handelns spüren.

Doch wenn mein falscher Weg mir leidtut und ich zu Gott umkehre, ist am Ende Gottes Gnade immer größer. Gott begegnet mir dann in Jesus wieder in seiner Güte und nicht mehr in seiner Strenge.

Deshalb lohnt es sich immer von meinem falschen, rebellischen Weg umzukehren und in Gottes offene Arme zu laufen.

Autor/-in: Thomas Powilleit