19.09.2026 / Bibel heute
„Jedermanns Fragen“
Weiter sah ich unter der Sonne: An der Stätte des Rechts war gottloses Treiben, und an der Stätte der Gerechtigkeit war Gottlosigkeit. Da sprach ich in meinem Herzen: Gott wird richten den Gerechten und den Gottlosen; denn alles Vorhaben und alles Tun hat seine Zeit. Ich sprach in meinem Herzen: Es geschieht wegen der Menschenkinder, damit Gott sie prüfe und sie sehen, dass sie selber sind wie das Vieh.[...]
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Fragen stellen und philosophieren
„Der, die, das! Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? – Wer nicht fragt, bleibt dumm!“ Dieses Lied stammt aus der „Sesamstraße“, einer beliebten Kindersendung. Kinder werden mit diesem Reimvers ermutigt, Fragen zu stellen, die sie bewegen. Dann beantworten Erwachsene in anschaulicher Weise ihre Fragen. Auch Erwachsene haben Fragen. Sie nennen vernunftgeleitetes Nachfragen oder kritisches Hinterfragen grundlegender Themen Philosophieren.
Dabei geht es nicht um bloßes Spekulieren, sondern um die methodische Suche nach Erkenntnis und Sinn und Grundlagen ihres Denkens und Handelns.
er hat noch nicht über die Welt oder den Sinn des Lebens sinniert oder durch logisches Denken und gute Argumente versucht, Antworten auf die kleinen und großen, manchmal auch ungelösten Fragen der Menschheit, zu finden? Mit solch einer Herangehensweise sucht auch der Prediger, Rätsel des Lebens zu lösen. Fragen an das Leben haben viele Menschen, gerade dann, wenn sich Abgründe in ihrem Leben auftun und eine Not sie ereilt. Manche Frage bleibt jedoch offen.
Die Leere des Lebens und die Frage nach Gerechtigkeit
Meiner Beobachtung nach leben viele Menschen so, wie es der Prediger beschreibt. Sie suchen ihr Glück in Besitz und Reichtum, in Vergnügen. Ob bewusst oder unbewusst gilt es dabei, eine innere Leere zu füllen. Doch am Ende bleiben die Suchenden meist unbefriedigt zurück, weil die Leere bleibt und das Vakuum neu gefüllt werden will. Resignation, Frustration oder Depression sind unter Umständen die Folge.
Eine Gegebenheit deprimiert den Prediger besonders.
Er findet Ungerechtigkeit und Gesetzlosigkeit gerade dort vor, wo er gerechtes Richten erwartet, nämlich vor Gericht. Gesetzlosigkeit und Korruption sieht er bei den Regierenden, dort, wo Ehrlichkeit praktiziert werden sollte. Diese Tatsache führt ihn zu dem Gedanken, dass es eine Zeit geben muss, in der Gott die Menschen richtet und in der Gott die krummen Wege wieder gerade machen wird. Jener Gedankengang spiegelt das allgemeine Empfinden gerechter Menschen wider. Denn Anständigkeit und Ehrlichkeit verlangen nach einer Zeit, in der die Rechnungen berichtigt werden und dem Recht zum Durchbruch verholfen wird. Hier ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Mit diesem Wunsch bringt der Prediger Gott ins Spiel, der das eine oder andere in der Welt richten soll.
Zugleich empfindet er Gott in seiner gegenwärtigen Stimmungslage als Spielverderber, der die Menschen mit Plagen prüft, damit sie erkennen sollen, dass es ihnen nicht anders ergeht als dem Vieh.
Sie müssen eines Tages sterben.
Tod und christliche Auferstehungshoffnung
Danach erwähnt er den größten Feind des Menschen, der die besten Vorsätze, Bemühungen und Vergnügungen zunichtemacht, nämlich den Tod. Die Sicht des Predigers auf die Dinge der Welt ist gleichermaßen die Weltsicht vieler Menschen, die wie der Prediger nicht um die frohe Botschaft von Jesus Christus wissen. Jesus Christus, Gottes Sohn, ist derjenige, der dem todbringenden Feind ewiges Leben entgegensetzt und allein die innere Leere eines Menschen wirklich füllen kann. Obwohl alles Irdische vergehen wird und der Tod scheinbar einen Schlusspunkt setzt, hat Gott eine Möglichkeit geschaffen, dass der Tod keinesfalls das Ende ist.
Soll heißen: Als Christin glaube ich, wie es das Neue Testament bezeugt, dass Jesus Christus den Tod am Kreuz besiegt hat und ER als Erstling vom Tod auferstanden ist und lebt. Wenn ich irdisch betrachtet wie das Vieh sterben werde, bin ich dennoch gewiss, dass ich wie Jesus Christus von den Toten auferstehen und ewig leben werde.
Der Tod ereilt den Menschen zwar gleichermaßen wie das Tier, weil beiden der Odem Gottes genommen wird. Dann ist für den Menschen wie für die Geschöpfe niederer Ordnung das Leben auf dieser Erde beendet. Alle gehen den gleichen Weg. Sie werden wieder zu Staub. Mit dieser Aussage hat der Prediger recht. Von ihm jedoch kann ich keine volle Erkenntnis über den zukünftigen Zustand des Menschen nach dem Tod erwarten. Doch die Autoren des Neuen Testamentes bezeugen, dass ein durch Jesus Christus wiedergeborener Mensch nach seinem Tod bei Jesus sein wird und eine neue Leiblichkeit erhält.
Leben im Vertrauen auf Gott
Der Prediger kommt hinsichtlich seiner Gedanken über den Tod zu der Auffassung, dass es für den Menschen das Beste sei, jeden Tag, so gut es geht, zu genießen und das Beste daraus zu machen. Das sei des Menschen Los, und er täte gut daran, sich in das Unabänderliche zu fügen. Darüber hinaus solle er sich am Leben freuen, weil ihm niemand sagen könne, was nach dem Tod kommt. Bis heute denken viele Menschen so und leben nach dieser Philosophie.
Als Christin jedoch habe ich keinen Schicksalsglauben, wie ihn der Prediger beschreibt, der besagt, dass alles im Leben vorgegeben und unabänderlich ist oder von Glück und Zufall abhängt. Ich glaube, dass Gott mir und der gesamten Welt gegenüber keinesfalls teilnahmslos ist, sondern in Verhältnisse eingreifen kann.
Auch vertraue ich darauf, dass Gott sich seiner Kinder, den Christen, gnädig annimmt und sich ihnen im Hier und Jetzt durch Jesus Christus und sein Wort und durch seinen Geist offenbart. Daher bin ich nicht getrieben, alles aus dem Leben herauszuholen, was die Welt so bietet oder vorgibt und mir am Ende doch nur schaden würde.
Was die Ungerechtigkeiten in dieser Welt angeht, vertraue ich darauf, dass Gott bereits zu meinen Lebzeiten, spätestens aber beim Jüngsten Gericht darüber Recht sprechen wird. Ich finde, das sind gute Aussichten. Diese Aussichten bzw. guten Nachrichten sind für „Jedermann“ bestimmt, der zu Gott umkehrt und seine Gnade in Jesus Christus annimmt.