29.07.2026 / Anstoß - Gedanken zum Tag

Ja, wie denn nun?

Denn mit dir kann ich Wälle erstürmen und mit meinem Gott über Mauern springen. Gottes Weg ist vollkommen, / das Wort des HERRN ist durchläutert. Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen. Denn wo ist ein Gott außer dem HERRN oder ein Fels außer unserm Gott?[...]

Psalm 18,30 ff.

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Poesie ist eine Kunst, und die Kunst kann vielleicht nicht alles, aber vieles. Zum Beispiel kann man in einem Gemälde Dinge zusammen darstellen, die im wirklichen Leben niemals zusammen auftreten. Auch in der Dichtkunst ist es möglich, gegensätzliche Sachverhalte in einem Werk zu vereinen. 

Der Psalm 18 in der Bibel ist ein Beispiel dafür, ein dreitausend Jahre altes Stück Poesie aus der Feder Davids, des gelernten Hirten und späteren zweiten Königs Israels. Es ist ein frühes Beispiel seiner Dichtkunst. Los geht’s mit den Sätzen: „Ich will dich lieben, Herr, du meine Stärke! Der Herr ist mein Fels, meine Burg, mein Retter. Mein Gott ist die Festung, auf die ich vertraue. Mein Schild, meine Schutzmacht und meine Zuflucht.“

Klingt militärisch, und das ist es auch – David hat in diesen Zeilen seine Erfahrungen als Vogelfreier beschrieben, ein Greifkommando war ihm auf den Fersen. Heißt: Er brauchte tatsächlich Schutz und eine Zuflucht.

Aber dann entwickelt sich der Psalm, und im letzten Drittel ändert sich die Richtung. Auf einmal heißt es, an Gott gerichtet: „Ja, mit dir kann ich Festungen erstürmen. Mit meinem Gott springe ich über Mauern. So ist Gott: Sein Weg ist vollkommen!"

Wie denn nun? Rückzug, Schutz suchen hinter Festungsmauern – oder das Gegenteil: Angriff, Sturm auf die Festungswälle – und rüber über die Mauer?

David hat beides erlebt – und zwar beides mit Gott und bei Gott. Deshalb ist es kein Entweder-Oder, sondern ein „Sowohl als auch.“ Schutz und Wagemut, Erholung suchen – und entschlossen losgehen. Das eine wie das andere im Vertrauen auf Gott.

Autor/-in: Markus Baum