07.01.2024 / Bibel heute

Israels Not und die Verheißung an David (2)

Damals hast du geredet durch ein Gesicht zu deinen Heiligen und gesagt: Ich habe einem Helden Hilfe gewährt, ich habe erhöht einen Auserwählten aus dem Volk. Ich habe gefunden meinen Knecht David, ich habe ihn gesalbt mit meinem heiligen Öl. Meine Hand soll ihn erhalten, und mein Arm soll ihn stärken.[...]

Psalm 89,20–53

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Der Psalmbeter spricht das aus, was Gott getan und gesagt hat. Das beginnt in Vers 21 so: „Ich habe gefunden meinen Knecht David, ich habe ihn gesalbt ...“ - das ist die Erinnerung daran, dass einst der Richter Samuel den jungen David zum kommenden König Israels gesalbt hat (1- Sam.16,13). Oder in Vers 25: „Aber meine Gnade und Treue soll bei ihm sein...“ Im Vers 30 sogar dies: „Ich will ihm ewiglich Nachkommen geben und seinen Thron erhalten, solange der Himmel währt“. All das geht zurück auf Gottes Versprechen durch den Propheten Nathan: „Aber dein Haus und dein Königtum sollen beständig sein in Ewigkeit vor mir und dein Thron soll ewiglich bestehen (2.Sam 7,13)“. Es ist also nicht so, dass der Psalmbeter mit dieser ICH-Rede Gottes seine eigenen Gedanken in Gottes Mund legt, sondern der Beter bleibt klar in der Überlieferung des Alten Testaments, betet also so, dass es zu den Aussagen der Bibel passt. Der Beter möchte gern weiterhin von der unverbrüchlichen Treue Gottes ausgehen und daraus Gewissheit schöpfen.

Gott sein Leid klagen

Doch das fällt ihm gegenwärtig sehr schwer. Ab dem Vers 39 klagt er Gott: „Aber nun hast du verstoßen und verworfen und zürnst mit deinem Gesalbten“. Der Beter klagt: „DU hast zerbrochen den Bund mit deinem Knecht und seine Krone entweiht in den Staub (Vers 40).“ Ich erschrecke: Welch eine Klage gegen Gott ist das! Der Beter sieht auf die zertrümmerte heilige Stadt und beschuldigt seinen Gott als Täter! Und das mehrfach! In Vers 41: „Du hast eingerissen alle seine Mauern“ oder Vers 43: „Du erhöhst die Rechte seiner Widersacher“. Und über das Ergehen des gesalbten Königs klagt er in Vers 46: „Du hast die Tage seiner Jugend verkürzt und ihn bedeckt mit Schande.“ Nachdem der Beter so seinem Herzen Luft gemacht hat, stellt er Gott drei Fragen: Erstens: Wie lange willst du dich verbergen (Vers 47.48)? Zweitens: Wo ist jemand, der sich aus der Todesmacht erretten kann (Vers 47,49)? Drittens: Wo ist deine Gnade von einst (Vers 47,50)?

Gott lässt keine Fragen offen

Diese drei Fragen helfen mir zum weiteren Verstehen des Psalmes. Frage eins „Wie lange willst du dich verbergen?“ zeigt ja, dass der Beter noch ein Fünkchen Hoffnung auf Gottes Eingreifen hat. Hier fällt mir ein Wort von Jesus Christus ein: „Wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt zu sehen, was ihr sehet, und haben‘s nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben‘s nicht gehört (Mt.13,17).“ Ja, Gott hat die Frage des Psalmbeters beantwortet, allerdings erst einige Jahrhunderte nach dem Tode des Fragestellers. Da hat Gott seinen Sohn als Mensch auf die Erde geschickt, und das wie angekündigt „aus Davids Stamm“. Wann war das? Im neuen Testament steht: „Als aber die Zeit erfüllt ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Gesetz getan (Gal. 4,4).“ Also: Gott hat sich nicht verborgen gehalten, sondern er ist in die Welt gekommen - zu Seiner Zeit, mit Jesus Christus! Der hat das irdische Elend im Kern besiegt.

Damit stehe ich vor der zweiten Frage des Psalmbeters: „Wo ist jemand, der da lebt und den Tod nicht sähe, der seine Seele errette aus des Todes Hand (V.49)?“ Gott antwortete durch den Mund Jesu, seines Sohnes: „ICH bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben (Joh.11,25.26).“ Also kann nun endlich doch ein Mensch „sein Leben aus dem Tode erretten“, wie es der Psalmbeter gefragt hatte – durch Glauben an den auferstandenen Herrn Jesus Christus.

Der Glaube an Jesus Christus

Was beinhaltet denn der Glaube an Jesus Christus? Nun, dass ich an Jesu Sterben an meiner Stelle auf Golgatha vor den Toren Jerusalems glaube. Mit Reue über mein Interesse an Jesus darf ich erleichtert „Ich danke dir, Herr!“ sagen. Von da an lebe ich in einer Beziehung zu Ihm als meinem Herrn. Und er geht täglich vor mir her und bringt mich zurecht. SO wird Jesus für einen Menschen ganz persönlich „der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Eine innige Beziehung zwischen dem Menschen und dem Herrn beginnt.

Sagen doch auch Sie, liebe Hörer, „Du“ zu Jesus – gerade heute am ersten Sonntag des neuen Jahres! Dann fragen Sie nicht nur „Was bringt wohl das neue Jahr?“, sondern dann wissen Sie sich fest geborgen in Gottes guter Pflege.

Gottes Gnade

Wer diesen Glaubensschritt tut, beginnt zu begreifen, was die dritte Frage des Psalmbeters enthält: „Herr, wo ist deine Gnade von einst, die du David geschworen hast in deiner Treue (Vers 50)?“ Gott antwortet: „Da, in Jesus Christus selbst, im Blut des Lammes, da ist Gottes Gnade für alle Menschen“. So singt die himmlische Gemeinde vor Gottes Thron: „… denn du bist erwürgt und hast mit deinem Blut erkauft Menschen aus allen Geschlechtern und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht ...(Offb.5.9f.)“ Gott hat wegen des Kreuzestodes Jesu Christi jahrtausendelang Gnade über Gnade für alle Welt walten lassen, bis heute hin. Denn eigentlich hätte jede Epoche das Gegenteil von Frieden und Freude verdient gehabt, nämlich völlige Vernichtung. Jeder Erdenbürger befindet sich ja in Abkehr von Gott, dem Schöpfer, und jede Kultur erwählt sich ihre eigenen Werte und lebt sie aus. Verdient hätte der Mensch jedenfalls sofortiges Gericht und Vernichtung – egal, ob als König oder Sklave. Aber Gott hat alles unter die Gnade Jesu Christi gestellt. Martin Luther hat gesungen: „Ich hatte nichts als Zorn verdienet – und soll bei Gott in Gnaden sein! Gott hat mich mit sich selbst versühnet und macht durch‘s Blut des Sohn´s mich rein!“

Wo ist also die Gnade Gottes? Sie ist in Jesus Christus, in seinem Blut – und da steht sie noch immer. Sich dieses im Glauben anzueignen, dazu hat Jesus eingeladen: „Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken (Jh.6,54).“ DAS ist unverdiente Gnade!

Wie schön, dass es diesen Psalm gibt! Er gibt Einblick in Gottes großangelegte Heilspläne und des Friedens, der alles Denken übersteigt. Der Psalm hilft wahrzunehmen, dass Gott die einzelnen Epochen der Weltgeschichte bestimmt. Und zum Zweiten: Der Psalm hilft auch, Jesus Christus als den Retter aus Irrtum, Sünde und Tod kennen zu lernen. Und drittens schenkt Psalm 89 Erkenntnis darüber, wie reich Gottes Gnade ist, die kein Mensch verdient hat.

Autor/-in: Jürgen Brügmann