24.09.2026 / Bibel heute
Im Dunkeln wächst Vertrauen
Ein guter Ruf ist besser als gute Salbe und der Tag des Todes besser als der Tag der Geburt. Es ist besser, in ein Haus zu gehen, wo man trauert, als in ein Haus, wo man feiert; denn da zeigt sich das Ende aller Menschen, und der Lebende nehme es zu Herzen! Trauern ist besser als Lachen; denn durch Trauern wird das Herz gebessert.[...]
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1. Vom Tod überrascht
„Der Peter ist tot“, hörte ich am anderen Ende der Leitung. Was? Ich hatte doch noch vor Kurzem mit ihm gesprochen. Ja, morgens lag er tot im Bett. Völlig unerwartet. Ich war geschockt. Peter – sein richtiger Name lautet anders – stand mitten im Leben, mitten im Beruf. Jetzt ist er nicht mehr da. Von einer Minute auf die andere.
Kennen Sie auch solche Situationen, in denen Sie vom Tod eines Menschen überrascht worden sind?
Vielleicht auch deshalb, weil man über den Tod kaum noch spricht. Er wird mehr und mehr zum Tabuthema. Dabei ist nichts sicherer als der Tod. Er wird auch mich erreichen – egal, ob ich ihn ignoriere oder verdränge.
2. Warum das Trauerhaus weiser macht als das Festhaus
Deshalb ist der Rat Salomos ein weiser Rat: „Es ist besser, in ein Haus zu gehen, wo man trauert, als in ein Haus, wo man feiert; denn da zeigt sich das Ende aller Menschen, und der Lebende nehme es zu Herzen! Trauern ist besser als Lachen; denn durch Trauern wird das Herz gebessert.“ (Prediger 7,2-3)
Es ist also besser, auf Beerdigungen zu gehen als auf Hochzeiten. Beerdigungen helfen mir, an mein eigenes Ende zu denken. Wenn ich weiß: Schon morgen könnte mein Leben zu Ende sein, dann werde ich mein Tun heute anders bewerten. Wie unwichtig werden manche Dinge, die heute noch zentral für mich sind, wenn ich weiß: Ich werde bald sterben.
Wenn ich mich mit meinem Tod beschäftige, werde ich Entscheidungen treffen, die von größerer Tragweite sind. Ich werde mein Leben aufräumen, Beziehungen wieder in Ordnung bringen.
Im Trauerhaus treffe ich auch auf Leute, die meinen Beistand brauchen. Hier geht es um tiefgründige Gespräche: Trauer lindern und Trost geben.
Aber gerade im Angesicht des Todes wird meine Hoffnung sichtbar. Als Christ glaube und bekenne ich: Ich werde nicht im Grab bleiben, sondern auferstehen und dem wiederkommenden Christus entgegengehen.
Woher weiß ich das? Vom Apostel Paulus. Der hat die Thessalonicher ermahnt, sich daran immer wieder zu erinnern, damit sie nicht betrübt sind wie die Menschen, die keine Hoffnung haben (1. Thessalonicher 4,13).
Deshalb kann ich auch die Gelegenheit nutzen, zur Beerdigung von Bekannten und Arbeitskollegen zu gehen. Hier kann ich mittrauern. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann ich aber auch davon reden, dass Jesus in meinem Leben das letzte Wort hat und nicht der Tod.
3. Der Tag des Glücks – und die Grenzen des Lachens
Salomo redet in unserem Text aber nicht nur vom Tod. Er redet in Vers 14 auch vom Tag des Glücks. Damit ermutigt er jeden, der mit Gott unterwegs ist, sich an dem zu freuen, was Gott an Gutem in unser Leben hineinlegt. Auch wenn die Quelle unseres Glücks Gott selbst ist, gibt es doch vieles, was wir genießen können, worüber wir uns von Herzen freuen dürfen. Doch bei aller Freude sollten wir nie vergessen, von wem diese Freude kommt, wer uns mit Glück überschüttet. Salomo erinnert uns daran: Das ist das Werk Gottes.
Schon im ersten Teil unseres Textes irritiert, dass Salomo das Lachen und die Freude auch negativ darstellt: „Trauern ist besser als Lachen“, „Das Herz der Toren ist dort, wo man sich freut“. Hier ist es wichtig zu verstehen: Das ist kein Widerspruch zu den Versen vorher, die davon reden: Gott gibt uns Glück, zu dem sehr oft auch Lachen gehört. Salomo geht es nicht darum, dass wir grundsätzlich nicht lachen dürfen.
Lachen steht hier mehr für die Oberflächlichkeit, mit der man das Leben ansehen kann. Salomo redet hier nicht gegen das Lachen, sondern gegen Vergnügungssucht und Spaßmentalität, mit denen die tiefen Lebensfragen verdrängt werden.
Salomo empfiehlt uns, dem Lachen kein zu großes Gewicht in unserem Leben zu geben, sprich: Wir sollen das Leben nicht oberflächlich nehmen.
Ich kenne das: Wenn man auf einer Party miteinander feiert, gibt das eine gewisse Verbundenheit.
Aber Gespräche über Lebensfragen hallen noch sehr lange in unserem Kopf und im Kopf unseres Gesprächspartners nach. Hier kann eine Tiefe entstehen, die in einer „Feier-Umgebung“ in der Regel gar nicht möglich ist. Im Grunde genommen ermahnt Salomo mich, solche tiefen Gespräche zu suchen und für solche Gespräche offen zu sein.
4. „Du darfst das“ – Gott vertrauen, auch ohne Antwort
Im letzten Vers des Abschnitts verweist Salomo auf die Größe Gottes. Wenn ich als Mensch Unglück erleide, sagt das nichts darüber aus, ob Gott gut ist oder schlecht. Oft hilft es mir schon in meinem Leid, wenn ich nach dem Sinn suche, den Gott in mein Leid hineingelegt hat. Damit leide ich zwar immer noch unter der Situation, aber es wird erträglicher.
Manchmal gibt es aber auch keinen offensichtlichen Sinn. Ich denke an einen jungen Mann, der mit seinem Auto trotz angepasster Geschwindigkeit ins Schleudern gerät und dabei einen Fahrradfahrer tödlich verletzt. Man denkt: Wäre der Fahrradfahrer schon zwei Meter weiter gewesen oder der junge Mann eine Minute später an diesen Ort gekommen, dann wäre dieses Unglück nicht passiert.
Salomo sagt: Am Tag des Unglücks bedenke: Auch diesen hat der HERR gemacht. Salomo wusste offensichtlich schon vor 3000 Jahren, dass wir Menschen uns schwer damit tun, wenn wir keinen Sinn hinter einem Unglück erkennen können.
Den einzigen Rat, den Salomo in all seiner Weisheit geben kann, lautet: Der Mensch soll nicht wissen, was künftig ist. Der Mensch weiß also nicht, ob später die Absicht Gottes klarer werden wird. Gott ist souverän. Deshalb handelt Gott gerecht, auch wenn ich es nicht verstehe.
Der Essener Jugendpfarrer Wilhelm Busch wurde vor ca. 90 Jahren Zeuge eines der verheerenden Fliegerangriffe auf Essen. Er hat die Welt und auch Gott nicht mehr verstanden.
Dann erinnerte er sich an ein Wort Gottes: „Ist ein Unglück in der Stadt, das der HERR nicht tut?“ (Amos 3,6). Das brachte Busch dann zu der Aussage: „Gott, auch wenn ich nicht verstehe, warum das hier passiert – Du darfst das. Du darfst auch unser Haus anzünden.“
Diese Haltung wünsche ich mir auch: gerade bei schweren Lebensführungen zu wissen: Auch diese für mich schwere und böse Situation hat Gott geschaffen. Gott darf das in meinem Leben.
Möge Gott uns durch alle Tod-, Leid- und Trauererfahrungen diesen Blick immer wieder schenken. Diese Erfahrungen sind oft Erfahrungen, durch die wir Gott selbst tiefer und besser kennenlernen können.