28.07.2026 / Bibel heute
Hunger nach mehr
Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist, und sprachen: Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel gekommen? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander.[...]
Ihr Browser unterstützt HTML5 Audio nicht!
Ein hitziges Streitgespräch und seine Vorgeschichte
Dieser biblische Bericht hat mich an manches persönliche Erleben erinnert, wo es zwischen Menschen nicht gerade sanft zuging, wo gegenseitiges Verstehen auf der Strecke blieb und wo viel aneinander vorbeigeredet wurde. Doch das, was uns hier begegnet an Wortgefechten, an Zumutungen und Unverständnis, das erstaunt mich sehr.
Ich muss sagen, dass mir das, was Jesus hier verkündigt hat, zunächst auch nicht leicht einging.
Um besser zu verstehen, habe ich mich daran gemacht und einmal nachgelesen, was diesem hitzigen Streitgespräch vorausgegangen ist.
Die Menschen haben am Tag zuvor ein grandioses Erlebnis mit Jesus gehabt. Sie sind zu ihm an das Ufer des Galiläischen Meeres gekommen und haben ihm den ganzen Tag über zugehört. Sie haben allerdings nichts zu essen, und deshalb knurren ihnen schließlich die Mägen. Jesus macht ein Wunder, das große Brotwunder, und so werden 5.000 hungrige Menschen gesättigt. Dies liegt in der Macht Jesu. Er ist schließlich Gottes Sohn und somit Gott gleich.
Einen Tag später begegnen ihm seine Zuhörer erneut in der Stadt Kapernaum – wohl in der Erwartung, dass wieder etwas Großartiges passieren wird. Doch es kommt anders.
Das Brot des Lebens: Was die Menschen verpasst haben
Jesus will die Menschen wissen lassen, dass sie am gestrigen Tag das Wichtigste verpasst haben. Denn durch diese Speisung soll ihnen etwas aufgehen, was noch erstaunlicher ist als das Wunderzeichen. Jesus erklärt es ihnen:
Ihr braucht mehr als einen vollen Magen, mehr als Brot aus Hafer oder Weizen.
Jesus sieht die Menschen. Er sieht tiefer. Sie denken, dass zwischen ihnen und Gott, ihrem Schöpfer, alles in bester Ordnung ist. Doch Jesus sieht es anders. Sie halten sich zwar äußerlich an gewisse Ordnungen Gottes, doch sie lieben den himmlischen Vater gar nicht. Sie lassen ihn links liegen.
So ist ein tiefer Graben entstanden. Nicht nur zwischen Gott und den Leuten in Galiläa, sondern zwischen Gott und allen Menschen. Die ursprünglich so hoffnungsvolle Beziehung ist zugrunde gegangen. Die Menschen leben in den Tag hinein, wie sie es für sich passend halten. Doch ihren Schöpfer blenden sie dabei einfach aus. Das nennt die Bibel Sünde.
Aber wie ist es möglich, diesen tiefen Graben zu überwinden und eine neue, eine lebendige Beziehung zu Gott zu finden? Danach fragen schließlich auch die Leute in Kapernaum.
Jesus erklärt es ihnen, indem er eine eigenartig anmutende Bildrede verwendet, mit der seine Zuhörer jedoch so gar nicht zurechtkommen.
Jesus beschreibt den Weg zu Gott, indem er den seltsamen Rat gibt, sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken.
Als die Menschen das hören, erscheint ihnen dies abwegig und rätselhaft, ja sie fühlen sich provoziert. Ich kann verstehen, dass sie so reagieren und auch, dass sie Jesus empört widersprechen.
Selbst viele seiner Nachfolger können ihm hier nicht folgen und ziehen ihre Konsequenzen.
Das Kreuz als Brücke – Kreuz von Golgatha
Jesus ist dazu bereit, weil der himmlische Vater sucht, was verloren ist. Er liebt jeden Menschen. Ja, er hat Sehnsucht nach einer innigen Beziehung zu jedem. Er möchte uns Menschen beschenken mit seiner Fürsorge und mit seiner Liebe.
Doch wer von ihm getrennt ist, weil er seinen Weg ohne Gott geht, der kann diese Liebe und Fürsorge nicht erfahren. Und auch seine Sünde bleibt. Und damit auch der tiefe Graben.
Und weil wir Menschen diesen trotz aller Anstrengungen nicht überwinden können, hat Gott seinen Sohn, Jesus Christus, zu uns Menschen gesandt und ihm aufgegeben: Keiner soll verloren gehen!
Die Strafe, die Gott für Sünde gesetzt hat, ist der Tod. Doch nun trägt Jesus an unserer Stelle die Konsequenz der Sünde. Es kostet Jesus alles, ja sein Leben.
Dieses Opfer bringt Jesus, um die Strafe Gottes auf sich zu ziehen. Und damit hat er die Brücke gebaut über den tiefen Graben. Der Weg ist frei zum himmlischen Vater.
Und wer noch nicht auf diesem Wege ist, den fordert Jesus auch jetzt und heute dazu auf, über diese Brücke zu gehen, sein Opfer anzunehmen. Und er tut es, indem er dazu einlädt, sein Fleisch und Blut zu verinnerlichen.
Dieses Verinnerlichen soll allerdings nicht in einer gedanklichen Vorstellung geschehen, sondern es geschieht in einer bewussten Hingabe und Übergabe des Lebens an Jesus Christus.
Das bedeutet, Jesus darf über alle Bereiche des eigenen Lebens verfügen. Er erwartet von mir, dass ich ihm vertraue und seinem Wort gehorsam bin. Jesus möchte bei seinen Nachfolgern wohnen, und sie sollen ihn erleben als den Herrn, der sie leitet und ermutigt, ihnen aufhilft, wenn sie versagt haben. Unser Herr weiß nur zu gut, dass ich ein schwacher Mensch bin, dass ich die Nachfolge nicht alleine schaffe und oft ins Schleudern gerate. Doch Jesu Nachfolger sind Gottes geliebte Kinder. Der himmlische Vater ist einfühlsam und barmherzig. Er versteht mich, gerade, wenn ich versagt habe und es mir nicht gut geht.
Jesus ruft mich und wirbt um mein Vertrauen. Wer antwortet und wagt es, über die Brücke zu gehen, die er gebaut hat?
Eine persönliche Begegnung: „Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“
Ich denke an eine Begegnung mit einem Menschen, einem jüngeren Mann. Er war über diese Brücke gegangen. Und an ihm lernte ich, wie sich Vertrauen auf Jesus Christus auswirken kann. Mein Gegenüber wurde auf seinem Lebensweg wenig verwöhnt. Seine seelische Gesundheit war stark beeinträchtigt. In einem schwierigen Befinden, wo er sich nicht gut steuern konnte, ist er von einer Autobahnbrücke in die Tiefe gesprungen – mit ganz bösen körperlichen Folgen. Es schien wie ein Wunder, dass er noch am Leben war.
Als er aus der chirurgischen Behandlung kam, fragte ich ihn vorsichtig und etwas unsicher: „Wie geht es dir?“ Was er mir dann antwortete, ist mir sehr nachgegangen. Er sagte: „Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“. Es war ihm abzuspüren: Diese Antwort war für ihn keine fromme Floskel. Er wusste sich – auch nach allem, was er erlebt hat – aufgehoben in der fürsorglichen Hand seines Herrn. Und strahlte eine innige Geborgenheit aus, die auch mich tief berührte.
Für ihn ist es ganz real, was Jesus seinen Nachfolgern versprochen hat: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“ (Johannes 14,23)