26.05.2026 / Wort zum Tag
Habt Geduld mit allen!
Weist die zurecht, die sich an keine Ordnung halten, ermutigt die Verzagten, steht den Schwachen bei, habt Geduld mit allen!
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Die Kassenschlange beim Aldi ist endlos.
Heute will gefühlt jeder etwas von mir. Der Pfarrer hört überhaupt nicht mehr auf zu predigen. Und die Kinder trödeln besonders lange.
Ich kenne solche Situationen. Wenn ich innerlich immer ungeduldiger werde und nervöser. Wenn der Stresspegel steigt und ich weiß: Wenn es jetzt nicht vorwärts geht, explodiere ich gleich….
Es sind ja fast immer Menschen, die nerven. Im Alltag, in der Familie und auch in der Gemeinde. Ich wende dann gerne das erste Hilfe Gebet an: Herr, gib mir Geduld. Und zwar sofort!
Um Geduld geht es heute auch bei dem Apostel Paulus. Er schreibt folgendes an die Gemeinde in Thessaloniki:
Weist die zurecht, die sich an keine Ordnung halten, ermutigt die Verzagten, steht den Schwachen bei, habt Geduld mit allen!
Das ist der Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeinde für den heutigen Tag. Nachzulesen im 1. Thessalonicher Brief Kapitel 5 Vers 14.
Habt Geduld mit allen!
Wahrscheinlich gab es in dieser Gemeinde ein paar ganz besonders ungeduldige Menschen. Wer ungeduldig ist, steht in der Gefahr lieblos zu werden. Ist oft gereizt oder verfällt in einen Aktionismus, der andere aufregt. Das alles ist nicht sehr hilfreich, wenn ich Menschen auf den rechten Weg bringen will. Oder wenn ich mit Menschen zusammen bin, die vom Leben entmutigt sind. Oder wenn ich genau zu diesen Menschen sage: Jetzt glaub doch mal endlich!
Der Apostel Paulus weiß das. Deswegen schreibt er:
Habt Geduld mit allen!
Geduld bedeutet für mich auch: Nimm dir Zeit.
Nimm dir Zeit für den Menschen, der sich schwertut, bestimmte Regeln in der Gemeinde zu akzeptieren. Der vielleicht einfach das tut, was er bisher für sich erkannt hat. Oder der vieles in Frage stellt: Wozu ist das gut? Steht das wirklich so in der Bibel?
Nimm dir Zeit für die Menschen, die mutlos sind. Die sich nichts mehr zutrauen. Die Angst haben. Und davon gibt es viele in den Gemeinden. Mir kostet der Umgang mit diesen Menschen Kraft. Im Gespräch habe ich oft den Eindruck, dass sich letzten Endes nicht viel ändert. Ja, wer im seelsorgerlichen Bereich unterwegs ist, braucht viel Geduld.
Nimm dir Zeit für den Schwachen. Auch in den Gemeinden sehen viele lieber die Menschen, die stark sind, die sich einbringen. Was aber ist mit den glaubensschwachen Menschen? Die vielleicht einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften haben? Und im Moment auf das Gebet und auf die Begleitung der anderen angewiesen sind...
Geduld aufzubringen, ist nicht leicht. Sie fällt mir auch nicht in den Schoß. Doch ich kann sie lernen. Im Deutschen sprechen wir von „Geduld üben“. Üben bedeutet: etwas immer wieder zu tun.
Und ich darf sie erbitten. Geduld ist eine Frucht des Heiligen Geistes (Galater 5,22). Am Anfang sind die Früchte noch ganz klein. Aber sie wachsen!
Das gibt doch Hoffnung, oder? Mich stimmt das auf jeden Fall zuversichtlich. Bezüglich meiner eigenen Ungeduld - und im Umgang mit anderen Menschen. Das erste Hilfe Gebet ist dabei ein guter Anfang:
Herr, gib mir Geduld. Und zwar sofort!