09.01.2020 / Anstoß - Gedanken zum Tag
Gutmensch und Idealist
Paulus schreibt an Philemon: Ich danke meinem Gott allezeit, wenn ich deiner gedenke in meinen Gebeten, dass dein Glaube, den wir miteinander haben, kräftig werde in Erkenntnis all des Guten bei uns, auf Christus hin.
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Gutmensch, Idealist! – Wer möchte schon gerne so genannt werden, vor allem wenn die Bezeichnung mit Verachtung verbunden ist. Wenn ich aus Nächstenliebe handle, gerate ich da nicht schnell in den Ruf, leicht ausgenutzt zu werden? Alles das könnte Philemon aus Kolossä durch den Kopf gegangen sein, als er vor 2000 Jahren einen Brief des Apostel Paulus in den Händen hielt. Philemon musste wohlhabend sein. Er besaß einen Sklaven namens Onesimus. Der war ihm entlaufen. Und jetzt schickt ihn Paulus zu ihm zurück – und setzt sich gleichzeitig für ihn ein. Unter anderem mit den Worten:
Meine Bitte an Gott ist: Der Glaube, an dem du Anteil hast, möge sich bei dir dahin auswirken, dass du all das Gute erkennst, das unter uns im Blick auf Christus zu seiner Ehre zu tun ist.
Paulus verzichtet auf direkte Befehle. Er appelliert an das Herz von Philemon: Du bist ein Anhänger von Jesus Christus geworden. Die Liebe zu denen, die glauben wie du, prägt dich. Nun sei auch deinem Sklaven gegenüber gnädig, der nach Römischem Recht schwerste Strafen verdient hätte – und der ein Christ geworden ist wie du.
Es hat noch über 1.700 Jahre gedauert, bis beispielsweise die Sklaverei in Großbritannien abgeschafft wurde. Die Keimzelle dafür wurde aber bereits in diesem Schreiben des Apostels Paulus an Philemon gelegt. Und deshalb lohnt es sich auch heute, sich wenn nötig einen Gutmenschen und Idealisten schimpfen zu lassen – weil am Schluss die Liebe Gottes zu den Menschen siegt!