16.08.2026 / Bibel heute

Gutes sagen

Ein Loblied Davids. Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich. Ich will dich täglich loben und deinen Namen rühmen immer und ewiglich. Der HERR ist groß und sehr zu loben, und seine Größe ist unausforschlich.

Psalm 145

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Gott als persönlicher Vater – mehr als der Schöpfer

Bei einer Wochenendfreizeit sprechen wir über das Glaubensbekenntnis. Etwas provokativ habe ich eine Ablichtung erstellt, die mit dem ersten Artikel, der von der Schöpfung handelt, so beginnt:

„Ich glaube an Gott, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde…“

Die meisten nicken und schauen gelangweilt „Kennen wir doch alles in- und auswendig!“ Nur eine Dame protestiert: „Da fehlt doch der Vater!“

Und wie sie recht hat!!!

Psalm 145 beginnt in der Anrede Gottes ähnlich: „Mein Gott, Du König“ (Nach der Übersetzung von Martin Luther). Wir haben es im jüdisch-christlichen Glauben eben nie mit einem unpersonlichen Gott zu tun, der irgendwo „da oben“ schwebt oder wohnt.

Sondern aufgrund der Offenbarung Gottes an Sein Volk im Alten und Neuen Bund tritt uns dieser Gott persönlich gegenüber; sowohl in der Schöpfung als auch in der Geschichte!
 

Der Name Gottes und das Lob des Beters

Der Psalmbeter ringt sich nicht ein Loblied ab. Er preist – zunächst als Einzelner – diesen ihm zugewandten Gott in „höchsten“ Tönen. „Deinen Namen segnen in Weltzeit und Ewigkeit“ heißt es in der Übertragung von Buber / Rosenzweig.

Der Name Gottes ist dem Beter bekannt, nicht weil er sich den ausgedacht hat, sondern weil sich Gott vor allem in der Geschichte Israels mit der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten oder auch der Rückführung aus dem babylonischen Exil in unnachahmlicher Weise bekannt gemacht hat: „Ich bin, der ich bin“.

Das Leben Gottes mit uns Menschen beginnt zuerst mit der Befreiung – im Alten Bund mit den großen Taten Gottes in der Geschichte seines Volkes – im Neuen Bund in der Person Jesu Christi!

Wem aufgefallen ist, dass es heißt: „Deinen Namen segnen…“ wird sich vielleicht über diese Formulierung wundern. Kann ein Mensch Gott segnen? Ist es nicht generell umgekehrt, dass Gott uns segnet?

Im Hebräischen steht hier das Wort „barach“ für segnen. Wenn ich Gott segne, preise ich ihn. Und im Griechischen heißt segnen „eulogia“. Das setzt sich aus der Vorsilbe „eu“ für gut und dem Begriff „logos“ für Rede, Wort, Gespräch zusammen. Segnen kann daher auch mit „Gutes-Sagen“ übersetzt werden!

Wenn wir im Gottesdienst oder im Einzelgespräch gesegnet werden, dann spricht uns jemand von Gott her Gutes zu. Aber genauso können auch wir Gott „Gutes sagen“; das Beste ist IHN loben und ehren. Und das geschieht hier aus dem Munde des Psalm-Beters!

Nun geht es ihm jedoch wie vielen von uns, dass wir das Gute und Schöne nicht für uns allein behalten können. „Geteilte Freude ist doppelte Freude“, sagt das Sprichwort; oder Jesus (Matthäus 12,34): „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über!“
 

Vom Sologesang zum großen Chor des Gotteslobs

Deshalb möchte der Beter mit seinem Lob ansteckend wirken auf Groß und Klein, die jetzige Generation und die zukünftige. Das Lob gipfelt in einem ersten Höhepunkt, der uns in Vers 8 vorliegt: Gnädig und barmherzig ist der HERR; geduldig und von großer Güte.“

Und wenn ich den Psalm nicht nur als gesprochenes, sondern auch als gesungenes Wort verstehe – wie die Überschrift vermuten lässt (ein Loblied Davids) – dann bittet uns der Sänger vom Sologesang in Vers 2 „Ich will dich täglich loben“ und der unvorstellbaren Größe Gottes, Vers 3: „Seine Größe ist unausforschlich“ ab Vers 5 „Sie (alle) sollen reden von deiner hohen, herrlichen Pracht“ uns in den Chor mit hinein zu stellen.

Die Taten Gottes (Vers 4) sind gewaltig, sie entspringen aber dem Wesen Gottes, das der Psalmist mit uns gemeinsam rühmen will.

Gott schaut auf die gesamte Schöpfung, die durch ihre bloße Anwesenheit IHN ehrt. Aber Gott schaut auch auf jedes einzelne Geschöpf. Über den mächtigen Taten verliert Gott nicht den Kleinen, Gefallenen und Niedergeschlagenen aus dem Auge (Vers 14). Trotz seiner großen und prachtvollen Herrlichkeit bleibt Gott an den Geschöpfen interessiert; hört ihnen zu, wenn sie schreien (Vers 18f). Gott bleibt in seiner Zuwendung treu (Vers 13); ER ist fürsorglich und hilft (Vers 15 + 19).

In der Sinfonie des Gotteslobes von Psalm 145 werden die Singenden von einer Art Orchester begleitet. Von Vers zu Vers schwellen der Chor und die Instrumente an bis in Vers 10 der Höhepunkt erreicht ist. Es geht nicht mehr darum, sich gegenseitig zum Lob Gottes aufzufordern. Hier ist Gott selbst Auslöser und Adressat des Lobes. Es ist, als würde der Psalmist Singende und Musizierende beinahe in den Himmel entführen. „Dein Reich ist ein ewiges Reich und deine Herrschaft währet für und für“ (Vers 13). So ist es doch auch mit guter Musik, sie entführt uns in Bereiche, die „nicht von dieser Welt sind“.

Vielleicht lohnt es sich, beim nächsten Mal, wenn wir das „Vaterunserbeten, an der Stelle „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe“ an den großen Chor zu denken, all derer, mit denen wir durch das Gebet und den Lobgesang verbunden sind.

Wir dürfen schon etwas davon „schmecken und sehen, wie freundlich der HERR ist“. Uns wird ein Ausblick gewährt auf das Reich, in dem kein Hunger herrscht, es kein Geschrei mehr gibt, in dem sich „Gerechtigkeit und Friede küssen“ und die Herrschaft Gottes mitten unter den Menschen uneingeschränkt aufgerichtet ist.

Vielleicht ist das die große Kunst des Komponierens, dass sie den Hörer nach Erreichen des Höhepunktes einer Sinfonie nicht sofort hart auf dem Boden aufschlagen lässt, sondern dass die Melodie in „wohl temperierten“ Tönen ausklingt.
 

Die Einladung – vom Solo zur Gemeinschaft des Lobes

Im Psalm 145 wird gleichsam die Melodie des „Ewigen Reiches“ insofern noch einmal aufgenommen, als dass der, der ein Reich ohne Hunger bereithält, schon hier auf Erden den Hungrigen sättigen kann. Der Vers, wohl an einigen Tischen als Gebet gesprochen (Vers 15): „Aller Augen warten auf dich HERR, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“ kann dafür stehen.“

Das große Orchester unseres Psalms verstummt langsam, auch der Chor der vielfältigen Stimmen wird leiser. Am Ende ist es wieder die Solostimme, die Gottes Lob singt. Doch der Blick des Solisten geht in die ganze belebte Welt, dass dieses Lob Gottes nicht ein Sologesang bleibt, sondern alles hier auf Erden Lebende in einen Lobgesang einstimmen soll, der kein Ende findet, weil Gott so „unendlich gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte ist“ (Vers 8).

Die Einladung geht an uns, nicht wie in einem Konzertsaal stumm in der Reihe zu sitzen, sondern jeder auf seine Weise und mit seinen Erfahrungen – ob gut oder schwierig – einzustimmen, denn es gibt Lob- und Klagepsalmen in der Bibel! Mit beiden können wir Gott ehren. Dass wir uns an diesen Herrn wenden, bezeichnet die Bibel als Glaube „an Gott den Vater, den Allmächtigen …“

Autor/-in: Reinhard Kronberg