05.08.2026 / Bibel heute
Gott, wo bist du?
Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe.[...]
Ihr Browser unterstützt HTML5 Audio nicht!
„Ich bin das Licht der Welt“
„Ich bin das Licht der Welt“, sagt Jesus von sich. Er sagt es im Kontext des Laubhüttenfestes. Dieses Fest der Juden ist u. a. davon gekennzeichnet, dass riesige Lampen im Tempel, im Bereich des Vorhofs der Heiden, angezündet werden. Da passt dieser Satz Jesu perfekt. Diese Lampen auf dem großen Platz spenden Licht und sollen erinnern, dass Gott sein Volk zur Zeit der Wüstenwanderung führte, tagsüber durch eine Wolkensäule und nachts durch eine Feuersäule. Gott hat wunderbar an Israel gehandelt. Sein Licht ist Wegweisung und zugleich die Gewissheit: Gott ist da, wird helfen, ihm entgeht nichts. Und genau das will Jesus mit diesem Satz ausdrücken: Ich bin das Licht: Ich gebe Orientierung, ich gebe Hoffnung, ich gebe Wärme. Er weiß um die dunklen Stunden, die Menschen haben können. Er weiß um Probleme, Nöte und Sünden. Er weiß um Verachtung, die manche Menschen erleben und um das zerbrochene Herz, das manch einer mit sich herumträgt. Zu ihnen allen kommt Jesus. Zu den Blinden und Lahmen. Zu den Aussätzigen und Betrügern. Zu den Ausgestoßenen und Gebundenen. Für sie möchte Jesus Licht sein.
Das Urteil der Pharisäer – und das unsrige
Aber eine solche Rede gefällt nicht jedem. Die Pharisäer hören seine Sätze nicht gerne. „Dein Zeugnis ist nicht wahr!“, urteilen sie. Sie schauen sich Jesus von Ferne an. Sehen sein Äußeres und dass er mit einer Gruppe von Menschen zusammen ist, denen er predigt. Jesus reagiert darauf. Sehr selbstbewusst und klar versucht er deutlich zu machen, dass er von Gott kommt und Gott sein Vater ist. Die Pharisäer aber richten nach dem, was ihre Augen sehen. Das ist typisch Mensch. Ich sehe jemanden und urteile.
Vor einiger Zeit sitzt jemand in einem unserer Gottesdienste. Dieser Jemand legt ein auffälliges Verhalten an den Tag. Ich bin zwar Pastor, aber weit weg davon, nicht auch Urteile über andere auszusprechen. Gedanken schießen mir durch den Kopf: „Wer ist das denn? Die Person ist bestimmt nicht ganz sauber. Was will diese Person hier, die versteht doch eh nix!“
Jesus sagt den Pharisäern: „Ich richte niemanden.“ Sicher ist das ein Bezug auf den Text zuvor. Eine Ehebrecherin soll gesteinigt werden. Nachdem Jesus die Sache in die Hand genommen hat, beruhigt sich die Lage. Zum Schluss fragt er die Frau: „Hat dich niemand verurteilt?“ Als sie verneint, sagt Jesus: „Ich verurteile dich auch nicht. Du kannst gehen; aber tu diese Sünde nicht mehr!“ (Johannes 8,11)
Wie entlastend, wie gut, wie liebevoll, wie gnädig ist Jesus. Er sieht nicht nur unser Tun, er schaut tiefer. Er sieht nicht nur unser Versagen und urteilt, er sieht unser Herz, versteht, vergibt, verwandelt.
Jesus kennenlernen – mehr als ein flüchtiger Blick
So, wie Jesus uns kennt und eine Beziehung zu uns aufbaut, so wünscht er sich das auch umgekehrt. Die Pharisäer haben daran kein Interesse. Jesus muss kennengelernt werden. Er will verstanden werden. Wenn ich jemanden kennenlernen möchte, dann reicht nicht bloß der flüchtige Blick, das Achten darauf, wie der andere sich kleidet, das kurze Wahrnehmen, was der andere von sich gibt. Kennenlernen bedeutet, Fragen stellen, Interesse haben, wissen wollen, warum eine Person handelt, wie sie handelt, spricht, wie sie spricht, denkt, wie sie denkt.
Wer kennenlernen möchte, der hört auf, sich selbst wertende und verurteilende Antworten zu geben, denn er spitzt die Ohren und hört zu. Er legt seine vorgefertigte Meinung ab, er fragt nach: „Wie hast du das gemeint? Was genau möchtest du damit sagen? Woher weißt du das, was du aussagst?“
Genau das ist wichtig, wenn ich Jesus begegne. Um ihn kennenzulernen, stelle ich Fragen. Am allerbesten ist es, sein Wort zu lesen. Denn hier offenbart sich der lebendige Gott und bekommt in Jesus Gesicht, Hände, Füße und Gestalt. „Wer mich sieht, der sieht den Vater“, so Jesus.
In der Dunkelheit – und der Weg heraus
Manchmal kann es sein, dass ich ebenfalls wie die Pharisäer handle und rede. Vor allem dann, wenn ich enttäuscht bin und Jesus nicht so handelt, wie ich es mir wünsche. Oder wenn ich in tiefer Anfechtung stecke und das Leben sich von seiner dunklen Seite zeigt. Ich frage dann: „Gott, wo bist du? Jesus, hast du nicht gesagt, dass du helfen möchtest?“ Und dann kann es sein, dass ich urteile: „Er hilft jedem, nur nicht mir? Wahrscheinlich ist alles nur Einbildung. Und wenn es ihn gibt, dann ist er vielleicht doch nicht so stark.“
Wenn solche Zeiten kommen, dann ist es wichtig, Fragen zu stellen und mich zu informieren. Nicht stehenzubleiben bei dem, was ich gerade sehe. Nicht mich zu fokussieren auf das Nicht-Eingreifen Gottes. Sondern ihn kennenzulernen, neu wahrzunehmen und das, was über ihn geschrieben steht, aufzunehmen.
Vielleicht stecken Sie gerade in einer dunklen Phase und das Leben scheint es nicht gut mit Ihnen zu meinen. Stecken Sie den Kopf nicht in den Sand und graben Sie sich nicht tiefer in die Dunkelheit hinein. Jesus ist das Licht der Welt. Urteilen Sie nicht über ihn, dass er nicht stark genug ist oder Sie vergessen hat. Öffnen Sie sein Wort. Klagen Sie mit den Psalmen. Bitten Sie mit dem verzweifelten Vater: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ - und lassen Sie Jesus zu sich sprechen, indem Sie sein Handeln, Reden und Wirken am Menschen wahrnehmen.
Gott segne Sie und sollten Sie sein Licht gerade nicht erkennen, dann wünsche ich Ihnen, dass Jesus Ihnen ganz neu aufleuchtet.