09.06.2026 / Bibel heute

Gestern, heute – ewig

Gedenkt eurer Lehrer*, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt dem Beispiel ihres Glaubens. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisegebote, von denen keinen Nutzen haben, die danach leben.[...]

Hebräer 13,7–14

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Glaubensvorbilder, die mich geprägt haben

Meine Mutter ist die Erste. Die Erste, die meine Lehrerin im Glauben an Gott ist. Nicht wie später meine geschätzte Deutschlehrerin in der Schule, sondern, zuerst und zuletzt eine Lehrerin, die nicht viele Worte braucht. Sie lehrt mich Glauben, durch ihr an Gott hingegebenes Leben. Für mich ist sie das erste Vorbild im Glauben, wie es der Hebräerbrief hier meint.

Später ist es unser Jungscharleiter, der begeistert von Jesus erzählt und mir konsequente Nachfolge Jesu vorlebt. Seine ergreifenden Geschichten und Beispiele faszinieren mich. Als Jugendwart – und später dann als Evangelist, wird er vielen ein Wegweiser und Glaubensvater – bis zum letzten Atemzug. Dazu kommt später unser Landesjugendwart, der auf seine Weise junge Christen prägt. Sie gehören für mich zu denjenigen, von denen unser Bibelabschnitt heute spricht. Zu den „Lehrern, die mir das Wort Gottes gesagt haben"!

Für Dietrich Heise, meinem ersten Jungscharlehrer, gilt zudem, was unser Bibeltext weiter anmahnt: Ihr Ende schaut an – und ihrem Glauben folgt nach. Zu seiner Beerdigung sind viele von denen gekommen, die er in seiner unnachahmlichen Weise geprägt hat. Die Frau des Landesjugendwartes hat folgend ein Buch über ihn geschrieben: „Gottes Dietrich öffnet Türen".

Die Freie Evangelische Schule in Görlitz wird auch nach ihm benannt: „Dietrich-Heise-Schule Görlitz".

Dankbarkeit für Menschen auf dem Glaubensweg

Wenn ich heute auf meine vergangenen Lebensjahrzehnte zurückschaue, staune ich, wie viele „Lehrer" es gibt, die meinen Glauben geprägt haben. Wie sie ihren Glauben praktisch lebten, wie sie beteten und sangen, wie sie erzählten und predigten, wie sie zuhören konnten und seelsorgerliche Ratschläge gaben. Darum lese ich auch gern Biografien von Glaubensvorbildern. Nicht nur beeindruckend – auch wegweisend ist für mich die Geschichte von Paul Freed, dem Gründer von Trans World Radio, dem internationalen Partner des ERF, auch von Sabine Ball, die „Mutter Theresa von Dresden" genannt wird, und von Heinz-Horst Deichmann, dem Schuhfabrikanten.… Wer fällt Ihnen ein? Welche Kindergottesdienst-Mitarbeiter, welche Diakone und Pastoren sind Wegweiser und Helfer auf Ihrem Glaubensweg? Solche Erinnerungen lösen bestimmt Dankbarkeit bei Ihnen aus.

Vielleicht schreiben Sie denen, die noch erreichbar sind, eine Karte – oder eine E-Mail. Sagen ihnen damit, wie gut es ist, dass sich ihre Lebenswege gekreuzt haben – wie bedeutsam sie als Leiter und Diener Gottes für ihren Glauben sind.

Und, dass sie ihnen so Grundlagen mitgegeben haben, die sie hoffentlich vor Irrwegen schützen. Denn so lesen wir hier, dass sich manche Gläubige durch fremde Lehren verunsichern lassen.

Jesus Christus – gestern, heute und in Ewigkeit

Ihnen und uns wird gesagt: Es bleibt bei dem einen Grund, bei dem einen HERRN: Jesus Christus. Und das für alle Zeit. Er war vor der Zeit, er ist gegenwärtig erfahrbar und bereitet uns eine wunderbare Zukunft vor. Er allein ist Anfang, Mitte und Ende unseres Lebens und unserer Zeit.

Dass ich dies immer so glauben und sagen kann, dazu braucht es ein festes Herz.

Ein Herz, das sich nicht von jedem großartigen Angebot verunsichern lässt. Ein Herz, das sich an Gottes ewigem Wort festhält. Das Wort, das sich durch gute Erfahrungen des Glaubens stärken lässt, ein Wort, das das Herz fest macht.

Solch ein festes Herz muss mir geschenkt werden! Ich kann es mir nicht verdienen oder erarbeiten. Es muss mir geschenkt werden. Auch dann, wenn ich es nicht verdiene! Ja, es ist Gnade, es zu bekommen. Es aus dieser Gnade Gottes – von seiner Hand fest gemacht zu bekommen, ist köstlich. Ist wunderbar.

Wenige Wochen vor seinem Tod wird Karl Barth, ein Theologie-Professor, interviewt (1968). Dabei sagt er unter anderem Folgendes: „Das letzte Wort, das ich als Theologe und auch als Politiker zu sagen habe, ist nicht ein Begriff wie Gnade, sondern ein Name: Jesus Christus." (katholisch.de: „Sein letztes Wort war ein Name: Jesus Christus" 10.12.2018)

So bezeugt auch er: Jesus Christus – gestern – heute – morgen! Es ist immer dieselbe Botschaft! Und sie ist sehr einfach! So einfach, dass auch die bedeutendsten Professoren nichts anderes sagen können. Jesus ist und bleibt derselbe!

Ist das nicht wunderbar! In einer Zeit, in der ich das Gefühl habe, dass nichts mehr wirklich fest ist.

Die unveränderliche Liebe Gottes

Aber ER, Jesus, ändert sich nicht. Er ändert sich nicht darin, dass er uns liebt! Es ist nicht zu fassen! Er bleibt sich selber treu. Er bleibt gleich in seiner Zuwendung, in seiner Liebe, seiner Güte und Barmherzigkeit, die den Menschen rettet.

Der Mensch ist überhaupt nicht immer derselbe. Er wechselt schnell seine Sachen, seine Stimmungen andauernd, gelegentlich seine Ansichten.

Bei uns Menschen ist alles im Fluss, nichts bleibt gleich. Panta rhei – alles fließt, so sagen es schon die Griechen.

Bei Gott aber ist es anders. Er ist und bleibt Liebe! Er ist Liebe!

Und das Gewaltigste ist: Er teilt diese Liebe aus. Er rettet den Menschen. Das ist seine Art. Und diese Tatsache zu glauben, ist nicht schwer. Die Botschaft der Liebe Jesu ist so einfach, dass sie jedes Kind verstehen kann!

Nein – ich brauche keine komplizierten und umfassenden Erklärungen, keine dicken Bücher und endlose Weiterbildungen – um meinen Glauben an Jesus Christus zu bezeugen. Was ich brauche, ist das einfache, klare und unmissverständliche Wort – und das finde ich im Hebräerbrief: Jesus Christus, gestern und heute – und derselbe auch in Ewigkeit!

Das zu wissen und sich nicht verunsichern zu lassen, wird mir durch Gottes Gnade geschenkt. Der schlesische Arzt, Priester und Dichter Johannes Scheffler (1624-1677), drückt es so aus: „Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben; ach, dass wir Armen nur so kleine Herzen haben“.  Wenn ich mich nach dieser Liebe austrecke, wird sie mein Herz erfüllen – und es damit stark machen. Stark machen, viele andere gut erscheinenden Angebote als Blendwerk zu entlarven – und mich davon nicht beeindrucken zu lassen. Wenn auch mein Herz vergleichsweise klein ist, kann es doch die großen Gaben fassen. Dafür aber muss es fest sein – muss es fest werden.   
 Wie aber wird das Herz fest?  O, das ist gar nicht so schwer. Wenn ich mich mit Menschen umgebe, die schon längere Zeit im Glauben mit Jesus gehen, wenn ich von anderen Christen lerne, wie sie mit Spott und Anfeindungen umgehen. Wenn ich das Wort Gottes lese, dass mich ermutigt und mir hilft.    

Autor/-in: Michael Jahn