25.10.2026 / Bibel heute

Gerade heraus

Ein güldenes Kleinod Davids, vorzusingen, nach der Weise »Vertilge nicht«. Sprecht ihr in Wahrheit Recht, ihr Mächtigen? Richtet ihr in Gerechtigkeit die Menschenkinder? Nein, mutwillig tut ihr Unrecht im Lande, und eure Hände treiben Frevel.

Psalm 58

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Eine ungewohnt klare Sprache

Das ist schon ein heftiger Text und ich staune, dass so eine klare Sprache in der Bibel herrscht.

Die Rachepsalmen sind direkte Sprache aus dem Bauch heraus. Der Psalmbeter beschreibt seine Sicht der Dinge, die Ungerechtigkeit, die er sieht, und den tiefen Wunsch, dass alles ganz anders wird. In vielen Psalmen wird auf die Ungerechtigkeit in der Welt und die Stärke der Machthaber und die Willkür der Entscheidungen eingegangen.

In der heutigen Zeit sind viele in unserer Gesellschaft auch in der Diskussion darüber, wie ungerecht oft entschieden wird. Wie viele Verantwortungsträger scheinbar willkürlich entscheiden und wie „gottlos“ viele Themen behandelt werden – „ICH WÜRDE DOCH GANZ ANDERS ENTSCHEIDEN.“
 

Diagnose der Gottlosigkeit und eigene Empörung

Im Prinzip habe ich in diesem Text eine Diagnose der Gottlosigkeit. Ich erkenne, dass der Beter dieses Psalmes erst einmal beschreibt, wie seine Sicht auf die aktuelle Situation ist. Anschließend wünscht er sich ein radikales Eingreifen Gottes, das ich so nicht bete. Es sind schon sehr eindrucksvolle Strafen und Vergleiche, die der Beter sich wünscht. Am liebsten wäre ihm, dass diese ganzen Menschen, die aus seiner Sicht komplett falsch handelt, „vergehen“ – sterben oder dahinfließen würde wie Wachs.

Ich erwische mich selbst oft dabei, dass ich das Handeln von Menschen in keinerlei Weise nachvollziehen kann. Oft denke ich dann ähnlich wie dieser Psalmbeter. Ich sträube mich gegen ungerechte Entscheidungen, verschiedene Richtlinien oder die Vorgaben. Meist kommen sie aus Gremien, in denen Menschen sehr viel verdienen. Oft mehr als die, für die diese neuen Gesetze und Richtlinien geschaffen werden. Ein uraltes Spiel in den Jahrhunderten der Gesellschaftsentwicklung. Die „Oberen“ entscheiden für die „Unteren“ oft nach bestem Wissen und Gewissen, oder eben auch so, wie es für diesen Beter aussieht: aus reinem Machtgehabe und reiner Willkür:
„Sprecht ihr in Wahrheit Recht, ihr Mächtigen?
Richtet ihr in Gerechtigkeit die Menschenkinder?
Nein, mutwillig tut ihr Unrecht im Lande,
und eure Hände treiben Frevel.“

Der Psalmbeter unterstellt sogar, dass „mutwillig Unrecht und Frevel“ getrieben wird. Sicher eine etwas altmodische Ausdrucksweise, doch ich weiß, was damit gemeint ist. Entscheidungen, die denen, die entscheiden, einen Profit generieren und ich einen Nachteil habe.

Im Buch Prediger 1,9 schreibt der König Salomo: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“ Und das denke ich auch über diesen Psalm. Eine vertraute Sicht der Dinge beschreibt der Psalmbeter hier. Doch wie geht es weiter? Er beschreibt, dass die „Gottlosen“ von Geburt an Lügner sind und abtrünnig, dass sie voller Gift sind und auch taub für die Worte Gottes und seine Gerechtigkeit.
 

Zwischen Vergeltungswunsch und Erlösung in Christus

Das ist spannend, denn zunächst werden wir ja schließlich alle geboren und unterliegen diesem Schicksal. Auch wir werden am Anfang unseres Lebens erst einmal „gottlos“ geboren und in eine Welt hinein, die ungerecht und anstrengend ist. Erst die Entscheidung von mir, die Anerkennung meines Zustands und die notwendige Hilfe durch Gott kann mich überhaupt zu einer „Gerechten“ machen. Nur durch Jesus, der durch sein Sterben am Kreuz und seine Auferstehung vom Tod die Sünde der Welt getragen hat und uns den Weg zu Gott geöffnet hat, ist es möglich, dass ich mit Gott in Verbindung trete.

Der radikalen Sicht auf die „Gottlosen“ und dem Wunsch des Psalmbeters, dass Gott diese bestraft und zerbricht, liegt der Wunsch nach Gerechtigkeit zugrunde. Ihm ist nach Vergeltung. Doch ich sehe in unserer Gesellschaft, dass ich entsetzt bin, wenn Menschen versuchen, durch Rache oder Vergeltung Recht zu bekommen. Wie zum Beispiel Attentäter, die aufgrund einer Ideologie oder einer Meinung Menschenleben opfern. Oder insgesamt bei Kriegen, in denen der einzelne den wahren Grund oft gar nicht nachvollziehen kann. Ich lebe heute in fast genauso einer Welt, wie damals dieser Psalmbeter.
 

Was ich aus dem Psalm mitnehme

Was nehme ich nun aus so einem Rachepsalm mit? - Gott ehrlich sagen, was in mir vorgeht!

Dieser Psalm endet mit einer Verheißung. Die Leute werden sagen: „Der Gerechte empfängt seine Frucht – Gott ist noch Richter auf Erden.“ Unser Gott hat die Fäden der Geschichte in seiner Hand. Im Buch Daniel 2, 21 steht: „Er ist der Herr der Zeit und bestimmt, was wann geschieht; er setzt Könige ab und überlässt anderen ihren Thron. Den Weisen schenkt er ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand!“ Das ist doch eine Zusage, die Mut macht und auch zeigt, dass wirklich alles in Gottes Hand ist.

Ich nehme aus dem Psalm mit, dass die Welt sich nicht wirklich so gravierend weiterentwickelt hat und wir Menschen auch in der heutigen Zeit gar nicht viel anders „ticken“.

Auch denke ich darüber nach, wo ich eventuell eigennützige Entscheidungen treffe, die Einfluss auf Menschen haben. Nach welchen Kriterien treffe ich meine Entscheidungen? Bin ich immer gerecht? Mit Gottes Hilfe werde ich ein Mensch, der auf SEINE Sehnsucht aufmerksam macht. Durch mein eigenes Handeln kann ich anderen Menschen die Liebe Gottes weitergeben. Überlege ich als Christin, wie ich über unsere Machthaber und Manager und über Vorgesetzte und auch über Politiker rede? Bete ich in einer guten Weise für sie und ihre Entscheidungen? Das wünsche ich mir für mich und Sie. Damit leben wir auf gute Art anders und lassen die Menschen um uns herum den Unterschied erkennen. Ich wünsche Ihnen und mir Weisheit im Umgang mit „unseren Machthabern“.

Autor/-in: Astrid Penner