23.09.2026 / Anstoß - Gedanken zum Tag
Gegen den Durst
Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
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Biologische Lebewesen, zumal Wirbeltiere, brauchen Wasser – sonst können sie nicht leben. Ohne Wasser können sie auch nicht lange überleben. Da geht es uns Menschen auch nicht anders als zum Beispiel den Nutztieren und dem Jagdwild. Wenn in einem mindestens 2.500 Jahre alten Lied vom Hirsch die Rede ist, der nach frischem Wasser lechzt, dann ist das für Sie und mich ohne weiteres nachvollziehbar: Durst kann qualvoll sein, dehydrierten Lebewesen geht es schlecht, Wassermangel kann lebensbedrohlich werden.
Der 42. Psalm geht zurück auf die „Söhne Korachs“, eine musikalische Familie von Leviten, kommt also aus der Umgebung des Tempels in Jerusalem, wo die Leviten ihren Dienst versahen. Den quälenden Durst des Hirsches vergleicht der Psalmist mit der Sehnsucht nach Gott: „Ich dürste nach Gott, dem wahren, lebendigen Gott.“ – Möglicherweise ist Salomos Tempel bereits zerstört, als das Lied entsteht. Denn die Wallfahrt zum „Haus Gottes“ in großer, fröhlicher Gesellschaft ist nur noch wehmütige Erinnerung.
Aber Gott selbst ist offensichtlich noch ansprechbar, ist präsent. Der Psalmist spricht ihn direkt an. Den Spöttern zum Trotz, die gibt es nämlich auch. „Wo ist denn dein Gott?“, lästern sie. Aber wer zuletzt lacht, lacht am besten. „Auf Gott will ich hoffen,“ nimmt sich der Psalmist vor, „am Tag wird er mir seine Güte erweisen.“ Sprich: Der innere Durst wird gestillt. Denn weiter heißt es: „In der Nacht will ich ihm singen voller Dank.“ Singen – das klappt nicht mit staubtrockener Kehle.
Gott ist der Lebensspender, im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Gott stillt den Durst nach Leben. Darauf war und ist Verlass.