19.09.2026 / Wort zum Tag

Geduld ist lebenswichtig

Gott spricht: Ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen.

Jesaja 57.16

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Ich hab´ die Nase endgültig voll! Das lasse ich mir keinen Tag länger gefallen! Mit dem bin ich fertig! Die hat mich lange genug durch den Kakao gezogen! So lasse ich mit mir nicht umgehen, keinen Tag länger! Ich glaube, es gibt kaum einen Menschen, der diese Gedanken nicht kennt. Jeder erlebt solche Momente, in denen es wirklich und endgültig genug ist. Der Ofen ist aus, und wenn ich dann das nächste Mal diesen Menschen begegne, knallt es richtig. Es gibt sie eben einfach, die Menschen, die mir auf die Nerven gehen; die Menschen, bei denen es dann irgendwann wirklich genug ist. Die eine Lüge zu viel, die eine Enttäuschung zu viel, die eine Verletzung zu viel. Und ja, es ist tatsächlich so, auf zwischenmenschlicher Ebene gibt es Grenzen des Erträglichen. Und dann kann es gelegentlich auch gut und sinnvoll sein, eine dauerhafte Grenze zu ziehen, einfach nur um sich selbst zu schützen. Und ich muss auch als Christ nicht alles von jedem ertragen.

Auch Christen streiten und gehen getrennte Wege. Dennoch schwelt im Hintergrund eine unangenehme Frage: was, wenn es bei Gott auch so eine Grenze gibt? Was, wenn er sagt, mir reicht es jetzt? Und offen gesagt, Grund dazu hätte er genug. Die Bibel spricht davon in einer schockierenden Deutlichkeit. Sein eigenes Volk, dass er mit Wundern, begleitet, geführt und geschützt hat, sein eigenes Volk, es tritt die Ehre seines Namens mit Füßen. Sein eigenes Volk enttäuscht ihn immer und immer wieder. Und sie müssen tatsächlich auch immer wieder die Konsequenzen ihres eigenen Handelns tragen und aushalten. Aber darüber hinaus beschreibt die Bibel etwas, dass sich unserem menschlichen Verstand entzieht. Sie beschreibt die Geduld Gottes. In Jesaja 57 Vers 16 steht: „Gott spricht: ich will nicht immerdar hadern und nicht ewig zürnen.“

Unsere Schuld und unser Versagen und unsere Treuebrüche heimzusuchen, das wäre für Gott zu wenig. Er will mehr. Sicherlich habe ich in meinem Leben immer wieder auch zu leiden unter den Folgen meiner eigenen schlechten Entscheidungen. Aber für Gott ist das nicht das Ende der Fahnenstange. In Gottes Herzen wohnt eine Macht, die ihn dazu bewegt, geduldig mit mir umzugehen. Es ist die Liebe, die in seinem Vaterherzen wohnt. Diese Liebe ist so stark, dass sie ihn dazu getrieben hat, eine Lösung für das Dilemma Ihres und meines Lebens zu finden. Das Dilemma, dass ich versage und das immer wieder. Das Dilemma, dass wir aneinander schuldig werden und das immer wieder. Das Dilemma, dass ich verletzt werde und das immer wieder.

Gott hat es geschafft, diesen Teufelskreis unserer Schuld zu durchbrechen und in Geduld mit uns Menschen umzugehen. Er hat die Verantwortung für unsere Schuld von uns weg geleitet, er hat sie umgeleitet und auf Jesus, seinen Sohn, gelenkt und am Kreuz hat sie ihn getroffen, die Verantwortung für unsere Schuld. Hier wurde bezahlt, was wir niemals begleichen können. Und deswegen kann Gott sagen, ich will nicht immerdar hadern und nicht ewig zürnen. Wir schauen hier ins Herz Gottes und sehen seine Liebe leuchten. Seine Liebe, die in Jesus menschliche Gestalt angenommen hat. Und weil es so ist, bitte ich Sie, im Blick auf sich selbst und auch im Blick auf die Schuld anderer, nicht bei der Schuld selbst stehen zu bleiben, sondern zusammen mit dem Propheten Jesaja heute diesen Blick ins Vaterherz Gottes zu tun. Lassen Sie sich anstrahlen von der Wärme dieser Liebe und lassen Sie es zu, dass diese Liebe in ihrem Herzen die Flamme des Vertrauens entzündet. Und dann können Sie sagen, da ist so viel Schuld in meinem Leben und im Leben anderer, aber ich danke dir, mein himmlischer Vater, dass deine Geduld größer ist.

Autor/-in: Pfarrer Michael Sarembe