06.10.2026 / Wort zum Tag

Gebet um Hilfe

Lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich!

Psalm 25,20

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Der heutige Losungsvers der Herrnhuter Brüdergemeine steht im Psalm 25,20 und lautet: „Lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich!“ König David, der Beter des Psalms macht keinen Hehl aus seiner Lage. Er spricht von konkret erlebter Bedrängnis, Einsamkeit, Feinden und dem Bewusstsein seiner eigenen Schuld. Das beginnt schon im ersten Vers, in dem David ehrlich vor Gott ausspricht, was er denkt und was er fühlt, wovor er sich fürchtet und wo er seine Rettung sieht: „Nach dir, Herr, verlangt mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden, dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.“ (Psalm 25,1-2) 

Davids doppelte Bitte, dass Gott ihn nicht zuschanden werden oder ihn nicht scheitern lassen soll, drückt auch eine tiefe lebensdrohliche Sorge aus. „Zuschanden werden“ bedeutet für ihn mehr als nur ein Scheitern oder die ausbleibende, kurzfristige Hilfe im Angesicht von Bedrängnis. Es hat auch mit der Angst zu tun, dass sein Glaube an Gott am Ende als Illusion entlarvt werden könnte. Ich habe schon von manchen verzweifelten Menschen gehört: „Wo ist denn Gott? Wenn man ihn wirklich braucht, ist er nicht da. Er tut nichts für mich!“ Vielleicht kennen sie solche Fragen. Wenn die Lebensumstände hart werden und die Geduld und die Widerstandskraft zu Ende geht, dann ist die Frage nicht ferne, ob der Glaube an Gott wirklich trägt oder ob es nicht besser ohne Gott auszuhalten wäre?

Der Beter David ringt also auch um die Bestätigung seines Glaubens. Er bittet Gott: Zeige mir bitte, dass mein Vertrauen auf dich nicht ins Leere läuft. Das finde ich sehr spannend, dass David in dem, was sich im Alltag an feindlichen Dingen aufbaut oder ihn an Problemen umgibt, dass er sich darum sorgt, dass seine Verbindung zu Gott brüchig werden könnte. Dass sein Glaube verwässert wird und in der Hitze der feindlichen Gefechte und Anfechtungen verdampft. David ist sich bewusst, dass er nicht immer im Sinne Gottes gelebt hat. Er denkt auch an die Sünden seiner Jugend. Was auch immer es war, er bittet Gott, ihn nicht darauf festzunageln. Er kann so bitten und darauf hoffen, weil er weiß, dass Gott ein vergebender und barmherziger Gott ist. Das stärkt sein Vertrauen, so dass er in Vers 15 sagen kann: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.“ Der Beter weiß: Wenn ich nur auf meine Probleme schaue, werden sie oft größer und halten mich gedanklich fest, ziehen mich nach unten. Wenn ich aber auf Gott schauen kann, relativiert sich die Not zwar nicht unbedingt, aber ich erhalte einen anderen Halt darin und vielleicht auch eine andere Perspektive darüber hinaus. Der Glaube ist dann kein theoretisches Konzept, sondern ein „Auf-Gott-Ausgerichtet-Sein“. Der Glaube ist dann ein aktives Suchen nach Hilfe und nach Zuflucht.

So wie David möchte auch ich auf Gott täglich harren, seine Hilfe in Anspruch nehmen, auf ihn hoffen und alles von ihm erwarten. Und so möchte ich sie auch ermutigen im Angesicht von Anfechtungen und bei Problemen nicht zu verzweifeln, sondern bei Gott Hilfe zu suchen. Gott verspricht: „Wenn du keinen Ausweg mehr siehst, dann rufe mich zu Hilfe! Ich will dich retten, und du sollst mich preisen.“ (Psalm 50,15)

Autor/-in: Thomas Huth