17.03.2026 / Anstoß - Gedanken zum Tag
Fromme Leidensbereitschaft?
Es ist gut für mich, dass ich gedemütigt wurde, damit ich deine Gebote lerne.
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Kann man Leid etwas Positives abgewinnen? Klar, da gibt es Leistungssportler. Um den Sieg zu erringen, verlangen sie ihrem Körper das Letzte ab. Das braucht schon Leidensbereitschaft.
Auf den ersten Blick kennt auch die Bibel so etwas wie eine „fromme Leidensbereitschaft“. Im 119. Psalm schreibt der ungenannte Autor:
„Gut war es für mich, dass ich leiden musste.
Das brachte mich dazu, dein Gesetz zu lernen.“ (Psalm 119, 71 – BasisBibel)
Ist Gott also ein Sadist, der seine Leute dazu hinprügelt, dass sie seine Regeln befolgen? Und erwartet er auch noch Dankbarkeit dafür?
Leider wurde zu manchen Zeiten genau das gedacht. Selbstkasteiung war zum Beispiel eine vermeintlich fromme Übung im Mittelalter.
Doch nein! Gott ist nicht so! Der ganze 119. Psalm singt ein Loblied auf Gottes Weisungen. Sie sind wohltuend und lebensspendend. Und dieses Loblied bildet den längsten Psalm in der Bibel – aus gutem Grund!
Meine Vermutung deshalb: Wahrscheinlich hat sich der Autor des Psalms selbst Leid zugefügt, indem er die guten Weisungen Gottes nicht befolgt hat. Das hat ihn zum Umdenken gebracht. Und deshalb erfreut er sich jetzt an einem Leben im Einklang mit Gott.
Nein, an Leiden ist nichts Positives. Aber Gott kann in seiner Gnade aus leidvollen Erfahrungen Gutes entstehen lassen.