20.06.2026 / Bibel heute
Falscher Weg
Stoße laut ins Horn! Wie ein Adler kommt es über das Haus des HERRN, weil sie meinen Bund übertreten und mein Gesetz gebrochen haben. Wohl schreien sie zu mir: Du bist mein Gott; wir, Israel, kennen dich. Doch Israel hat das Gute verworfen; darum soll der Feind sie verfolgen.[...]
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Ein Weckruf zur rechten Zeit
Neulich habe ich einen Radfahrer beobachtet. Er fuhr neben dem eigentlichen Radstreifen auf der Fahrbahn. Von hinten näherte sich eine Polizeistreife. Plötzlich ertönte kurz das Martinshorn. Dann war aus dem Lautsprecher des Streifenwagens laut und für alle vernehmbar die Aufforderung zu hören: „Bitte fahren Sie auf dem Radweg!" Ein deutlicher Weckruf, dass die Person auf dem falschen Weg unterwegs ist.
Für die Israeliten ist es auch an der Zeit, dass sie aufgeweckt werden. Hosea soll in die Posaune stoßen. Die Israeliten wissen, was es bedeutet, wenn sie den Ton des Schofar hören. Das kennen sie seit dem Aufbruch aus der Sklaverei in Ägypten. Doch wenn Hosea die Posaune bläst, ist dies kein Zeichen zum Aufbruch. Es ist ein Zeichen zum Stehenbleiben.
Adlerflug und falsche Bündnisse – Hoseas Botschaft ans Gottesvolk
Wenn ich mit unserem Hund in Wald und Wiese unterwegs bin, kann ich hin und wieder Raubvögel beobachten. Langsam kreisen sie in der Luft. Sie erspähen und fixieren ihre Beute. Schließlich stoßen sie im Sturzflug hinunter, um sich ihre Beute zu greifen.
Das Bild des Adlers, der auf Beutezug ist, greift Hosea auf. Zwar beten die Menschen heuchlerisch zu Gott, aber ihre Bekenntnisse bleiben Lippenbekenntnisse. Nachbarstaaten greifen nach dem Nordreich und nach dem Südreich. Wie Tentakel strecken sie ihre Fangarme nach ihnen aus. Die Könige von Israel und Juda lassen sich von den fremden Mächten umgarnen und hoffieren. Fadenscheinige Bündnisse werden geschmiedet. Sie sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind. Das ersterwählte Gottesvolk biedert sich an und verkauft sich wie eine Hure. Das eigene Profil verschwindet. Und wer kein Profil hat, ist für andere uninteressant und wertlos. Mit dem will sich niemand abgeben. Den will am Ende niemand haben. Der geht unter. Die ersten Könige standen noch gesalbt unter Gottes Schutz. Inzwischen herrschen die neuen Machthaber immer mehr nach weltlichen Gesichtspunkten. Übermächtig ist die Verführung. Jahwe wird nicht mehr verehrt. Stattdessen schaffen sich die Menschen vergängliche Götzen. Die Gebote Jahwes werden vergessen und in den Wind geschlagen. Doch wer Wind sät, wird Sturm ernten. So prophezeit es Hosea. Da hilft es auch nicht, mit oberflächlichen Opferfesten Gott besänftigen zu wollen. Mit Psalmen ihn zu erinnern, wie gnädig, barmherzig und geduldig Gott ist, wie zum Beispiel in Psalm 145, Vers 8. Irgendwann ist das Maß voll. Gott hat die Faxen dicke. Denn Gott ist auch ein eifernder Gott, nachzulesen in 2. Mose 20, Vers 5. Er lässt die Menschen lange gewähren. Aber nun ist es Zeit, einzugreifen. Hinaus aus dem gelobten und verheißenen Land.
Neue Götzen und verlorene Orientierung – Hoseas Botschaft heute
Auch heute werden Bündnisse in Frage gestellt. Vereinbarungen zwischen Staaten werden getroffen, die wenig später schon wieder auf der Kippe stehen. Verträge, die einst in guter Absicht geschlossen wurden, laufen aus und werden nicht verlängert. In den Schaltzentralen der Macht sitzen zunehmend Menschen, die den Begriff Menschenwürde nicht kennen oder nicht ernst nehmen. Sie fragen nicht nach Gott, von dem Hosea spricht. Die Begierde nach kleinen Ländern wächst. Feindseligkeiten und kriegerische Auseinandersetzungen häufen sich rund um den Globus. Wer sich nicht positioniert und zu seinen Werten bekennt, wird bedeutungslos.
Wir befinden uns in einer neuen Zeit der Aufklärung. Fast täglich werden uns neue Götzen präsentiert. Götzen, die um uns buhlen und uns in ihren Bann ziehen wollen. Wissenschaftlichkeit ist einer davon und nimmt manchmal groteske Züge an. Dies in einer Weise, dass alles hinterfragt und in Zweifel gezogen wird. Eingeschlossen die Autorität des Wortes Gottes, beurkundet und verbrieft in der Heiligen Schrift. Das Recht auf Selbstbestimmung hat einen höheren Stellenwert als die lebensfördernden Weisungen Gottes. Ehe und Familie als Keimzellen von Beziehung werden unterwandert und zur Nebensache herabgesetzt. Liberalismus wird derart überhöht, dass alles farb- und konturlos wird. Alles scheint austauschbar, auch Gottes Gebote. Das Recht auf Leben als Geschöpf Gottes ist kein Qualitätssiegel mehr, wie es die Abtreibungszahlen deutlich belegen. Nachrichtenverbreitung und Verleumdungskampagnen in den sozialen Medien verstellen uns zunehmend den Blick auf die Wirklichkeit. Die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Schein und Sein wird immer schwieriger. Was heute gilt, zerfällt morgen wie Staub. Wer oder was gibt uns Halt? Woran sollen sich nachfolgende Generationen noch orientieren?
Gottes Gnade und Verheißung – Ruf zur Umkehr
Zu allen Zeiten gab es Menschen, die aufwecken, ermutigen und stärken, wenn der Wind von vorne bläst. So der Apostel Paulus an die Gemeinde in Ephesus: „Seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit", Epheser 5, Vers 16. Und an die Gemeinde in Kolossä: „Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus", Kolosser 4, Vers 5.
Auch heute braucht es ein Signalhorn und einen Weckruf. Noch ist Zeit zum Anhalten, zur Besinnung und zur Umkehr. Oder wie es Martin Luther sagte:
„Es ist not, dass wir die Gnade Gottes nicht in den Wind schlagen und lassen ihn nicht umsonst anklopfen. Er steht vor der Tür: Wohl uns, so wir ihm auftun! Kauft, solange der Markt vor der Türe ist! Sammelt ein, solange die Sonne scheint und gut Wetter ist! Braucht Gottes Gnade und Wort, solange sie da sind!"
Gottes Zusage gilt, wie sie ganz am Anfang des Hoseabuches steht: „Ich will mich mit dir verloben für alle Ewigkeit", Hosea 2, Vers 21. Seine Verheißung aus der Jahreslosung für 2026 steht fest: Siehe, ich mache alles neu, Offenbarung 21, Vers 5. Gottes Geduldsfaden ist noch nicht abgerissen. Er schickt uns auch heute immer wieder einen Streifenwagen mit einem Martinshorn und einer gutgemeinten Warnung: Du bist auf dem falschen Weg unterwegs.