11.10.2026 / Anstoß - Gedanken zum Tag
Elf Monate Chaos
als die Tage, an denen die Juden zur Ruhe gekommen waren vor ihren Feinden, und als den Monat, in dem sich ihr Schmerz in Freude und ihr Leid in Festtage verwandelt hatten: dass sie diese halten sollten als Tage des Festmahls und der Freude und einer dem andern Geschenke und den Armen Gaben schicke.
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Stellen Sie sich mal vor, jemand gibt Sie zum Abschuss frei. Wortwörtlich. Ein neues Gesetz besagt: Es werden freiwillige Bürgerwachten eingesetzt; denen ist es am 13. Dezember erlaubt – ja, sie sind sogar dazu aufgefordert, Ihnen das Leben und danach Hab und Gut zu nehmen. Der Grund: Sie gehören einer ethnischen und religiösen Minderheit an.
Fast drei Monate lang müssen Sie davon ausgehen, vogelfrei zu sein. Was würden Sie tun? Was kann man da noch machen? Gott sei Dank kommt ein Gegenerlass zum Pogromdekret. Er hebt es nicht auf (das geht rechtlich nicht), aber er erlaubt Ihnen, sich zu wehren. Kurz: In neun Monaten gibts Krieg. Sie werden kämpfen müssen. Es wird Tote geben. Zehntausende. Was ist das für ein Wahnsinn?! Ich weiß nicht, wie man so etwas überstehen soll.
Ich habe es mir nicht ausgedacht, es steht so im Buch Ester im Alten Testament der Bibel. Und es ist aktuell die Lebenswirklichkeit von Millionen Menschen auf dieser Welt: Wohin fliehen? Wie überleben? Wann ist endlich Ruhe?
Das Ende des Tötens wird im Buch Ester groß gefeiert. Ein neuer Feiertag wird eingesetzt: Das Purimfest „als die Tage, an denen die Juden zur Ruhe gekommen waren vor ihren Feinden, und als den Monat, in dem sich ihr Schmerz in Freude und ihr Leid in Festtage verwandelt hatten“ – Tage des Festmahls und der Freude sollen es ab jetzt sein, mit Geschenken und Spenden an die Armen (Ester 9,22).
Ob wir das auch noch irgendwie irgendwo auf der Welt schaffen? Am besten sogar ohne vorheriges Blutvergießen, dafür aber mit genug Empathie und Nächstenliebe? Ich fänd‘s schön, wenn es mehr zu feiern gäbe …