12.09.2026 / Wort zum Tag
Eine ganz neue Zukunft
Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.
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Der wichtigste Tag der Weltgeschichte beginnt für Christinnen und Christen mit dem Ostermorgen. Mit der Nachricht: Jesus ist auferstanden! Sein Grab ist leer. Er hat den Tod besiegt. Der Horizont ist weit offen für eine ganz neue Zukunft. Um diese entscheidende Stunde geht es in dem Vers aus dem Neuen Testament, den uns die Herrnhuter Losungen für heute als sogenannten Lehrtext anbieten. Er steht im Johannesevangelium, Kapitel 20, Vers 18: „Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.“
Der erste Mensch, der die unglaubliche Nachricht weitergibt, ist eine Frau. Schon das ist für die damalige Zeit etwas Besonderes. Wichtige Botschaften wurden üblicherweise von Männern überbracht. Frauen traute man höchstens irgendeinen Klatsch und Tratsch zu, aber keine ernsthaften oder gar weltbewegenden Nachrichten. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die ersten Nachrichtensprecherinnen im Deutschen Fernsehen eine kleine Revolution.
Die Bibel lässt die revolutionärste Botschaft aller Zeiten zuerst von einer Frau verkünden. Sogar von einer Frau, die gesellschaftlich alles andere als anerkannt war. Maria Magdalena war eine einfache Frau aus dem Volk. Noch dazu eine mit einer dunklen Vergangenheit. Von den Evangelisten Lukas und Markus erfahren wir, dass Jesus von ihr sieben Geister ausgetrieben hatte. Was das genau bedeutet hat, wissen wir gar nicht. Die spätere Schriftauslegung hat geschlussfolgert, dass sie eine Prostituierte war und mit der Frau identisch ist, die Jesus vor seinem Leidensweg gesalbt hat.
Auf jeden Fall stand sie unter einem zerstörerischen Zwang, der ihr Leben massiv beeinträchtigte und wahrscheinlich auch das Leben der Menschen, die mit ihr zu tun hatten. Jesus hatte sie davon befreit und ihr Leben damit von Grund auf verändert. Als er starb, stand sie mit einigen anderen unter dem Kreuz. Zusammen mit anderen Frauen beobachtete sie, in welche Grabhöhle der Leichnam Jesu gelegt wurde, und wollte ihn später der Tradition gemäß salben. So werden diese Frauen zu den ersten Zeuginnen der Auferstehung und Maria Magdalena wird ihre Sprecherin.
Diese kleine Notiz in den Evangelien reiht sich für mich ein in eine Fülle von biblischen Zeugnissen, in denen Gott unsere gewohnten Hierarchien einfach ignoriert. Er macht Mose, der kein guter Redner war, zum Anführer des Volkes. Er macht den jungen Jeremia zum Propheten. Jesus beruft einfache Leute zu seinen Jüngern und macht aus ihnen die Gründer der christlichen Kirche. Er wendet sich den Kranken zu, den Bettlern und denen, die keiner leiden kann.
Immer wieder wird Frauen in der Bibel eine Schlüsselrolle für Gottes Geschichte zugewiesen. In einer Welt, in der die Männer das Sagen haben. In der man Frauen nichts zutraut, ihre Rechte einschränkt und damit ihre Entwicklungsmöglichkeiten. Auch die Bibel steht dieser Ungleichbehandlung an vielen Stellen unkritisch gegenüber. Aber oft weist sie eben doch darüber hinaus. Und erinnert daran, dass Gott Frau und Mann am Anfang als gleichwertiges und gleichberechtigtes Gegenüber schuf. Erinnert daran, dass die Unterordnung der Frau unter den Mann eine Folge des Sündenfalls ist und keine gottgewollte Ordnung. Ein Blick in das 3. Kapitel des 1. Mosebuches genügt, um das zu erkennen. Am Ostermorgen hebt Gott das Verhängnis seiner Menschenkinder endgültig auf und entmachtet den Tod für immer. Es sind ein paar Frauen, die als erste davon erfahren. Und mit Maria Magdalena wird eine von ihnen zur Ausruferin der Weltenwende.