20.09.2026 / Wort zum Tag
Eine Frage des Horizonts
Paulus schreibt: Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich. Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
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Paulus schreibt in seinem zweiten Brief an seinen jungen Mitarbeiter Timotheus: „Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich. Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ Da haben wir’s wieder! Ein tief religiöser Mensch hält es nicht mehr aus auf dieser Welt und versteigt sich in Gedanken von Weltflucht und einem schönen Leben nach dem Tod. Mit so einer Haltung kann man doch in dieser Welt nichts erreichen. Und dann vergiftet er noch einen jungen Mitarbeiter mit diesem Gedankengut!
Wie hätte Paulus wohl auf einen solchen Angriff reagiert? Stellen wir uns mal vor, Paulus redet mit einem Zeitgenossen aus unseren Tagen. Sein Name ist Ernst. Vielleicht guckt Paulus erst mal erstaunt und fragt dann: „Hast du keine ewige Hoffnung? Wie kannst Du dann überhaupt leben?“ Vielleichtsagt er auch: „Weißt du, ich sehe das gerade andersherum. Ich lebe wohl in dieser Welt - und was ich hier alle so tue, darüber sprechen wir gleich noch - aber meine eigentliche Heimat ist bei Jesus. Bei ihm bin ich zuhause, jetzt und hier und erst recht, wenn ich einmal sterben werde. Jesus ist schon in der Ewigkeit, und er ist König dort. Und deswegen will ich natürlich eines Tages dort bei ihm sein, und ich freue mich riesig drauf!“ Ernst antwortet: „Aber ist das denn nicht Flucht vor der Verantwortung? Da gibt es doch Menschen, die unsere Hilfe brauchen!“ „Da hast du vollkommen Recht, Ernst“, antwortet Paulus. Ich denke an unsere Geschwister in Jerusalem. Die wurden von einer schrecklichen Dürre heimgesucht und leiden Hunger. Ich ziehe hier durch die Mittelmeerregion und sammle Geld für sie, damit sie das überleben.“ „Und was machst du sonst noch so?“ „Ich bin Zeltmacher. Damit finanziere ich meine Reisen. Ich habe auf dieser Welt schließlich einiges zu tun!“ Ernst ist verwundert: „Aber du willst doch am liebsten im Himmel sein, oder etwa nicht?“ „Doch schon, aber wann ich dort lande, das entscheide nicht ich, sondern Jesus. Und bis zu dem Tag, an dem er mich nach Hause ruft, will ich noch möglichst vielen helfen, ihren Frieden und ihre Hoffnung in Jesus zu finden. Weißt du, es gibt niemanden in dieser Welt, der so liebevoll, so hingebungsvoll und so mächtig ist wie Jesus. Der junge Mitarbeiter, Timotheus, dem ich diesen Brief geschrieben habe, ist übrigens einer von den Menschen, die ich zu Jesus geführt habe.“ Ernst wird etwas nachdenklich. „Du schreibst von allem Übel, von dem Jesus dich erlösen wird. Was meinst du damit?“ „Damit meine ich die Probleme, die ich mir einhandle, wenn ich Jesus verkündige. Ich war schon einige Male in Haft, wurde mit Stöcken geschlagen und ausgepeitscht. Ich hatte Probleme mit der römischen Obrigkeit, aber da sind auch immer wieder Menschen, die mich dafür hassen, dass ich immer von Jesus spreche. Einmal mussten Freunde in Damaskus mich sogar in einer Nacht- und Nebelaktion in einem Korb über die Stadtmauer herunterlassen!“ Ernst wird ruhig. „Ich glaube, ich bitte dich um Entschuldigung, Paulus. Weißt du, ich dachte, du seist einer von diesen weltfremden Ideologen, der den Leuten eine Gehirnwäsche verpasst. Und hinterher kommen die armen Leute nicht mehr mit ihrem Leben klar.“ Paulus antwortet: „O nein, da hättest du mich ziemlich missverstanden. Ganz und gar nicht! Aber bei einem bin ich mir völlig sicher: Wer keine starke, lebendige Hoffnung hat, dem bleibt nur die Verzweiflung. Deswegen muss ich von Jesus sprechen und davon, dass er lebt und dass er eine unzerstörbare Hoffnung für uns hat.“