15.07.2026 / Bibel heute
Eine Ausnahme mit Erfolg
Unterdessen kamen seine Jünger, und sie wunderten sich, dass er mit einer Frau redete; doch sagte niemand: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr? Da ließ die Frau ihren Krug stehen und ging hin in die Stadt und spricht zu den Leuten: Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei![...]
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Die Begegnung am Brunnen und das Staunen der Jünger
Es ist damals gar nicht üblich, dass ein Mann mit einer fremden Frau redet. Die Jünger staunen darüber, das ist verständlich, denn jüdische Rabbiner vermeiden das Gespräch mit Frauen, vor allem wenn sie allein sind. Aber das ist nur eine Seite. In den Sprüchen heißt es: „Wem eine tüchtige Frau beschert ist, die ist viel edler als die köstlichsten Perlen."
Interessanterweise schweigen die Jünger. Haben sie gemerkt, dass da etwas missionarisch sehr Wichtiges geschieht?
Die Frau als Botin – von der Sünderin zur Missionarin
Die Frau lässt ihren Wasserkrug stehen und geht in die Stadt. Sie, die mittags allein kommt, ruft jetzt die Leute zu Jesus. „Kommt!" Ich habe den gefunden, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe. Sie bekennt sich also zu ihrer Vergangenheit. Wahrscheinlich sind ihre Verhältnisse schon vorher allen bekannt. Die Frau bezeichnet Jesus als Propheten. Schaut selbst nach, ob er nicht vielleicht der Christus ist. Sie ist völlig erstaunt darüber, dass ihr so etwas widerfahren ist.
Da kommen die Leute aus der Stadt heraus und kommen zu Jesus. Als Leser heute staune ich darüber, dass die Worte dieser Frau solch eine Wirkung haben. Ja, darüber kann man schon staunen, dass aus einer stadtbekannten Sünderin eine Missionarin wird. Sie, die die Menschen gemieden hat, sie wirbt nun für Jesus. So sehr, dass sie fast schon wie eine Vorläuferin für die Weltmission ist.
Jesu Speise: der Wille des Vaters und das Werk der Erlösung
Die Jünger bekommen noch gerade mit, dass Jesus mit der Frau spricht, aber dann geht sie gleich weg. Sie ermahnen Jesus: Rabbi, iss! Die Jünger wollen dem müden Jesus aufhelfen. Aber Jesus wehrt ab. Die Jünger fragen sich: „Hat ihm vielleicht jemand was zu essen gebracht?" Sie sind ratlos. Er sagt: „Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat und sein Werk vollende." Jesus lebt davon, den Willen des Vaters zu tun. Das ist ihm wichtiger als die irdische Speise. Bei der Versuchung in der Wüste hat er dem Teufel geantwortet: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Mund Gottes geht."
Jesus hat mal gesagt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen."
Indem der Sohn den Willen des Vaters tut, verwirklicht sich die Einheit vom Vater und vom Sohn als eine Gemeinschaft ihres Willens.
Aber da steht noch ein Wort: „sein Werk vollenden." Mit diesem Werk ist gemeint, dass Jesus den Glaubenden das ewige Leben gibt. Dass Jesus den Glaubenden das ewige Leben gibt, ist das nicht durch den Sühnetod Jesu am Kreuz geschehen? Ja, Jesus hat gesagt: „Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Denn das ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich's auferwecke am jüngsten Tage. Denn das ist der Wille Gottes meines Vaters, dass wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage."
Das sind Worte des Johannesevangeliums. Da hat Jesus klar gesagt, wofür er gekommen ist: den Willen des Vaters tun, das ist sein Weg.
Die Ernte der Mission und der Glaube der Samaritaner
Die Felder, die weiß sind, sind reif zur Ernte. Dafür muss man allerdings die Augen haben. Welche Ernte meint Jesus denn? Er spricht hier geistliche Worte. Nicht meint er die Ernte des Bauern. Es geht ihm um die Frucht des ewigen Lebens. Der Sämann und der Schnitter sollen sich gemeinsam freuen. Jesus meint mit der Ernte die Mission. Und die Felder, die weiß sind zur Ernte, das sind die Menschen aus Sychar. Alle, die jetzt zum Jakobsbrunnen gelaufen kommen, all die Samaritaner, das ist die Ernte. Hebt eure Augen auf, blickt doch um euch, was seht ihr da?
Jesus sagt: Ich habe euch ausgesandt, um zu ernten. Recht so. Aber: Jesus ist der Säende und die Jünger sind die Erntenden. Die Ernte beginnt also dort am Jakobsbrunnen. Die Frucht, das sind die Menschen, die für den Glauben an Jesus gewonnen werden. ie haben das ewige Leben erhalten durch den Glauben an Jesus. Der, der sät, ist Jesus. Der andere, der erntet, ist der missionierende Jünger.
Da ist noch das Wort „gesandt" wichtig. Bisher ist nur Jesus gesandt auf die Erde oder auch der Täufer Johannes. Jetzt werden die Jünger selbst gesandt. Hier ist doch eine Kette zu finden! Nach der Auferstehung sagt Jesus den Jüngern: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch."
Die Geschichte zeigt, wie die Samaritanerin zur Begegnung mit Jesus und zum Glauben an Jesus kommt. Jesus ist mehr als die Patriarchen und Propheten. Er ist der Messias, er gibt lebendiges Wasser. Auch die Samaritaner sollen zum neuen Gottesvolk gehören. Die biblische Kette vom Vater zu Jesus und weiter zu den Jüngern wird hier offenbar.
Viele der Samaritaner kommen zum Glauben an Jesus. Aber sie wollen mehr. Sie bitten Jesus, zu bleiben. Und Jesus bleibt zwei Tage dort. Der Grund ist der Bericht der Frau: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Das spielte die entscheidende Rolle. In diesen zwei Tagen geschieht dort in Samaria Erstaunliches.
Jesus hat bei der Aussendung der Zwölf einst gesagt, in keine Stadt der Samariter zu gehen. Aber hier macht Gott eine Ausnahme. Das kann er, das tut er, wenn es um die Rettung verlorener Sünder geht. Viel mehr kommen noch zum Glauben an Jesus wegen seiner Worte, mehr als wegen der Worte der Frau.
Das ist schon ein seltsames Bild: ein jüdischer Rabbi predigt den Samaritanern. Und es bewirkt sehr viel: noch viel mehr Menschen glauben um seines Wortes willen.
Sie sagen: „Wir haben selbst gehört und erkannt, dass dieser der Heiland der Welt ist." Zuerst steht da „gehört" und dann „erkannt". Der Glaube kommt also aus der Predigt. Dieser ist wahrlich der Heiland der Welt, lautet die.
Prima: die Samariter brechen als erstes Volk auf zum Glauben an Jesus, dem Retter der Welt.