30.04.2026 / Wort zum Tag
Ein Wimpernschlag Zeit
Tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.
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Wir sitzen beim Frühstück und lassen uns Zeit. Der Tisch ist festlich gedeckt. Mein Mann hat Geburtstag. Einen runden. „Fühlt sich das eigentlich komisch an, dass du jetzt schon 60 bist?", frage ich ihn. „Ja, schon", meint mein Mann, „es kommt mir gar nicht so vor, als wäre ich schon 60 Jahre lang auf der Welt. Ging doch erstaunlich schnell um, die Zeit bis hierher." Das Gefühl habe ich auch. Gestern noch habe ich unseren Söhnen die Windeln gewechselt und „Tempo kleine Schnecke" mit ihnen gespielt. Heute lösen sie meine Computerprobleme. Und führen uns Eltern in die Feinheiten strategischer Brettspiele ein. So schnell kann es gehen.
Als ich jung war, ist mir die Zeit manchmal nicht schnell genug umgegangen. Ich habe auf etwas hingefiebert. Aber die Zeit hat sich wie Kaugummi gezogen: Bis ich die Klassenarbeit zurückbekommen habe. Der letzte Schultag vor den Sommerferien geschafft war. Ich vom Teenagerkreis in den Jugendkreis wechseln durfte. Den Ausbildungsvertrag in der Tasche hatte. Und den Führerschein. Bis ich in meine erste eigene Wohnung gezogen bin. „Du hast doch alle Zeit der Welt", wurde mir gesagt. Aber ich konnte es kaum abwarten. Wollte endlich auf eigenen Füßen stehen.
Jetzt bin ich Ende fünfzig und frage mich rückblickend manchmal: Wo ist die Zeit geblieben? Als flöge sie nur so dahin. Dabei hat ein Tag immer noch 24 Stunden. Wie schon in meiner Jugend. Aber es ist wohl ein Unterschied, ob ich mit 20, 50 oder 80 Jahren auf meine Lebenszeit schaue. Und was ich dabei in den Blick nehme.
Aus Gottes Sicht stellt sich das Ganze nochmal anders dar. Wir Menschen sind vergänglich. Er aber ist ewig. War schon immer da. Und wird immer sein.
Verglichen mit Gott sind wir Menschen ein Hauch. Unser Leben währt nicht länger als ein Wimpernschlag. Ein Wimpernschlag, dem Gott Beachtung schenkt.
Er, der die Zeit selbst geschaffen hat, ist ihren Gesetzmäßigkeiten nicht unterworfen. Gott ist der Herr. Auch der Herr der Zeit. Und er hat einen anderen Blick darauf als wir Menschen. Mose, der von Gott eingesetzte Leiter, drückt es in Psalm 90, Vers 4 so aus: „Tausend Jahre sind in deinen Augen so kurz wie ein gerade vergangener Tag – sie sind nicht länger als ein paar Stunden in der Nacht." (NGÜ)
„Du hast doch alle Zeit der Welt", wurde mir gesagt. Wahrscheinlich hätte ich mir für manches auch mehr Zeit lassen können. Unerschöpflich ist mein Zeitvorrat aber nicht. War er auch nie. Mein Leben in dieser Welt ist begrenzt. Gott hat wirklich alle Zeit der Welt. Dieser und der zukünftigen. Und er hat auch meine Zeit im Blick. Keine Sekunde meines Lebens gleitet ihm aus der Hand. In JesusChristus schenkt er mir ewiges Leben, das schon hier und jetzt beginnt. Wenn ich mir das vor Augen führe, kann ich gelassen leben. Ich muss der Zeit weder hinterher rennen noch mich von Wartezeiten verrückt machen lassen.
Ich muss auch nicht alles aus dieser Welt herausholen, als ob ich keine Zukunft hätte. Wenn Gott der Herr meines Lebens ist, ist er auch der Herr meiner Zeit. Dann ist es wohl klug, dass ich ihn frage: „Herr, wie willst du meine Lebenszeit gestalten?" Im Vergleich zu ihm dauert mein Leben auf dieser Erde nur einen Wimpernschlag. Aber Gott will diesen Wimpernschlag füllen und gebrauchen. Zu seiner Ehre und zum Segen für mich und andere.