25.08.2026 / Bibel heute

Die Welt ist nicht genug

Liebe Kinder, ich schreibe euch, dass euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen. Ich schreibe euch Vätern; denn ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch jungen Männern; denn ihr habt den Bösen überwunden. Ich habe euch Kindern geschrieben; denn ihr habt den Vater erkannt. Ich habe euch Vätern geschrieben; denn ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist. Ich habe euch jungen Männern geschrieben; denn ihr seid stark, und das Wort Gottes bleibt in euch, und ihr habt den Bösen überwunden.[...]

1. Johannes 2,12–17

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Gemeinschaft mit Gott und Wachstum im Glauben

„Die Welt ist nicht genug“ – dieser Satz ist mehr als nur der Titel eines James-Bond-Films. Es ist eine Wahrheit, die die Menschheit schon immer begleitet hat. In der Bibel lesen wir: „Himmel und Erde werden vergehen“ und „was sichtbar ist, das ist zeitlich“. Die Endlichkeit des Lebens ist jedem Menschen bewusst. Dem Apostel Johannes ist es ein Anliegen, dass die Nachfolger Jesu ihr Leben in Gemeinschaft mit dem lebendigen und ewigen Gott und ihre Berufung nicht aus den Augen verlieren.

Johannes liebt die Gemeinde, und in unserem heutigen Bibeltext spricht er in einer Art Gedichtform zu ihr. Er spricht zu den Kindern, Vätern und jungen Männern. Dabei geht es in erster Linie nicht um das biologische Alter, sondern er beschreibt die Entwicklung eines Glaubenswegs, auf dem jeder Christ sich befindet.

Glaube ist nicht nur eine erkannte Wahrheit, die ich vertrete. Es ist ein Prozess, in dem die erkannte Wahrheit aus dem Glauben heraus gelebt wird – ein Prozess, in dem ich wachsen darf. Es ist dieses Wachstum, das den Glauben festigt, erfahrbar und sichtbar macht.

Johannes ermutigt die Christen damals wie auch uns heute, nicht aus den Augen zu verlieren, was uns Gottes Liebe alles geschenkt hat. Er erinnert daran, dass die Sünden vergeben sind. Dass der gnädige Gott durch Jesus einen Weg gebahnt hat, auf dem Wahrheit und Leben jedem geschenkt werden, der Gottes Geschenk der Erlösung annimmt. Wir müssen uns Gottes Liebe nicht verdienen. Wir leben aus dem, was Christus für uns getan hat. Wir sind Gottes Kinder.

Die Worte, die Johannes an die „Väter“ richtet, sind eine Ermutigung, indem er daran erinnert, was Nachfolger Jesu an Verständnis und Erkenntnis schon gewonnen haben. Je länger und intensiver wir mit Gott leben, desto mehr wächst unsere Erkenntnis über Gott: sein Wesen, seine Liebe, seine Macht, seine Geduld und Langmut, seine Freundlichkeit und Güte. Je mehr ich Gott vertraue und ihm nachfolge, desto mehr bestätigt sich der Glaube an den lebendigen Gott. Ganz im Sinne des Liedtextes von Hella Heizmann: „Da kann man nur staunen über Gott“.

Die ersten Glaubenserfahrungen auf dem Weg mit Gott basieren auf der Erkenntnis der Macht Gottes, Sünde zu vergeben und mein Leben zu verändern. Eine Erfahrung der jungen Männer, die erleben, wie lebendig, belebend und alltagsverändernd der Glaube an Gott ist.

Johannes erinnert Kinder, Väter und junge Männer daran, wer sie sind, wem sie gehören und was für sie getan wurde.

Das ist wichtig. Christlicher Glaube beginnt nicht mit Leistung, sondern mit Gnade. Wir müssen uns Gottes Liebe nicht verdienen. Wir leben aus dem, was Christus für uns getan hat. Wir sind Kinder Gottes und unsere Heimat ist im Himmel.

C. S. Lewis hat es einmal so formuliert: „Wenn ich in mir eine Sehnsucht spüre, die durch keine Erfahrung dieser Welt gestillt werden kann, ist die wahrscheinlichste Erklärung dafür, dass ich für eine andere Welt geschaffen wurde.“

Die Vergänglichkeit der Welt

Deshalb schreibt Johannes in Vers 15: „Habt nicht lieb die Welt noch, was in der Welt ist.“ Alles, was diese Welt bietet, hat ein Verfallsdatum. Die Welt ist nicht genug.

Johannes erinnert uns daran, dass all diese Dinge vergänglich sind. Was heute begehrt wird, ist morgen vergessen. Was heute groß erscheint, kann morgen verschwunden sein. Die Welt mit ihren Verlockungen hat keine Zukunftsaussichten.

Weltliche und geistliche Glaubenswelten

Den Werten dieser Welt mit ihren Ansprüchen und Begierden stellt Johannes den ewigen Willen Gottes gegenüber. Wir sollen diese Welt nicht lieben, ihr aber auch nicht entfliehen, denn Jesus sagt in Johannes 17 ausdrücklich, dass wir in diese Welt gesandt sind. Jedoch sollen wir uns nicht vom „Weltgeist“ infizieren lassen, sondern als Licht und Salz in dieser Welt wirken.

Wir leben mittendrin in dieser Welt und die Ansteckungsgefahr ist groß. Ich kann die Welt in zwei Glaubenswelten aufteilen – eine weltliche und eine geistliche.

Die eine steht für einen Glauben an einen Schöpfer, und die andere Glaubenswelt hat eine zufällige Entwicklung als Basis. In der geistlichen Glaubenswelt bin ich einem Schöpfer gegenüber verantwortlich. In der weltlichen Glaubenswelt bin ich ein Produkt des Zufalls, und dem kann ich keine Rechenschaft schuldig sein.

Diese beiden Welten kann ich nicht auf einen Nenner bringen.

Ich kann respektvoll mit den verschiedenen Glaubenswelten umgehen, aber sie lassen sich nicht vereinen. Die Welt geht ihren Weg, alles verändert sich und vergeht.

Johannes schreibt: „Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“

Mit der Warnung „Habt nicht lieb die Welt“ meint Johannes nicht die Schöpfung Gottes oder die Menschen, die Gott liebt. Mit „Welt“ beschreibt er das Denken und Leben, das sich von Gott löst und ihn nicht braucht.

Gottes Wille als Halt und Hoffnung

In 1. Johannes 2,16 steht nach der „Neues Leben“-Bibelübersetzung: „Denn die Welt kennt nur das Verlangen nach körperlicher Befriedigung, die Gier nach allem, was unsere Augen sehen, und den Stolz auf unseren Besitz. Dies alles ist nicht vom Vater, sondern kommt von der Welt.“ (NL)

In der Neuen Genfer Übersetzung liest es sich so: „Denn nichts von dem, was diese Welt kennzeichnet, kommt vom Vater. Ob es die Gier des selbstsüchtigen Menschen ist, seine begehrlichen Blicke oder sein Prahlen mit Macht und Besitz – all das hat seinen Ursprung in dieser Welt.“ (NGÜ)

„Nicht lieb haben“ bedeutet: nicht dein Herz daran hängen, nicht darin deine Identität, Sicherheit und Freude suchen. Alle Menschen haben Grundbedürfnisse wie Sicherheit und Geborgenheit, Angenommen- und Verstandenwerden. Wenn ich versuche, diese Bedürfnisse mit Angeboten zu stillen, die vergänglich sind, dann ist mein Leben wie ein Haschen nach Wind.

Wenn mein Besitz mein Wertgefühl bestimmt: Wann ist dann genug wirklich genug, und was ist, wenn mein Besitz verloren geht oder wertlos wird? Wenn Anerkennung von Menschen meinen Selbstwert bestimmt: Was geschieht dann, wenn die Menschen ihre Meinung ändern oder nicht mehr da sind?

Die Welt ist nicht genug.

Es gibt mir Hoffnung und macht mich froh, dass es eine Alternative gibt: „wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit“ – ein Leben, das auf Gottes Willen und seine Liebe ausgerichtet ist, gibt mir Halt für Zeit und Ewigkeit.

Zwei Fragen möchte ich Ihnen gerne mitgeben:

Wo merken Sie bei sich am stärksten die Versuchung, Ihr Herz nach dieser „Welt“ auszurichten, anstatt an Gottes Willen? Und was tun Sie, damit Ihre Liebe zu Gott lebendig bleibt und immer weiter wächst?

Autor/-in: Wilfried Schulte