30.03.2026 / Wort zum Tag
Die Führungsstärke des Paulus
Paulus schreibt: Ich werde es nicht wagen, etwas vorzubringen, das nicht Christus durch mich gewirkt hat. Er hat es durch mein Wort und meine Tat bewirkt, dass die Völker nun Gott gehorsam sind.
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Gestern habe ich mit Mose einen biblischen Leiter aus dem Alten Testament vorgestellt. Heute möchte ich über eine Führungsperson aus dem Neuen Testament sprechen – über den Apostel Paulus. Aus der Bibel weiß ich, dass er etliche Gemeinden gegründet hat. Auch danach hat er sie immer wieder ermutigt und korrigiert. Dazu hat er ihnen Briefe geschrieben, von denen viele erhalten geblieben und Teil der Bibel geworden sind.
Als Lehrtext ist in den Herrnhuter Losungen für heute ein Satz aus seinem Brief an die Römer ausgewählt worden, aus Kapitel 15, Vers 18: „Paulus schreibt: Ich werde es nicht wagen, etwas vorzubringen, das nicht Christus durch mich gewirkt hat. Er hat es durch mein Wort und meine Tat bewirkt, dass die Völker nun Gott gehorsam sind.“
Der Satz gehört zu einem Abschnitt, in dem Paulus erklärt, wie er seinen Dienst versteht. Er hat seinen Auftrag von Jesus selbst erhalten. In der Apostelgeschichte wird uns geschildert, wie nachdrücklich der Auferstandene den Apostel auf den Weg bringt. Bis dahin war Paulus dem christlichen Glauben nämlich äußerst feindlich gesonnen. Aber die Begegnung mit Jesus hat ihn komplett verändert. Von nun an durchreist er den ganzen östlichen Mittelmeerraum, verkündet die Botschaft von Jesus dem Retter und organisiert eine christliche Gemeinde nach der anderen.
Dabei gerät Paulus auch in Konflikte mit Leuten, die in seinen Gemeinden eine andere Lehre verbreiten und damit erfolgreich sind. Wer hat nun Recht? Ein Konflikt, der auch heute Gemeinden geradezu zerreißen kann, mindestens in manchen Fragen. Im Neuen Testament scheint es, als ob diese Gegner des Paulus sehr wortgewaltig und selbstbewusst aufgetreten sind. Manche konnten die Gemeinden beeindrucken, indem sie besondere spirituelle Erfahrungen vermittelten. Zum Beispiel Visionen oder das Reden in fremden Sprachen.
An anderer Stelle sagt Paulus einmal: Das kann ich auch. Aber darauf kommt es nicht an. Es kommt darauf an, dass ich mich ganz eng an das halte, was Jesus will. Das nimmt Paulus für sich in Anspruch. Alles, was er in Menschen verändert hat, ist durch Jesus gewirkt worden. Es ist nicht sein Produkt. Nicht seine rhetorischen Fähigkeiten haben die Menschen zum Glauben erweckt, sondern Gottes Geist.
Nun kann das natürlich jeder behaupten. Was nicht jeder kann: Mit dieser Abhängigkeit von Jesus auch im persönlichen Leben ernst zu machen. In seinen Briefen an die Gemeinde in Korinth zählt Paulus auf, was er alles auf sich genommen hat, um seinem Auftrag nachzukommen: mühsame und gefährliche Reisen, Gefangenschaft, Prügelstrafen, ein Schiffbruch und anderes. Paulus zeigt Führungsstärke nicht in dem, was er anderen zumutet, sondern in dem, was er selbst auf sich nimmt.
Und Paulus begründet seine Autorität immer wieder damit, dass er von sich weg auf Christus verweist und sich selbst zurücknimmt. „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir,“ schreibt er einmal. Und an anderer Stelle: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ Paulus sieht sich nicht als den Helden und Macher, der dem Herrn stolz seine missionarischen Leistungen präsentiert. Die Gemeinden sollen nicht deshalb auf ihn hören, weil er so ein scharfsinniger und redegewandter Apostel ist. Sondern weil Jesus durch ihn spricht. Alles, was durch den Apostel Paulus an Glauben gewachsen ist, hat eigentlich nicht Paulus bewirkt, sondern Jesus selbst. Diese Gewissheit ist es, in der die Führungsstärke des Apostels begründet ist.