12.10.2026 / Wort zum Tag
Die Erfahrungen von Gottes Wirken
Ich gedenke an die früheren Zeiten: ich sinne nach über all deine Taten und spreche von den Werken deiner Hände.
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Je älter ich werde, desto größer ist die Rolle, die meine Vergangenheit in meinem Leben spielt. Erinnerungen helfen, das Leben zu ordnen und die Gegenwart besser einzuordnen. Man sagt, die Ereignisse aus dem späten Jugendalter und der frühen Erwachsenenzeit bleiben besonders gut im Gedächtnis. Das ist sicher die Zeit, die mich besonders geprägt hat. Die Vielfalt der neuen Möglichkeiten eröffnet ein weites Feld zwischen Sehnsucht, Hoffnung und Angst. Auf der Suche nach der eigenen Identität wächst die Distanz zu dem Lebensmodell, das mir meine Eltern vorgelebt haben. Orientierung finde ich durch den Konfirmandenunterricht und durch Klassenkameraden im christlichen Glauben, in der Bibel. Damit stehe ich zwar nicht allein, aber rings um mich her erlebe ich eine Vielzahl anderer Lebensentwürfe.
Mit manchen Menschen von damals habe ich auch heute noch Kontakt, Familie natürlich, manche Freundinnen und Freunde, Mitschülerinnen und Mitschüler, Studienkolleginnen und Studienkollegen, frühere Nachbarinnen und Nachbarn. Hin und wieder blitzt da etwas auf von Veränderung. Mit fortschreitendem Alter verschieben sich zunehmend die Lebensschwerpunkte.
Das Bibelwort aus dem Losungsheft der Herrnhuter Brüdergemeine stammt aus einem Klagepsalm Davids In Psalm 143, Vers 5 heißt es:
„Ich gedenke an die früheren Zeiten: ich sinne nach über all deine Taten und spreche von den Werken deiner Hände.“
David spricht in seiner Rückbesinnung Gott an. Er erinnert sich daran, wie Gott auf sein Leben Einfluss genommen hat und er spricht darüber.
David spricht darüber. Ist das etwas Besonderes? Mir fällt dieser kleine Nebensatz auf.
Wie selten spreche ich darüber, wenn ich Gottes Einfluss auf mein Leben erfahren habe! Wo ich darüber nachdenke, kommt es mir fast peinlich vor, Gott öffentlich für seine Taten und das Werk seiner Hände in meinem Leben zu loben.
Nicht, dass mir das nicht sehr positiv auffällt. Natürlich habe ich Gott gedankt – in der Stille meines Gebets, im Gebet mit meiner Frau. Natürlich habe ich im Gottesdienst Gott für sein Wirken in der Gemeinde und in der Welt gedankt. Da gehört es ja auch hin. Aber in der Öffentlichkeit, in der Gott offensichtlich immer weniger eine Rolle spielt?
Da bin ich tatsächlich sehr zurückhaltend. Und damit bin ich ja auch nicht allein. Wann habe ich denn zuletzt mal ein Lob über Gottes Handeln im Alltag gehört?
Klage über sein Nicht-Handeln, ja, die ist ständig zu hören. Zumeist verbunden mit dem Versuch, aus dem vermeintlich erkannten Nichthandeln den Beweis für die Nichtexistenz Gottes zu führen.
Wenn es Gott wirklich gäbe, hätte er dieses oder jenes nicht zulassen dürfen, heißt es dann.
Hätte er nicht? Wer stellt denn hier die Regeln auf, nach denen Gott zu handeln hat? Wenn ich das einfach mal logisch hinterfrage, dann lässt sich aus dem Nichthandeln Gottes nur der Schluss ziehen, dass es mit der dahinterstehenden Gottesvorstellung nicht stimmt.
Gott lässt sich nicht reduzieren auf den Alles-gut-Macher, auf den Alles-Vergeber, auf einen Friede-Freude-Eierkuchen-Gott.
Vielleicht wird diese falsche Schlussfolgerung viel seltener gezogen, wenn mehr Menschen offen darüber sprechen, wie ihr Alltag mit Gott aussieht.
Schließlich habe ich ja Gottes Handeln in meinem Leben und in unserer Welt erlebt. Warum behalte ich das dann schüchtern für mich, als ob es die Menschen meiner Umgebung nichts angeht?
Schließlich geht es ja nicht um einen kleinen Privatgott, den ich nur für mich habe.
Jesus hat sein Leben für die Schuld aller Menschen am Kreuz hingegeben und hat Vergebung bewirkt. Darf ich dieses Wissen und die Erfahrung von Vergebung irgendwem vorenthalten?
Nein, ich will mutig einstimmen in die Worte Davids:
„Ich gedenke an die früheren Zeiten: ich sinne nach über all deine Taten und spreche von den Werken deiner Hände.“