07.08.2023 / Bibel heute
Die Berufung des Matthäus und das Mahl mit den Zöllnern
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Wirklich ein toller Umgang, den er pflegt! Der lässt sich doch mit dem größten Schurken ein! Ignorieren sollte man sie. Aber sieh mal an! Jetzt geht er sogar in ihr Haus und setzt sich mit ihnen zu Tisch.
Und das Volk läuft ihm auch noch hinterher, diesem Jesus! Wir sollten ihn einmal zur Rede stellen. Auf, wir wollen sehen, was er uns antwortet!“
Jesus sagt: "Nicht die Starken (Gesunden) brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Geht aber hin und lernt, was das heißt: Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten."
Nun, es wäre natürlich ziemlich unsinnig, Gerechte zur Umkehr zu rufen. Aber genau darin liegt die Ironie in der Antwort von Jesus, die zum Nachdenken anregt: Wer ist schon so gerecht, dass er keine Umkehr braucht?
Das müssen sich seine frommen Zeitgenossen fragen und mit ihnen auch wir. Deshalb:
1. Lassen wir uns hinterfragen?
Denn die Neigung zur Selbstgefälligkeit ist uns leider in die Wiege gelegt. Dabei wissen wir es, zumindest theoretisch, dass wir keine perfekten Leute sind.
Aber ziehen wir aus diesem Bewusstsein auch praktische Konsequenzen im Umgang mit anderen? Wie barmherzig sind wir im Blick auf die Verfehlungen anderer?
Barmherzigkeit sollte eines unserer Markenzeichen sein. Denn was nutzt schon alle Moralität, wenn uns im Blick auf andere die Barmherzigkeit fehlt? Deshalb erschüttert Jesus Christus auch uns in unserer Selbstherrlichkeit. Dabei müssten wir es doch wissen, dass wir alle aus dem gleichen Holz sind: Sünder.
Ob unsere Vergehen dabei offen zutage treten, wie bei den Zöllnern damals, oder ob wir sie fromm oder sonst wie kaschieren, das spielt bei Jesus Christus keine Rolle. Er durchschaut uns bis in die letzten Falten unseres Herzens.
Aber er will auch unser Arzt sein, der sich über uns erbarmt. Dafür hat Jesus sich selbst gegeben, sein Leben für uns, wegen unserer Selbstüberhebung Gott und unserem Nächsten gegenüber.
Und sein Erbarmen mit uns ermöglicht uns den Neuanfang. Er eröffnet uns die Chance zur Umkehr. Und damit das zweite:
2. Wollen wir umkehren?
Denn dazu ist Jesus Christus in die Welt gekommen, dass wir uns ihm zuwenden. Ihm sollen wir uns anvertrauen und nicht auf unsere eigene Rechtschaffenheit setzen. Denn wer auf seine eigene Gerechtigkeit vertraut, kann vor Gott nicht bestehen.
Unsere moralischen Glanzleistungen und unsere größten sittlichen Anstrengungen reichen niemals aus, um Gottes Anspruch gerecht zu werden. Da hilft uns nur, dass wir uns an Jesus Christus hängen.
Denn kein Mensch wird den vollkommenen Forderungen Gottes gerecht, sondern allein die Bindung an Jesus Christus und seine Gnade macht uns bei Gott recht.
So steht es auch im Römerbrief, Kapitel 3, Vers 23 und 24: „Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist."
Einzig durch den Glauben an Jesus Christus werden wir gerecht oder wir werden es überhaupt nicht. Natürlich will das kein Mensch wahrhaben, am wenigsten der humanistisch hochstehende und der religiöse Mensch. Darum versucht er immer wieder durch sittliche Leistungen zu beeindrucken, statt von sich selbst ganz abzusehen und sich allein Christus anzuvertrauen.
Deshalb ist es leichter, dass ein offensichtlicher Sünder zur Einsicht kommt und sich bekehrt als ein tugendhaft und fromm religiöser.
Jesus wusste das und das Beispiel des Zöllners Matthäus illustriert das. Dieser Mensch wusste sofort, dass Jesus seine letzte Rettung ist und dass er in sich selbst nichts vorzuweisen hat. Aber das ist bei uns nicht anders. Denn was wir im anderen scharf verurteilen, das findet sich doch auch in unseren Herzen meist wieder.
Das spiegelt uns Jesus Christus beispielsweise in der Bergpredigt wider. Denn dort können wir es nachlesen, wie es um uns steht. Etwa im Matthäusevangelium, Kapitel 5, Vers 22 und 28:
„Wer seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig und wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen."
Das bedeutet: Nach Gottes Maßstab haben wir alle schon gemordet und die Ehe gebrochen. Denn mit unserer Gesinnung fängt alles an. Mord beginnt mit der Ablehnung des anderen im eigenen Herzen, wie Ehebruch mit dem verkehrten Begehren.
Wenn wir uns das zu Gemüte führen, wird uns die eigene Selbstherrlichkeit vergehen. Und wir werden uns mit unserer eigenen Verkehrtheit Jesus Christus zuwenden.
Gerade dazu lädt er uns auch heute wieder im Evangelium ein, wenn wir uns erkennen. Denn es sind nur Sünder zu ihm eingeladen, dass sie zu ihm umkehren. Dann dürfte sich noch manches unter uns verändern.
Gefragt ist eine Atmosphäre der Barmherzigkeit und Solidarität mit allen, den Gottnahen und den Gottfernen. Das sehen wir an Jesus selbst. Damit:
3. Können wir solidarisch sein?
Sind wir zur Gemeinschaft mit Menschen fähig, die gesellschaftlich nicht hoch im Kurs stehen?
Wie begegne ich den Ausgegrenzten und denen, die ins Aus geraten sind und die gerade deshalb besonders Zuwendung brauchen?
Jesus Christus bricht mit den gesellschaftlichen Vorurteilen seiner Zeit und gibt Menschen am Rand der Gesellschaft eine Chance zum Neuanfang. So hat er aus dem verrufenen Zöllner den Evangelisten Matthäus gemacht.
Und er kann aus uns barmherzige Menschen machen, die etwas von seinem Wesen spürbar werden lassen.
Denn Jesus sagt: „Geht aber hin und lernt, was das ist: Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer."