02.08.2026 / Aufgeweckt
Der gute Start in den Tag
mit Miri Langenbach
Gebet
Herr Jesus Christus, unser Gott,
4.300 Sinti und Roma in den Gaskammern von Auschwitz. An einem Tag. Frauen, Kinder, alte Menschen. Du hast ihre Namen gekannt. Jeden einzelnen. Du hast sie geliebt. Ob sie dich zurückgeliebt haben, weiß ich nicht, ich hoffe es, aber: Du hast sie geliebt. Darum gehts. 500.000 hat der Porajmos – das Verschlingen – verschluckt. Ein Völkermord. Noch einer. Herr, lass uns nicht vergessen!
Dann ist da noch diese Woche, Herr Jesus. Letzten Samstag in Berlin. Hunderttausende feiern – und ein junger Mann fährt mit einem Transporter in die Menge. Eine Frau aus Warschau ist tot.
Sie war mit ihrer Tochter zum CSD gefahren. Einfach so. Um dabei zu sein. Und der junge Mann ist auch tot. So viel Hass - Du liebst.
Herr Jesus, ich verstehe das nicht. Wie kann ein Mensch
so hasserfüllt sein, dass er Leben auslöscht, die ihm nicht passen? Wie kann Missgunst so weit wachsen, dass Menschen Menschen ihr Sein nicht gönnen? Ich muss ja nicht alles gut finden, aber ich will doch auch nie vergessen, dass du für alle gestorben bist! Also, alle alle!
Und ich bringe dir diesen Hass, weil du der Einzige bist, der damit umgehen kann, der keine Seele aufgibt
Wir erschrecken, Herr, weil wir in diesen Tagen spüren: Das Denken in Wert und Unwert ist wieder da. Laut. Selbstbewusst. Salonfähig. Gewählt. Sinti und Roma werden noch immer diskriminiert. Queere Menschen werden bedroht. Jüdinnen und Juden werden angegriffen. Ausländer sollen am besten alle raus.
Bewahre uns davor, dass wir uns daran gewöhnen. Dass wir die Worte nicht mehr hören, weil sie so oft fallen. Dass sie Mehrheiten finden.
Jesus, danke – du liebst alle Menschen. Auch die, die im Hass gefangen sind. Auch die, die Ideologien folgen, die Leben zerstören. Nicht ihre Taten. Aber ihre Seelen. So ist es deine Art. Danke!
Und vielleicht ist es genau diese Liebe, die wir am nötigsten brauchen.
Als Kraft, die standhält. Gib uns eine Sehnsucht nach einer Welt, in der niemand Angst haben muss, wer er ist. Woher er kommt. Wie er lebt. Gib uns Mut, hinzuschauen. Gib uns Worte, die benennen. Gib uns Herzen, die nicht abstumpfen. Und lass uns füreinander einstehen – so wie du für uns eingestanden bist.
Amen.