25.05.2026 / Wort zum Tag

Der Geist kommt. Und plötzlich verstehen die Leute einander!

Es wohnten in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.

Apostelgeschichte 2,5.7.11

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Wir verstehen einander nicht. Manchmal nicht mal uns selber. Dem österreichisch-amerikanischen Psychologen Paul Watzlawick schreiben viele den Satz zu: „Das Missverständnis ist der Normalfall der Kommunikation.“ Was an der Sprache liegt. Oder an der Kultur. Oder an unseren Persönlichkeiten - oder an allem zusammen.

Und was hat das mit Pfingsten zu tun? Passen Sie auf. Ganz viel. Pfingsten nämlich heißt:

Der Geist kommt. Und plötzlich verstehen die Leute einander!
Der Geist nämlich löst die Zunge und macht sprachfähig.
Er öffnet die Ohren und macht hörfähig.

Und er schenkt gegenseitiges Verstehen und Verständnis.

Die Pfingstgeschichte ist so der Gegenentwurf zu einer anderen großen Geschichte der Bibel, dem Turmbau zu Babel. Die steht im 1. Buch Mose, dem Buch Genesis, in Kapitel 11.

Eine Sprache hatten die Menschen damals. Weil sie zum selben Volk gehörten, den Überlebenden der Sintflut. Alle waren sozusagen von Gott aus dem Wasser gezogen worden und lebten nun unter seinem Regenbogen, unter seiner Gnade.

Gott war die Mitte ihres Lebenskreises. Alles und alle waren auf ihn bezogen.

Bis – ja, bis sie wie Adam und Eva wieder selber Gott sein wollten und damit jeder der Mittelpunkt eines eigenen Lebenskreises. Die Folge: Niemand verstand mehr den anderen.

Wer wie Gott sein will, verliert die Beziehung zu Gott. Und er verliert die Beziehung zu den anderen. Weil er will, dass künftig alles auf ihn bezogen ist.

Ein Volk gab es bis dahin. Mit einem Gott. Und mit einer Sprache. Danach gab es ungezählte Möchtegern-Götter. Und viele Sprachen. Und die Menschen fingen an, aneinander vorbeizureden …

Doch dann kommt Pfingsten!

Pfingsten dreht Gott den Spieß um. Er schickt seinen Geist.

Zu wem? Zu denen, die Buße tun. Sich taufen lassen. Sich die Sünden vergeben lassen. Zu denen, die wissen, dass sie vor Gott nicht bestehen können. Die bereit sind umzudenken und umzukehren. Die ihn wieder die Mitte ihres Denkens und Handelns sein lassen möchten. Der Geist öffnet ihnen alle Sinne für die Wirklichkeit Gottes. Ihn erkennen sie. Ihm nehmen sie neu in sich auf. Ihm widmen sie neu ihr Leben.

Und er öffnet ihre Sinne für die Menschen links und rechts neben sich?

Münder und Ohren tun sich neu auf und alle hören und verstehen alle. Später heißt es sogar über die erste Gemeinde, die entsteht: Sie sind ein Herz und eine Seele. Das hat aber leider nicht allzu lange angehalten. Vielleicht, weil sie diesem Geist nicht mehr so richtig Raum gegeben haben.

Aber Gott hat nicht aufgegeben seitdem. Jeder Tag kann Pfingsten sein. In unseren Gemeinden. In unseren kleinen und großen Gemeinschaften. In unserem Land. In der Welt. Und solch ein Pfingsten haben wir heute bitter nötig, oder?

Also: Bitten wir ihn rein, lassen wir ihn rein, den Geist. Heute und jeden Tag neu.

Autor/-in: Jürgen Werth