24.10.2024 / Bibel heute

Der Dienst des Paulus für die Verkündigung Christi

Als ich aber nach Troas kam, zu predigen das Evangelium Christi, und mir eine Tür aufgetan war in dem Herrn, da hatte ich keine Ruhe in meinem Geist, weil ich Titus, meinen Bruder, nicht fand; sondern ich nahm Abschied von ihnen und fuhr nach Makedonien. Gott aber sei gedankt, der uns allezeit im Triumph mitführt in Christus und offenbart den Geruch seiner Erkenntnis durch uns an allen Orten![...]

2. Korinther 2,12–17

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Mussten Sie schon einmal kurzfristig Reisepläne ändern? Vielleicht vor einigen Jahren wegen Reise- oder Kontaktbeschränkungen? Der Apostel Paulus schreibt hier in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth von einem anderen Grund, seine Pläne zu ändern. Er wollte seinen Mitarbeiter Titus in der Stadt Troas treffen – er fand ihn aber nicht. Deshalb reiste Paulus weiter, obwohl er in Troas gute Gelegenheiten gefunden hatte, das Evangelium von Jesus weiterzugeben. Das war ja das Hauptanliegen von Paulus, möglichst viele Menschen für Jesus zu gewinnen. Paulus ließ diese aussichtsreichen Möglichkeiten nun aber absichtlich ungenutzt. Er sehnte sich nach Gemeinschaft mit seinem Mitarbeiter Titus. Vor allem wollte Paulus von ihm unbedingt Nachrichten von der Gemeinde in Korinth erhalten! Deshalb reiste Paulus seinem Mitarbeiter entgegen.

Triumphzug

Mehr schreibt Paulus an dieser Stelle nicht von seinen geänderten Reiseplänen. Er ist Gott dankbar dafür, dass er die Botschaft von Jesus weitersagen kann. Paulus vergleicht das mit einem Triumphzug, in dem Gott ihn mitführt. Einen Triumphzug kennen wir heute vielleicht von Sportlern. Teilnehmer eines Wettkampfs oder Turniers werden bei der Rückkehr in ihr Heimatland feierlich empfangen. Oder in etwas kleinerem Maßstab die Ehrenrunde eines siegreichen Läufers im Stadion. Auch nach einem Fußballspiel präsentiert sich die erfolgreiche Mannschaft in der Fankurve und bringt ihre Anhänger noch einmal zum Jubeln.

Zur Zeit des Paulus stellten Herrscher sich und ihre siegreichen Truppen nach einem Feldzug gerne zur Schau. Dabei führten sie auch Gefangene mit sich, um allen zu zeigen, mit welch starken und furchterregenden Gegnern sie fertig geworden waren.

In welcher Rolle sich Paulus wohl sieht? Vielleicht sogar als Gefangener, der von Jesus Christus besiegt wurde. Er schreibt an anderen Stellen offen davon, dass er Christen verfolgte – und dass er vom auferstandenen Herrn Jesus Christus überwunden wurde. Paulus verkündigte nun die Botschaft, die er vorher bekämpfte. Und damit reiht er sich als Mitstreiter auf der Seite des Siegers in dessen Triumphzug ein.

Auch jeder von Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, kann sich auf die Seite des Siegers stellen. Das ist in den Nöten des Alltags oft sehr entspannend, wenn ich mir klar mache: ich bin auf der Seite des Siegers. Mein Herr Jesus hat alles Böse besiegt.

Wohlgeruch

Paulus beschreibt die Verkündigung des Evangeliums noch in einem anderen Bild: ein Wohlgeruch. Für die Menschen damals spielten Düfte eine große Rolle, zum Beispiel bei Gastmählern. Der Gastgeber salbte seine Gäste zu Beginn mit wohlriechenden Ölen. Das Gastmahl war dann tatsächlich ein Fest für alle Sinne.

Wir kennen den Duft von Blüten. Er kann sehr anziehend sein, wie der Duft von Lilien oder Rosen. Andere Pflanzen locken ganz bestimmte Insekten zur Bestäubung an und riechen für uns streng – diesen Düften gehen wir lieber aus dem Weg.

Paulus schreibt hier von beidem: einem Wohlgeruch zum Leben und einem negativen Duft zum Tod. Was will er uns damit sagen? Die Verkündigung des Evangeliums führt Menschen nicht nur zum Glauben. Sie bewirkt auch Widerspruch – Menschen wenden sich von Gott ab. Und dabei geht es nicht lediglich um persönliche Meinungen. Das ewige Leben steht auf dem Spiel!

Schon im Alten Testament lesen wir oft davon, wie Gott um sein Volk wirbt. Der Prophet Hesekiel wendet sich an das Volk Israel mit dem dringenden Aufruf, Gottes Gebote ernst zu nehmen. So sind seine Worte überliefert (Hes. 18, 31+32, Übersetzung Hoffnung für alle): „Werft alles Böse von euch ab! Ändert euch von Grund auf, ja, erneuert euer Herz und euren Geist! Warum wollt ihr sterben, ihr Israeliten? Mir macht es doch keine Freude, wenn ein Gottloser sterben muss. Darauf gebe ich, Gott, der HERR, mein Wort. Kehrt um von euren falschen Wegen, dann werdet ihr leben!“ Soweit dieser eindringliche Aufruf.

Können wir unser Herz erneuern? Wohl kaum. Aber Jesus kann uns ein neues Herz und einen neuen Geist schenken! Das ist die Botschaft, die Paulus damals verkündigte. Diese Botschaft ist auch heute noch genauso aktuell. Für jeden und jede Einzelne von Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer. Es geht tatsächlich um Leben und Tod! Wer seinen Widerstand gegen Jesus aufgibt, bekommt von ihm ein neues Herz und damit das ewige Leben.

Motivation für die Mitarbeit in der Gemeinde

Zuletzt grenzt Paulus sich ab von Menschen, von denen er schreibt, dass sie mit Gottes Wort Geschäfte machen. Dabei geht es sicher nicht darum, dass hauptamtliche Verkündigerinnen und Verkündiger bezahlt werden. Solche Menschen haben viel Zeit investiert, um Gottes Wort in jeder Situation passend weitergeben zu können. Nun haben sie auch Anspruch auf einen angemessenen Lohn. So schreibt Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth (1. Kor. 9, 14, Hfa): „Ebenso hat der Herr angeordnet:  Wer die rettende Botschaft verkündet, soll von diesem Dienst auch leben können.“ Dabei bezieht er sich auf ein Wort von Jesus, das im Lukasevangelium überliefert ist (Lukas 10, 7): „Denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert.“

Was meint Paulus dann im letzten Vers dieses Abschnitts damit, dass manche ‚mit Gottes Wort Geschäfte machen‘? Ich denke, da geht es nicht unbedingt um Materielles. Möglicherweise sind manche übertrieben auf Ehre und Anerkennung aus. Und das gilt auch für ehrenamtlich Aktive. Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch: Es ist gut und wichtig, dass Menschen sich unentgeltlich in ihrer Gemeinde einbringen. Ohne dieses Engagement würde keine Gemeindearbeit funktionieren. Aber warum gibt es denn Aufgaben in christlichen Gemeinden, die niemand übernehmen will? Vielleicht, weil manches nicht wahrgenommen wird. Begrüßung oder Moderation im Gottesdienst sind da schon wesentlich attraktiver. Damit möchte ich jetzt niemandem falsche Beweggründe unterstellen. Aber das Motiv für die Mitarbeit ist nicht ganz unwichtig.

Paulus sagt hier von sich, dass er seinen Dienst in aller Aufrichtigkeit tut und in Gottes Auftrag. Er ist eng mit Christus verbunden und weiß sich vor Gott verantwortlich. Paulus präsentiert sich damit bewusst als Vorbild – für die Gemeinde in Korinth und auch für uns heute. Ein aufrichtiger Dienst, der in Verbundenheit mit Christus getan wird – das ist vor Gott und Menschen angenehm. Wie ein duftender Rosenstrauß.

Autor/-in: Arthur Wunderlich