04.01.2024 / Bibel heute
Der Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa und die Berufung der ersten Jünger
Nachdem aber Johannes überantwortet war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! Als er aber am Galiläischen Meer entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, wie sie ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer.[...]
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Jesus sammelt Anhänger
„Johannes wurde überantwortet“ - er, der gerade noch Jesus im Jordan getauft hat, landet im Gefängnis, weil er ein paar unbequeme Worte zu König Herodes gesagt hatte. Jesus predigt in Galiläa, spricht davon, Buße zu tun und an das Evangelium zu glauben. Auch das sind unbequeme Worte. Warum sollte ich Buße tun? Ich bin doch niemandem Rechenschaft schuldig! Ich entscheide selbst, an wen oder was ich glaube!
Jesus sammelt seine Anhänger. Er holt sie weg aus ihren beruflichen Tätigkeiten – und sofort verlassen sie ihren Arbeitsplatz. Verlangt Jesus etwa Gehorsam auf der Stelle? Es scheint so, denn als er die nächsten Fischer bei der Arbeit sieht, ruft er auch die, „sogleich“, sofort. Und damit nicht genug: Die beiden lassen nicht nur ihre Arbeit liegen, sondern lassen auch ihren Vater zurück!
Ist Nachfolge, also ein Leben mit Jesus, so bedingungslos? So krass? Stehen solche Aufforderungen samt ihren Reaktionen darauf nicht im Widerspruch zu allem, was ich unter einem verantwortungsvollen Umgang miteinander verstehe? Nein, diese Worte gehen nicht runter wie Öl. Sie fordern heraus. Ich reibe mich an ihnen.
Also – Bibel zuklappen. Dieser Text ist nichts für mich.
Ein zweiter Blick
Nein, ich wage noch einen zweiten Blick auf diese Worte. Bevor Jesus auffordert, Buße zu tun und an das Evangelium zu glauben, sagt er: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.“ „Die Zeit ist erfüllt“ – dieser Begriff beschreibt einen besonderen, von Gott geschenkten Moment, den Kairos. In ihm geschieht etwas einmaliges. In diesem Fall ist das der Beginn des Reiches Gottes. Ebenso finde ich diesen Begriff in der Bibel im Brief an die Galater. Dort schreibt Paulus: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, Jesus.“ Durch seine Geburt und sein Wirken wird das Reich Gottes sichtbar. Durch Jesus ist es jetzt ganz nah bei den Menschen, zum Anfassen. Jesus erzählt von Gott, seinem Vater. Jesus sucht die Menschen dort auf, wo sie sind. Jesus sieht, heilt, liebt. Auf diesem Hintergrund könnte „Buße tun“ heißen: „Halt einmal inne auf deinem Lebensweg. Mach einen Stopp. Hat dein Leben ein tragfähiges Fundament? Ist dein Denken, Tun und Lassen auf bleibende, den Tod überdauernde Werte ausgerichtet? Vielleicht solltest du umkehren und deinen Blick, dein Denken und Tun auf diesen liebenden Gott ausrichten, der in Jesus auch dir nahe ist?
Herr über Himmel und Erde
Nun sind die gegenwärtigen weltweiten Krisen nicht gerade dazu angetan, an die Nähe des Reiches Gottes zu denken. Vielmehr scheinen andere Mächte und Reiche die Oberhand zu gewinnen. Dies Geschehen, das wir besorgt mitverfolgen, das allzu oft Menschen in unserer Gesellschaft spaltet - könnte es mich auffordern, innezuhalten, umzukehren? Mein Denken und Handeln auszurichten auf Jesus und mich an seinen guten Weisungen zu orientieren? Jesus ist nicht mehr sichtbar unter uns, aber nicht nur ich habe das, was er getan und gesagt hat, schriftlich: „Gott hat mir alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde. Darum lehrt die Menschen, alles zu tun, was ich euch geboten habe. Und seht doch: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis an das Ende der Welt.“ So steht es am Ende des Matthäus-Evangeliums.
Im Markusevangelium wird deutlich, dass das Reich Gottes nicht irgendetwas Außerweltliches ist, sondern dass Jesus dafür Menschen beruft und einlädt, mitzuarbeiten. In der Basisbibel hört sich diese Einladung so an: „Jesus kam zum See Gennesaret und ging am Ufer entlang. Dort sah er Simon und seinen Bruder Andreas. Sie warfen ihre Netze aus, denn sie waren Fischer … Ein kleines Stück weiter sah er Jakobus, den Sohn von Zebedäus, und seinen Bruder Johannes in ihrem Boot Sie flickten gerade ihre Netze.“
Jesus geht zu den Menschen, in ihren Alltag, in ihr familiäres und berufliches Umfeld. Er sieht, wie sie leben, was sie tun. Er sieht ihre Freuden, ihre Nöte, ihre Sorgen. Wenn Jesus sieht, dann ist das kein oberflächliches Sehen, sondern ein Sehen mit dem Herzen, ein Wahrnehmen, ein Erkennen, ein An-Sehen. Auf diesem Hintergrund ruft Jesus Menschen, lädt sie ein, mit ihm zu gehen, ihm zu vertrauen und andere zu diesem Vertrauen einzuladen. „Ich will euch zu Menschenfischern machen“, so ist das in Vers 17 ausgedrückt. Das hat nichts mit „Menschen fangen“ zu tun, sondern Jesus spricht einfach in der Sprache, die die vier Männer verstehen. Sie sind Fischer von Beruf, und so, wie sie diesen mit Leidenschaft ausgeübt haben, werden sie später mit Leidenschaft von Jesus sprechen. Trotzdem überrascht ihre spontane Antwort auf die Aufforderung Jesu. Ich lese Verse 18 und 20 aus der Basisbibel: „Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm … Er rief sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Gehilfen im Boot zurück und folgten ihm.“
Ich denke, es geht hier nicht darum, einer Arbeit oder einer Verantwortung einfach zu entfliehen, um einer spontanen Idee zu folgen. Auch nicht darum, nächste Angehörige einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Das wäre in der Tat verantwortungslos. Vielmehr geht es darum, dass die vier, die hier von Jesus angesprochen wurden, bereit waren, sich auf eine weitreichende Lebensveränderung einzulassen. Sie waren bereit, auf Sicherheiten zu verzichten. Auf die Sicherheit eines festen Einkommens, auf den Schutz und die Geborgenheit der Familie.
Sinnvolle Lebensveränderung
Wer so ein krasses Risiko eingeht, muss schon eine tiefe, innere Überzeugung haben, dass sich die Abkehr von diesen Sicherheiten lohnt, und dass es etwas gibt, das solch einer weitreichenden Lebensveränderung Sinn verleiht.
Für die Fischer in unserer Geschichte lag dieser Sinn in der Person Jesus begründet. Vielleicht hatten sie vorher schon von ihm gehört, vielleicht seine Taufe im Jordan miterlebt. Auf jeden Fall aber haben sie gespürt: Dieser Jesus strahlt viel Wärme und Sicherheit aus. Heil und Frieden, Liebe und Wahrheit liegen in seinen Worten. Er spricht von Gott, seinem Vater, von einer neuen Zeit, die jetzt mit ihm begonnen hat. Für ihn lassen wir zurück, was uns bis dahin groß und wichtig erschien.
Weitreichende Lebensveränderung – das sieht bei Ihnen und bei mir vermutlich anders aus als damals bei den vier Fischern, vor über 2000 Jahren. Und doch: Jesus ist auch heute noch präsent. Er ist da, kommt hinein, spricht hinein in Ihren und meinen Alltag, in Ihr berufliches, in Ihr familiäres Umfeld. Jesu Einladung lautet: „Komm, wende dich zu mir, vertrau mir. Du bist angesehen und geliebt von mir. Und lade Menschen in deinem Umfeld auch zu diesem Weg ein.“