20.10.2026 / Wort zum Tag
Dem unbekannten Gott
Paulus sprach: Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.
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Gestern erzählt mir jemand, er sei besonders ordentlich, weil sein Sternzeichen Zwilling sei. Die Schwester einer meiner Bekannten hängt einer indischen Religion an, die in allen Lebewesen Götter sieht; daher wäscht sie sich niemals, weil sie die göttlichen Bakterien auf ihrer Haut nicht töten möchte. Es gibt Menschen, die glauben an das Fliegende Spaghettimonster, das 2005 als Parodie gegen den christlichen Glauben erfunden wird, heute aber tatsächlich weltweit Glaubensanhänger namens „Pastafari“ hat.
Man kann über manche Glaubensüberzeugungen schmunzeln oder den Kopf schütteln. Aber eigentlich ist das überheblich und wird diesen Menschen nicht gerecht. Denn auch manches am christlichen Glauben mag von außen befremdlich sein, und dennoch möchte ich als Christin ernst genommen und nicht ausgelacht werden.
Daher ist es respektvoller, sich wie der Apostel Paulus zu verhalten, der in einer Rede in Athen laut Apostelgeschichte 17,23 zu den Anhängern der römischen und griechischen Götter sagt: „Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. […]“
Ist das nicht ein schöner Eröffnungssatz für ein Gespräch mit Menschen anderer Weltanschauungen? Er zeigt eine grundsätzlich interessierte, positive, tolerante Haltung, die keine Berührungsängste mit fremden Göttern hat. Bevor Paulus sich mit den Menschen unterhält, versucht er, ihren Glauben kennenzulernen und zu verstehen. Anstatt sie zu verurteilen und zu sagen: „Ihr glaubt etwas Falsches!“, knüpft er an ihre Überzeugungen an. Er nimmt die Menschen und ihren Glauben ernst.
Und er versucht, ihre Sehnsüchte und Motivation hinter ihrem Glauben zu verstehen. Bei den Athenern ist die Götterverehrung geprägt von dem Wunsch, keinen Gott zu vergessen und dadurch zu erzürnen, was womöglich eine göttliche Strafe zur Folge hat. Also stellen sie sicherheitshalber neben den ganzen Altären für die bekannten Götter noch einen für den „unbekannten Gott“ auf, wer auch immer das sein mag.
Paulus knüpft an diesen „unbekannten Gott“ an und sagt:
„Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.“ (V. 23b)
Damit hat Paulus die Neugier seiner Zuhörer geweckt, so dass sie ihm offen lauschen.
Wo könnte ich umhergehen und versuchen, den Glauben meiner Mitmenschen besser zu verstehen? Wie kann ich die Menschen so ansprechen, dass sie sich in ihrem Glauben gesehen fühlen? Welche Anknüpfungspunkte finde ich in ihrem Glauben, den ich so aufgreifen kann, dass sie neugierig werden gegenüber meinem Glauben?
Jetzt, wo die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer geweckt ist, kann Paulus auf spannende Weise erklären, wer der Schöpfer des Himmels und der Erde ist, an den er glaubt. Das ist kein rhetorischer Kniff, sondern er ist einerseits wirklich respektvoll gegenüber den Göttern seiner Zuhörer, gleichzeitig hat er andererseits den tiefen Wunsch, ihnen die befreiende Botschaft des Evangeliums zu bringen. Er erzählt ihnen schließlich von Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist, so dass die Menschen keine Angst mehr vor Strafe oder Tod haben brauchen.
Und nun scheiden sich die Geister seiner Zuhörer. Die einen lachen ihn aus – Totenauferstehung, wie verrückt ist das denn?! Andere gehen nachdenklich davon. Und wieder andere sagen: „Erzähle uns mehr darüber!“
Auch damit muss ich rechnen, wenn ich anderen von Jesus erzähle: manche sind interessiert, andere halten mich oder die Frohe Botschaft für seltsam.
Und wozu das Ganze? Wozu überhaupt sich die Mühe machen, andere Weltanschauungen zu verstehen und von Jesus Christus erzählen? Nun, wenn es stimmt, dass der allmächtige Schöpfer uns Menschen so sehr liebt, dass er uns seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde sendet, dann ist das eine Botschaft, die wirklich lebensverändernd sein kann. Und wenn es wahr ist, dass Jesus Christus lebt, dann muss ich tatsächlich keine Angst vor Tod und dem Dunklen im Leben mehr haben. Diese Botschaft ist wirklich frohmachend – und sie soll unter’s Volk. Auf respektvolle Weise, wie bei Paulus. Machen Sie mit?