20.01.2024 / Bibel heute
Das Geheimnis des Glaubens
Dies schreibe ich dir und hoffe, bald zu dir zu kommen; wenn ich aber erst später komme, sollst du wissen, wie man sich verhalten soll im Hause Gottes, welches ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit. Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er* ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.
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Paulus schrieb diesen Brief an Timotheus, wahrscheinlich auf einer Rundreise, ca. Mitte der 60er Jahre nach Christi Geburt. Paulus setzte den jungen Timotheus in Ephesus ein, mit dem Auftrag, gegen die dort eingedrungenen Irrlehren vorzugehen. Timotheus‘ Autorität wird durch den Erhalt des Briefes von Paulus in dieser Gemeinde gestärkt. Diese Botschaft vertraue ich dir an, dieses Vertrauen setze ich in dich, das signalisiert ihm Paulus.
Für mich ist es unfassbar zu begreifen, dass dieser Originalbrief in der jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem aufbewahrt wird. Was für ein großer Segen, was für ein Schatz.
Dieser erste Brief von Paulus an Timotheus ist gespickt mit Verhaltensregeln, wortwörtlich: „Du sollst doch wissen, wie man sich im Haus Gottes verhalten muss ….“
Mich berührt der Satz in der Überschrift sehr:
„Das Geheimnis des Glaubens“.
Was ist ein Geheimnis? Es gibt Amtsgeheimnisse, Betriebsgeheimnisse, Rezeptgeheimnisse, das Postgeheimnis … Es gibt gute Geheimnisse, und es gibt schlechte Geheimnisse. Über die guten Geheimnisse sprechen wir nicht. Doch über die schlechten Geheimnisse sollten wir sprechen und unseren Kindern zuhören. Wenn zum Beispiel Missbrauch im Spiel ist, wenn dem kleinen Kind vom geliebten Onkel gesagt wird: „Wenn du das zu Hause erzählst, komme ich ins Gefängnis, und deinen Eltern passiert dann was ganz Schlimmes.“
Paulus‘ Brief ist so aktuell, wenn ich vor dem 3. Kapitel lese, wie ein Bischof, wie ein Diakon sein soll. Wie gut, dass so viele Erwachsene ihr Schweigen brechen, und all die schlechten Geheimnisse offenbaren, die sie seit Jahrzehnten quälen. Dass alles aufgedeckt wird, was nicht gut ist. Dass alles an den Tag kommt.
Glaube ist eben kein Wegwerfprodukt. Glaube ist kein Nehmen und Geben. Glaube ist nicht verhandelbar. Glaube kann ich nicht unterrichten. Glaube wird mir geschenkt. Glaube erfahre ich, und jeder und jede von uns auf eine andere Art. Jeder von uns ist anders groß geworden, jeder von uns hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Jeder von uns hat seine eigene traurige Geschichte. Es gibt so viele Wege, mit Gott in Kontakt zu treten, und es ist im Leben nie zu spät, ihn zu erfahren und mit ihm weiterzugehen. Glaube ohne Werke ist nutzlos, Theorie ohne Praxis leblos. Wer nur sonntags glaubt, verkümmert im Alltag des Lebens. Glauben ist also mehr, als nur theoretisch davon überzeugt zu sein, dass Jesus Christus für uns gestorben und auferstanden ist.
Glaube kann ich vorleben. Wie mir eine Frau erzählt, die 50 Stufen von der Tiefgarage bis zu ihrer Eingangstüre hat. Sie sagt: „Jedes Mal, wenn ich diese Stufen hoch gehe, sage ich mir, jede Stufe bringt mich näher an mein Reich. Meine Wohnung ist mein Reich – und ich freue mich so, mein Reich zu betreten. Und hier lebe ich mit Gott in meinem Herzen. Hier kann ich beten, singen, danken und klagen.“
Ja, das Reich Gottes ist schon unter uns, ich muss es nur erkennen. Der Glaube ist ein immenser Schatz. Den inneren Frieden und die Sicherheit erleben, weil ich bei Jesus zuhause bin. Gott und die Engel sind bei mir, jeden Tag, immer wieder neu. Das zu wissen, bringt Stärke und Zuversicht. Deshalb freue ich mich, wenn Herr Zamperoni, als Nachrichtensprecher, die Tagesschau mit diesem Satz beendet:
„Bleiben Sie zuversichtlich“.
Auch wenn jemand glücklich allein zu Hause lebt, so braucht er doch die Gemeinschaft, die Gemeinde. Denn niemand kann sich den Segen allein bewahren. Wir sind auch gesegnet, wenn wir teilen, was Jesus uns an Zuversicht geschenkt hat. Teilen wir die Freude, so wird doppelte Freude daraus – und das Leid teilen, wenn mir jemand zuhört, das halbiert das Leid.
Gottes lebendige Worte sind ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit. Da kommen mir die Worte aus dem 36. Psalm in den Sinn: „Herr, deine Güte reicht so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“
Und alles wird an den Tag kommen, was nicht stimmig ist. Wir leben im Moment in einer Zeit, wo vieles aufgedeckt wird, was nicht richtig war, einfach gedankenlos zugedeckt wurde. Zum Beispiel Machtmissbrauch von den Klerikern, Professoren, Lehrern. Es geht quer durch die ganze Gesellschaft.
Es ist aber das Geheimnis des Glaubens, das wir verehren. Er ist offenbart im Fleisch; gerechtfertigt im Geist; erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in der Herrlichkeit: Jesus Christus.
Ich vergleiche diese Sätze mit Kohle. Ein Kohlenstück ist schnell verglüht, doch durch viele Kohlenstücke – sie liegen eng und übereinander im Ofen zusammen – dadurch entsteht eine Glut, und ich kann damit immer wieder ein neues Feuer entfachen. Wärmen wir uns am lebendigen Feuer, und sagen danke dafür.