29.10.2026 / Wort zum Tag

Christ werden und bleiben

Jesus sprach zu Simon und Andreas: Kommt, folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!

Markus 1,17

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„Wie wird man Christ? Wie bleibt man Christ“. Diese beiden Fragen hat der frühere Berliner Bischof Martin Kruse einmal in seinem Bericht vor der EKD Synode angesprochen. Sie sind weiter hochaktuell, weil viel Unsicherheit besteht: Wie wird man Christ? Wie bleibt man Christ? Auch in diesem Fall ist es hilfreich, in die Bibel zu schauen. Wie war das damals? Wie kamen Menschen zu Jesus und wurden seine Gefolgsleute? Gefolgsleute hört sich etwas altertümlich an, trifft die Sache aber besser als „Nachfolger“. Ein Nachfolger ersetzt einen Vorgänger. Darum geht es nicht, sondern um Menschen, die Jesus folgen, sich von ihm inspirieren lassen, dranbleiben. Schauen wir uns zwei von den ersten an, die wir bei Jesus finden.  Die erste Beobachtung: nicht sie sprechen Jesus an. Sie werden von Jesus angesprochen. Im O-Ton heißt es im Markusevangelium: „Jesus sprach zu Simon und Andreas: Kommt, folgt mir nach: ich will euch zu Menschenfischern machen.“

In anderen Berichten wird das voran gegangene Geschehen ausführlicher beschrieben, nämlich dass Jesus sie am See Genezareth anspricht und um ihre Hilfe bittet, als viele ihn, Jesus, open-air am Ufer hören wollen. Das Gedränge veranlasst Jesus, einen der Fischer, die gerade in ihren Booten mit den Netzen beschäftigt sind, an Bord zu lassen. Nach der Ansprache Jesu schickt er die in dieser Nacht erfolglosen Fischer noch einmal auf den See. Das Warten hat sich gelohnt. Das Netz ist voll, und plötzlich begreifen sie, mit wem sie es zu tun haben können. Ihre Reaktion: Jesus ins Fischereigeschäft aufzunehmen? Sich bei ihm zu bewerben?

Im Gegenteil: das, was Jesus da tut, ist nicht ihr Job. Das können sie nicht. Aber bevor sie Jesus höflich bitten, das Boot zu verlassen, spricht Jesus Simon, der später unter dem Namen Petrus besser bekannt ist, und seinen Bruder Andreas persönlich an: „Kommt mit!“ Eine Berufung aus heiterem Himmel?

Schauen wir noch einmal hin: Jesus bittet die beiden um Mithilfe. Sie hören – nicht ganz – freiwillig seine ganze Rede. Er tut ihnen Gutes. Er ruft sie zu etwas völlig Neuem und benutzt ihre Sprache, damit sie sein Anliegen verstehen.

Wie wird man Christ? Lange bevor sich diese Frage stellt, hat Jesus schon den Kontakt gesucht. Das geschieht auf ganz unterschiedlichen Wegen und Weisen – bis heute. Es geht nicht darum, eine neue Meinung oder Einsicht zu haben. Es geht um eine Antwort auf die Frage, die damals am See Genezareth gestellt wird und die bis heute vor uns steht: kommen Sie mit?

Jesus folgen, heißt, sich an ihm orientieren, begreifen das Reden und Handeln zusammengehören, dass seine Geschichte, die ihn ans Kreuz führt, damit nicht endet, sondern dass er als der von den Toten Auferstandene die Einladung „Komm mit“ bis heute ausspricht. Was machen Sie damit? Die Einladung Jesu zu kennen, in der Tasche, vielleicht sogar als Lohnsteuermerkmal auf dem Gehaltszettel, zu haben, ist das eine. 

Die Einladung annehmen – so wird man Christ! Und dann mit Jesus den Alltag gestalten, so bleibt man Christ. Und das bedeutet: das tut mir selbst gut und ist für andere eine Wohltat, denn hier leben Glaube, Hoffnung und Liebe – und die Liebe ist das Größte!

Autor/-in: Hans-Georg Filker