29.07.2026 / Bibel heute

Bekenntnis des Petrus

Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Nehmt ihr daran Anstoß? Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war?[...]

Johannes 6,60–71

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Begeisterung und Enttäuschung: Die Menge und das Wunder

Viele Menschen kamen, als sie hörten, dass Jesus in der Gegend war. Das war doch der Wundertäter, der Menschen heilen konnte. Welche Zeichen würden sie erleben? Sie sammelten sich um ihn und hingen an seinen Lippen, bis es Abend wurde. Und dann vollbrachte er etwas Unvorstellbares. Mit fünf Broten und zwei Fischen machte er 5000 Menschen satt. Volle Bäuche für alle! Was konnte so einer wohl noch tun! „Make Israel great again?“ Keine Zölle mehr an Unterdrücker! In die eigene Tasche wirtschaften! So einer musste König werden, dann würde es dem Land wieder gut gehen. Jubel! 

Aber Jesus war nicht bereit, die Hoffnungen der Menschen zu erfüllen. Am nächsten Morgen versuchte er noch einmal, ihnen zu zeigen, wie kurzsichtig ihre Erwartungen waren. Ging es wirklich nur darum, volle Bäuche zu haben? Mehr Geld im Portemonnaie? Das alles ist doch vergänglich. Es ist viel wichtiger, dass die Seele nicht verhungert. Es ist entscheidender, nach dem zu trachten, was zum ewigen Leben dient. Und Jesus nennt sich selbst das Brot des Lebens, von dem sie essen sollten. Nach ihm sollte sich ihr Verlangen richten, weil er allein in der Lage ist, wahres Leben zu geben. 
 

Anstoß und Abfall: Zu viel verlangt?

Enttäuschung! Nein, so hatten sich die Menschen das nicht gedacht. Wie konnte er so etwas sagen? Selbst Jünger, die ihn schon öfter erlebt hatten, nahmen Anstoß an dem, was er sagte. Gewiss, seine Zeichen und Wunder waren faszinierend und seine Reden erweckten Sehnsüchte. Er hatte ein Herz für das Volk und half ihnen. Da ließ man sich gerne auch einmal mitreißen und folgte ihm nach. Aber was er hier sagte, war ganz schön harter Tobak. Hier ging es um Konsequenzen. Er forderte volle Hingabe. Nur bei ihm, dem Menschensohn, gab es wahres Leben. Göttlicher Anspruch!

Das war zu viel! Viele seiner Jünger wandten sich von Jesus ab. Das forderte sie zu sehr heraus. So groß war ihr Glaube nicht, ihr Vertrauen in diesen Wanderprediger und Wundertäter. Das konnte man doch einfach nicht verstehen. Worauf ließ man sich da ein? Da war es doch besser, wieder nach Hause zu gehen. Was man hat, das hat man. Das Hemd, das man trägt, ist näher als irgendwelche Zukunftsversprechungen, die kein Mensch überprüfen kann. Also bleibt man doch besser bei dem, was man kennt.

Jesus wusste um die Einstellung der Menschen. Er wusste, dass sie sich lieber auf ihr eigenes Urteilsvermögen verließen als auf etwas, das sie nicht verstanden. Gottes Geist hatte es ihnen nicht aufgeschlossen. So ließ er sie ziehen.
 

Das Bekenntnis des Petrus: Wohin sonst sollten wir gehen?

Ob auch die Zwölf gehen würden, seine engsten Gefährten? Petrus machte sich zum Sprecher der Gruppe: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ (V. 68) Sie alle hatten Jesu Reden und seine Taten aus nächster Nähe erlebt. Und wenn sie mit ihm unterwegs waren, dann hatten sie viel gesprochen. Er hatte ihnen viel erklärt. So war ihnen klar geworden, Jesus war ein ganz besonderer Mensch. Er gab ihnen, was ihnen sonst keiner gab. Er hatte sie zu anderem berufen als ihnen ihr bisheriges Leben geboten hatte. Menschenfischer sollten sie werden, was auch immer das hieß. Aber das wollten sie lernen bei ihm, ihrem Rabbi, ihrem Lehrer.

Seine Worte waren so anders, vollmächtig, kraftvoll. Seine Worte schlossen ihnen den Himmel auf. Gott selbst begegnete ihnen darin. Jetzt verstanden sie schon mehr von dem, was ihnen ihre alten Lehrer in den Synagogen nicht erklären konnten. Jesus war mehr als ein normaler Rabbi, er war von Gott gesandt, ein Heiliger, vielleicht der Heilige, der ihnen versprochen war? „Wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ Auf der Wanderschaft mit Jesus hatten sie Vertrauen gelernt. Sie hatten erfahren, dass er sie verstand, ihre Fragen kannte und Antworten hatte. Er konnte ihnen in ihren Nöten helfen und ihren Glauben stärken. Es gab nichts mehr, was sie tiefer erfüllen konnte. Wohin hätten sie also sonst gehen sollen?

Das Bekenntnis des Petrus war ein einschneidendes Ereignis im Leben der Jünger. Sie hatten verstanden, dass sie sich entscheiden mussten. Ihr Mitgehen mit Jesus war mehr als ein Mitlaufen. Es war Nachfolge. Wohin Jesus ging, dahin gingen auch sie. Ganz bewusst folgten sie ihm. Sie hatten geglaubt und erkannt, auch wenn sich herausstellen würde, dass ihr Glaube manchmal klein war und ihre Erkenntnis noch Stückwerk blieb. Einer von den Zwölf, Judas Iskariot, würde Jesus verraten und sich dafür das Leben nehmen. Und auch Petrus würde versagen, bei Jesu Festnahme mit Gewalt dreinschlagen und seinen Herrn verleugnen. Sie hatten noch lange nicht alles verstanden, aber ihr Herz war dabei. Und nach der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus und dem Empfang des Heiligen Geistes zu Pfingsten waren sie bereit, ihre Berufung zu leben, Menschenfischer zu sein.
 

Die Frage an uns: Wollt ihr auch weggehen?

Wollt ihr auch weggehen?“, hatte Jesus seine Jünger gefragt. Wenn wir heute diese Worte lesen, dann sind sie an uns gerichtet, die wir heute seine Jüngerinnen und Jünger sind. In Zeiten steigender Kirchenaustritte sind wir gefragt: „Wollt ihr auch weggehen?“ Was antworten wir? Unser Glaube steht auf dem Prüfstand. Jeden Sonntag sprechen wir in unseren Kirchen das Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an Gott, den Vater … und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn … Ich glaube an den Heiligen Geist und die heilige, christliche Kirche…“ Wie ernst ist es uns damit? Vertrauen wir Jesus? Gehen wir mit ihm durchs Leben oder sind wir Mitläufer nur solange es sich auszahlt? Haben wir erkannt, dass es bei Jesus um mehr geht als volle Bäuche und Portemonnaies? Um eine gesättigte Seele geht es, um Lebensgemeinschaft mit Gott, um Sinn und Ziel des Lebens. Wohin sonst also sollten wir gehen!

Das Bekenntnis des Petrus fordert mein eigenes Bekenntnis heraus. Ich bin sehr dankbar, dass ich schon lange mit Jesus unterwegs sein darf. Auch wenn ich auf meinem Lebensweg manchmal mehr stolpere als laufe, so weiß ich, Gott hat mir versprochen und bis heute gehalten, dass er meinen Fuß nicht gleiten lässt. (Psalm 121,3) Er hält mich auf dem Weg zu seinem Ziel. So kann ich frohen Herzens mit Petrus sagen: „Herr, wohin soll ich gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und ich habe geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

Und was sagen Sie?

Autor/-in: Ute Cron-Böngeler